Archiv für Fernweh und Heimweh

zwischen super-nerd und gefährlichem freak.

Es kam, wie es kommen musste: meine heiße Arbeitssaison begann, bevor ich mit dem Buch fertig war. Plötzlich hatte ich drei große Sachen auf einmal zu tun, natürlich der ideale Moment für John, krank zu werden und zwei Wochen lang nicht in die Schule zu gehen. Kaum war er wieder fit, startete ich ein neues Programm in Prag.

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Eine Frau brach sich als Allererstes einen Zeh.

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Abends klopfte es an der Tür und der Hotelmanager bot mir einen Gutschein für ein Drei-Gänge-Menü im Tausch gegen meinen Fernseher. Im Zimmer eines VIP war der Fernseher defekt und es gab keine Ersatzgeräte mehr. Selbstverständlich habe ich das Tauschangebot sofort angenommen, denn ich war eh kaum im Zimmer und wenn, dann las ich Karl Ove Knausgårds Lieben, das mich ebenso in den Bann zog, wie es Sterben getan hatte. Da braucht kein Mensch einen Fernseher.

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So sahen auf den Toiletten im Hotel nahe der Lobby die Wasserhähne aus. Ich dachte mir, das sollt ihr wissen.

 

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Als ich eines Morgens zum Frühstück kam, war unser Vortragender für den Tag bereits da und sagte, dass seine Frau gerade mit Wehen ins Krankenhaus sei. Sie erwarteten Zwillinge, die Wehen seien noch ziemlich weit auseinander, wahrscheinlich könne er den Vortrag noch halten, aber ob er dabei das Handy eingeschaltet lassen könne, seine Frau wolle ihn anrufen, falls er doch schon schnell kommen müsste. Er hielt tatsächlich noch seinen Vortrag. Ich fragte ihn, ob er wisse, was sie bekommen und er sagte: “Eineiige Mädchen, wir haben es noch niemandem erzählt. Du bist die Erste, die das weiß. Das wird uns jetzt immer verbinden.” Die Kinder wurden später am selben Tag geboren.

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Nach einer Woche brachte ich die erste Reisegruppe zurück zum Flughafen und eine Stunde später landete eine zweite. Ich setzte mich zum Warten mit Knausgård in die Ankunftshalle, mir gegenüber saßen vier blonde Frauen um die Fünfzig und redeten in einer Sprache, die ich nicht verstand. Plötzlich sprach mich eine von ihnen auf Deutsch an: “Ist das die deutsche Übersetzung von Min Kamp, die Sie da lesen?” Es stellte sich heraus, dass die vier Norwegerinnen waren und begeistert alle sechs Bücher gelesen hatten. Wir unterhielten uns mehr als eine halbe Stunde über Knausgård. Eine der Frauen sprach sehr gut Deutsch und übersetzte zwischen uns. Das war so eine tolle Begegnung, und was für ein Zufall, am Flughafen in Prag.

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Die Pilsener Urquell Brauerei:

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In zwei Wochen Tschechien lernte ich ansonsten vor allem, dass es quasi unmöglich ist, tschechisch zu lernen.

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Heute war ich zu Gast bei Deutschlandradio Kultur. Kann man hier nachhören.

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Bald geht es wieder los nach Prag; dies ist mein Prager Frühling.

unterwegs sep./okt.

Das Taxi vom Flughafen Sofia in die Innenstadt kostet umgerechnet 5 Euro bei einer Fahrtzeit von einer halben Stunde. In unserem Hotel wird eine Hochzeit gefeiert.

 
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In Sofia lief ich in meiner Freizeit stundenlang einfach nur so durch die Straßen, in einer Seitenstraße beobachtete ich zufällig einen Mann, der aus der Haustür trat, seinen Briefkasten öffnete, erfreut einen Brief herausholte, dann dem Brief einen herzhaften Kuss gab und beglückt damit im Haus verschwand.
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Auf dem Weg von Sofia nach Widin steht in pink an einer grauen Wand geschrieben:
Je suis née pour te connaître.
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Während ich auf dem Schiff in Rumänien iPod und Laptop synchronisierte, plötzlich gedacht: Angstmaschine: wenn man das Leben synchronisieren könnte
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Wir fuhren durch das Eiserne Tor, ich saß auf dem Sonnendeck der Amadeus Brilliant, las Twitter und als ich mich abmeldete, erschien die mobile Abmeldungs-URL: twitter /destroy.

Diese kleine Schrecksekunde, bevor der Verstand sich einschaltet und die Wahrnehmung geraderückt. Ich habe Twitter nicht zerstört.
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Belgrad, 2012 immer noch die Ruinen der NATO-Bomben.

Unterdessen am Rande der Festung ein erfreulicheres Tauziehen beobachtet.


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Ungarn, wir fahren durch ein Dorf, in dem die Menschen an den Häusern Chili trocknen.


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Für unsere gehbehinderten Reisenden finden wir überall Aufzüge, selbst in Gebäuden, in denen es angeblich keine gibt, zum Beispiel im Primatialpalais in Bratislava.

Portrait as the queen of secret hidden service elevators
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“Kein Gott! Kein Cop!” #graffiti-in-wien

Derweil wird an der Votivkirche renoviert und die Gerüste sind mit sexy Werbung versehen. Kein Gott, kein Cop.


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“Marie Antoinette, you know, the lady with the cake problem in France” #stadtführersätze
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“The food on the ship is too salty. In North America, we don’t use salt for cooking anymore.”

Talk about Subjektivität von Wahrnehmung und erstaunliche Statements.

/Mein Feind das Salz/
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Bis vier Uhr morgens in der Bar versackt und mit ein paar Leuten von der Crew Beatas Geburtstag gefeiert, zuerst noch mit Wein, dann mit selbstgebrautem bulgarischen Apfelschnaps und Karaoke. Morgens um sechs nach zwei Stunden Schlaf raus und ganztags Programm.

[Note to self: geht noch, wenn auch deutlich schwieriger als vor zwanzig Jahren.]
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Zuhause dann: wir haben einen zweiten Fernseher gekauft, damit wir nicht immer mit John diese Schlagersendungen gucken müssen, die er sich so gerne ansieht. Wir schalten ihm also im Schlafzimmer Florian Silbereisens “Herbstfest der Volksmusik” an, setzen uns ins Wohnzimmer und stellen uns so vor, wir könnten eine DVD gucken, aber John hat natürlich keine Lust, alleine zu gucken, kommt rüber, nimmt meine Hand, zieht mich ins Schlafzimmer, besteht darauf, dass ich mich hinlege, legt sich daneben und schlingt sein Bein um mich, damit ich nicht weggehen kann, giggelt, offensichtlich sehr zufrieden mit seinem Arrangement, und sieht vergnügt fern, Scott kommt irgendwann nach und leistet mir Gesellschaft und so liegen wir am Samstagabend zu dritt im Bett und gucken Florian Silbereisen.

Fun Fact: sich für das Kind das Herbstfest der Volksmusik in voller Länge mit anzusehen ist einer der größtmöglichen Liebesbeweise überhaupt. Für John, only.
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A propos Liebe, gotta talk about last.fm: Lieben und shuffeln, und geliebte Songs shuffeln, yeah, yeah.

“You wake up and you see that a 55 year-old grandma in Germany was listening to The Beatles until five in the morning. That’s so nice to know. You gotta love last.fm.”
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Entwickelt sich gerade zum großen Liebling: Grizzly Bear, Shields [#]
(Konzert im Astra am 31.10. leider ausverkauft.)
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“Men might not make women happy here, but left to their own devices, women tend only to make one another unhappy.” [#]
(Gesehen und gemocht: Please Give)
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Gelesen: … der Wirklichkeit abgewandt. Eine Wissenschaft- und Kulturgeschichte des Autismus von Klaus-Jürgen Neumärker. Mehr Wissenschaftsgeschichte allerdings, weniger Kulturgeschichte. Ein Buch mit vielen interessanten Informationen, aber leider, wie so oft, gibt es auf Englisch eine fundierte und dennoch unterhaltsame Variante (A History of Autism von Adam Feinstein) und das deutsche Buch ist zwar sehr fundiert, aber leider nicht unterhaltsam, sondern ziemlich schlecht geschrieben (viele unnötige Ausrufezeichen!!einself!). Der ehemalige Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie hätte gut daran getan, seinen Text von einem Profi lektorieren zu lassen.
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Gerade Wissenschaftler scheinen aber in Deutschland gerne der Meinung zu sein, dass sie ohne professionelle Unterstützung selbst gut schreiben oder auch übersetzen können, anders kann ich mir das folgende Fiasko jedenfalls nicht erklären. Im Schloss Cecilienhof in Potsdam gibt es neue Informationstafeln mit englischer Übersetzung und auf fast jeder Tafel sind Fehler, teils richtig heftige Fehler. “Der Krieg schreitet voran” wird übersetzt mit: “Germany rages war against Europe.” Zwei Sätze mit unterschiedlicher Gewichtung. Weltpolitik wird lapidar mit “global politics” übersetzt, wenn im deutschen Original viel mehr eine “world policy” gemeint ist, und das Schlimmste: wenn auf Deutsch berichtet wird, dass Churchill am Ende die Wahl in England verlor und deshalb in Potsdam durch Attlee ersetzt wurde, steht dort auf Englisch: “Churchill loses at last.” Wie in: verliert endlich, und mich hat von der Reisegruppe auch tatsächlich jemand gefragt: “Why do they say that Churchill finally loses, why did they want him to loose? Do the Germans prefer Attlee?” Ich musste erklären: Nein, auf Deutsch ist der Satz neutral und nicht wertend formuliert, hier ist nicht gemeint, dass Churchill endlich verliert, sondern “in the end.”
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/Random list of questions/

“My room smells smoky. Can you help me change rooms?”
“My mother-in-law has pneumonia and we might have to fly home. Can you call my travel insurance?”
“Where can I buy nice Bulgarian children’s books close-by?”
“When was the Alexander Nevsky Church built?”
“Which one is the right adapter for Bulgaria?”
“Where on this map are we at the moment?”
“It seems that Hungary has developed faster than Bulgaria or Romania. Why do you think that is?”
“Who is the architect of the CET in Budapest?”
“How much will a taxi from Fisherman’s Bastion to the docking site cost?”
“Where in the palace can I find the famous English tapestries?”
“We hear so much about Franz Joseph, but can you explain a little bit more about Maximilian’s role in Mexico?”
“Who built the organ in St. Stephen’s?”
“What’s the exchange rate of Czech Crowns to the dollar?”
“Can you make a dinner reservation for us at the Bellevue Restaurant in Prague?”
“Where did you buy your purse?”
“I booked my return flight for the wrong day. Can you get an extra night at the hotel for me?”
“I don’t see many birds here. Where are they?”
“I need to see a doctor. Can you go with me?”
“Don’t you think that Tosca last night and Drusilla tonight had to make morally quite similar choices?”
“I can’t get online with my iPhone. Can you figure this out?”
“How many Jewish people live in Berlin today?”
“On which day did Vice President Johnson come to Berlin?”
“Can you talk a little bit about the punitive approach against Germany after World War I as opposed to the Marshall Plan after World War II?”
“Where’s the closest restroom?”
“Does the Schillertheater have artificial reverberation?”
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zwölf.

‘Cause every single story
is a story about love
(The Shins/ 40 Mark Strasse)

Unsere Wohnung wird zum Club: zum Geburtstag bekommt John einen LED-Lichtprojektor. Wir haben lange überlegt, was wir ihm schenken können, das ist jedes Jahr zum Geburtstag und zu Weihnachten so eine Sache. Aber dann dachten wir uns: er mag Musik und er interessiert sich für visuelle Effekte, also haben wir einen Projektor gekauft, dessen Lichteffekte sich nach Musik richten.

Jetzt testen wir, mit welcher Musik es am besten funktioniert. Schonmal nicht mit der neuen Cat Power, die löst fast nichts aus, The Olivia Tremor Control dagegen zieht ganz gut. Laut Beschreibung ist es am besten, wenn man noch eine Fog Machine dazukauft, das kommt dann vielleicht zu Weihnachten. Nach und nacht mutiert unsere Wohnung zu einem Snoezelraum, warum aber auch nicht.

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Ein großer Junge, dessen Kinderausweis heute ausläuft, er ist jetzt offiziell kein Tweener mehr, unser Teenager, gestern haben wir im Bürgeramt den ersten richtigen Pass für ihn beantragt. Was ändert sich noch mit zwölf? Damals war das Highlight, dass man mit zwölf im Auto vorne sitzen durfte. Vielleicht probieren wir es mal mit John, allerdings habe ich Bedenken, dass er in die Schaltung oder ins Steuer greift, oder die Tür öffnet, die am Beifahrersitz keine Kindersicherung hat, also vielleicht lieber doch nicht.
Trotzdem: herzlichen Glückwunsch, Großer!

keep your mind set, keep you hair long.

Ein Mann beschwerte sich in der Schweiz darüber, dass die Bordsteine unterschiedlich hohe Kanten haben, das mache das Gehen so gefährlich, und ich dachte an die Frau, die auf der angeblich zu nassen Gangway in Antwerpen umgeknickt war und sich den Knöchel gebrochen hatte, und an die Frau, die nach dem Lunch im Savoy in Berlin die Treppe zur Toilette hinuntergestürzt war, weil das Geländer dort erst bei der dritten Stufe beginnt, und an all die Evaluationsbögen, in denen die Leute das Kopfsteinpflaster überall in Europa bemängeln, und fehlende Klimaanlagen (eine Zumutung, tatsächlich Hitze spüren zu müssen), und je mehr ich mit den amerikanischen Gruppen arbeite, umso mehr nehme ich wahr, wie fast all ihre Kritik darauf hinausläuft, dass sie Standardisierungen der ein oder anderen Form vermissen. Ohne Standardisierung erleben sie sofort Kontrollverlust und Unsicherheit. Die Unebenheit des Kopfsteinpflasters ist auch und vielleicht vor allem ihr philosophischer Feind.
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Ein Mann sagte: “I’m always happy to see a McDonald’s. Whenever I see a McDonald’s while traveling, I know that civilization has arrived to this place.”
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Das hört sich jetzt viel schlimmer an, als es war, denn es war tatsächlich toll in der Schweiz, und die Reisegruppe war sehr, sehr nett. Zum Abschied haben sie mir sogar einen iPod Touch geschenkt, mit dem ich nun begeistert fotografiere, Videos aufnehme, Mails checke – und Musik höre.
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Ich weiß jetzt etwas, das ich als Flachlandkind vorher nicht wusste. Oben am Gornergrat habe ich zum ersten Mal den Ruf der Berge gehört, auch wenn man ihn gar nicht hören kann. Ein wortloses Wissen.
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Fast dachte ich, wir sollten in die Schweiz ziehen, aber dann fuhr ich zwei Stunden lang mit dem Fahrrad durch Berlin, eine gerade erst zusammengestellte Compilation im neuen iPod auf dem Ohr, kaufte in der Oranienstraße Tickets für Mina Tindle im Festsaal Kreuzberg und dachte mir: “Who am I kidding?”
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Zuhause: John möchte am liebsten den ganzen Tag auf dem Sofa rumlungern, entweder Chips oder Eis essen und dabei Musik hören beziehungsweise Youtube-Videos ansehen. A teenager is in da house, pünktlich zum 12. Geburtstag nächste Woche.
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Gestern Elternabend in der Schule, alleiniges Thema die Kürzungen. Logopädie und Ergotherapie gibt es jetzt nur noch auf Rezept, die Kosten sind also zum Gesundheitswesen verlagert worden und bald lesen wir dann, wieviel mehr Geld die Krankenkassen für Therapien ausgeben und wundern uns (nicht). Die Musiktherapie wurde gestrichen, die können die Eltern nun selbst bezahlen, wenn sie denn möchten/ können. 4,5 Lehrerstellen sind weg und auch hier wundern wir uns (nicht), wie das zu den Pressemitteilungen passt, das Land Brandenburg habe 800 neue Stellen geschaffen, denn bei dem, was dem Bürger als Einstellungen verkauft wird, handelt es sich in Wirklichkeit nur um Entfristungen, also darum, dass Lehrer, die sowieso schon da waren, feste Verträge bekommen haben. Die übliche Augenwischerei. Neue Lehrer gibt es nicht, und bei den freien Schulen hat man die Anzahl sogar großzügig gekürzt. Warum? Weil die Lehrer für die Inklusion gebraucht werden, die man kostenneutral umsetzen will. Aus dem gleichen Grund soll zum Jahr 2014 die Beschulungszeit um drei Jahre gekürzt werden. Bisher gab es so genannte Werkstufen, die die jungen Erwachsenen zwischen achtzehn und einundzwanzig Jahren besuchen konnten, ab 2014 ist mit achtzehn Schluss. Dann verlassen statt normalerweise circa fünfzehn auf einen Schlag 51 Schüler die Schule. Werkstatt- und Förderplätze gibt es für diesen Ansturm nicht, im Gegenteil: die Werkstattplätze sollen noch gedeckelt werden. Eltern, deren Kind rund um das Jahr 2014 achtzehn wird, können sich schon mal drauf einstellen, dass es für den jungen Mann oder die junge Frau keinen Platz gibt außer im Hotel Mama, die dann wieder aufhören kann zu arbeiten. Aber so werden natürlich auch wieder Lehrerstellen in den Sonderschulen frei, die man für die kostenneutrale Inklusion braucht. Das ist alles politisch so gewollt. Es war von Anfang an klar, dass die Schwächsten und am schwersten Beeinträchtigten am meisten drunter leiden werden, aber das interessiert keinen. Mich interessiert es jetzt auch nicht mehr, ich gewinne am Wochenende einfach im Lotto und baue John irgendwo ganz weit draußen ein Haus, das seinen Bedürfnissen entspricht. Or what?

schweiz.

Ich arbeite seit dem 7. August in der Schweiz, quasi überall in allen Ecken, nächsten Donnerstag geht es wieder nach Berlin. Zwischenzeitlich nur Zeit für ein paar Impressionen auf Flickr. [#]

osterferien [kurze nachlese].

“I wanted to make it clear to her that you can write about anything that happens to you, that it’s a natural response to experience.” [#]
(David Shields, Life is short; art is shorter. Auch mit einem schönen Rant gegen Jonathan Franzen)
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“Walking is the ultimate mobile app.” [#]
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In diesem Sinne: viele Wanderungen in den Osterferien.
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“Every living thing is, from the cosmic perspective, incredibly lucky simply to be alive.” [#]
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Joel Robinson: The joy of reading [#]
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“What vintage nurse uniforms have to do with Darwin’s studies of animal emotions and Chinese war propaganda.” [#]

40.

Ich habe die Ausfahrt 40 genommen, mit Lebensfilm-Torte, und es fühlte sich sogar gut an.

l’ailleurs nous attend [2011].

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Wir haben unseren Weihnachtsbann durchbrochen: nachdem 2008 an Heiligabend mein Fahrrad geklaut wurde, wir 2009 die Schweinegrippe im Haus hatten und Weihnachten auf der unter den Baum gelegten Matratze verbrachten und sich John 2010 am zweiten Weihnachtstag den Fuß brach und wir den ganzen Tag in der Notaufnahme waren (unvergesslich die sehr kranke Oma dort, deren einzige Sorge es dennoch war, sie könnte am Abend das Traumschiff im Fernsehen verpassen), waren wir gespannt, was Weihnachten 2011 uns so bringt, aber: nichts, nur Ruhe.

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2010 war ein Übergangsjahr, vor allem durch Umzug und Schulwechsel, alles mit viel Aufwand und Bürokratie verbunden (neben dem üblichen Umzugsstress brauchten wir Genehmigungen von zwei Schulräten, für den Fahrdienst nach Fürstenwalde Gutachten von zwei Kinderpsychiatern, eine Neuordnung der Einzelfallhilfe bedingt durch den Umzug in einen neuen Bezirk etc.). 2011 sollte dann, so die Hoffnung, das Jahr werden, in dem sich alles stabilisiert und normalisiert. Das hat sich ansatzweise erfüllt: Johns neue Schule, die nun ja gar nicht mehr so neu ist, ist super, ich habe im letzten Jahr wieder mehr arbeiten können, Scotts Deutsch ist viel besser geworden. Dennoch war es immer noch ein bisschen ein Jahr der weiteren Suche: wohin soll es beruflich langfristig gehen, erste Gedanken, was für John nach der Schule kommen soll, anhaltende Verhaltensprobleme bei beachtlichem Wachstum lassen uns bangen, wie lange John noch zu Hause bei uns wird wohnen können, dabei hat Scotts dreimonatiges Sprachschulpraktikum, das er aus diesem Grund in einem Wohnheim für erwachsene Autisten verbracht hat, mehr Fragen aufgeworfen, als es beantwortete (nachdem er bei einem Bewohner in der Psychiatrie war, kam Scott nach Hause und sagte: “Da werde ich eher eingewiesen, als dass mein Sohn da einen Schritt reinsetzt”), aber überhaupt: was, wenn wir nicht mehr da sind, wie können wir John am besten auf ein Leben ohne uns vorbereiten, denn selbstbestimmt leben können wird John nicht, er wird immer auf viel Hilfe, Geduld und Unterstützung angewiesen sein, viele Fragen weiter immer im Hinterkopf.

[Das weiße Rauschen im Leben mit einem schwerstbehinderten Kind.]

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Der schöne Silvesterspaziergang durch das Wildgehege Glauer Tal.

Als Scott an Silvester um elf den Sekt öffnen wollte, protestierte ich noch, dass wir bis Mitternacht warten sollten, dann schlief ich natürlich noch vor zwölf auf dem Sofa ein und wachte erst um kurz nach eins wieder auf, im Radio lief NPR, ich fragte Scott: “Warum hast Du mich denn nicht geweckt?” und er antwortete: “Du hast so schön geschlafen.” Zart.

Auch ein verschlafener Jahresanfang ist ein guter Jahresanfang, zumal wenn man einen fürsorglichen Mann im Haus hat, der einen so gut kennt, dass er schon um elf den Sekt öffnet. (Natürlich nicht ohne einen dezenten Hinweis auf all die vorherig verschlafenen Jahreswenden, inklusive Millenium.)

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Selbstbildnis als Mutter eines Teenagers.

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Entdeckung: Les Talents Acoustic. John steht total auf zwei Lieder, die wir mit ihm ewig oft auf Youtube angesehen haben: Cyrille Aimée und Sirius Plan.

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Zürich, Interlaken, Meiringen, Bern, Spiez, Thun, Grindelwald, Luzern, München, Passau, Melk, Wien, Bratislava, Budapest, Kalocsa, Solt, Belgrad, Turnu Severin, Widin, Belogradtschik, Sofia, Thessaloniki, Pella, Vergina und natürlich Berlin.

[Arbeit].

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Thomas Pletzinger, Inka Parei, Kolja Mensing.

[2011 nur drei Lesungen besucht].

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Joshua Bell am 17.10.2011 in der Berliner Philharmonie.

[Konzert].

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10. Portugal, The Man: In the Mountain, In the Clouds
  9. Wilco: The Whole Love
  8. Fleet Foxes: Helplessness Blues
  7. PJ Harvey: Let England shake
  6. Death Cab for Cutie: Codes and Keys
  5. Feist: Metals
  4. Stephen Malkmus & The Jicks: Mirror Traffic [allgemein unterschätzt]

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  3. Iron & Wine: Kiss Each Other Clean
  2. The Decemberists: The King is Dead
  1. Bon Iver: Bon Iver

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Wiedersehen: Bruder mit Familie das erste Mal seit anderthalb Jahren aus Kolumbien da, das dritte Kind, in Bogotá geboren, das erste Mal gesehen und herumgetragen. Babys herumtragen gehört ja sowieso mit zu den schönsten Dingen, überhaupt.

[2011 wohnten Familienmitglieder in: Deutschland, USA, Kolumbien, Schweiz, Israel und Mexiko.]

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Selbstbildnis als Patentante.

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Geert Mak – In Europa

[Tolles Buch, 2011 entdeckt.]

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Carnage – Gott des Gemetzels

[Film]

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Serie mit Potential: Boss mit Kelsey Grammer. Die letzte Folge der ersten Staffel fand ich zwar erstaunlich uninspiriert, aber dafür war die zweitletzte ziemlich wow. Ist das West Wing in The Wire frittiert? Noch kann man es nicht wirklich sagen, ich bin gespannt auf die zweite Staffel.

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Ich habe 2011 zwei sehr gute Bücher über Autismus gelesen: Mark Osteen – One of Us und Karl Taro Greenfeld – Boy Alone. Osteen ist Vater eines schwer autistischen Kindes und Greenfeld hat einen schwer autistischen Bruder. Beide haben es hinbekommen, von ihren Erfahrungen auf eine unkitschige Art zu erzählen, die zwar nichts beschönigt, aber eben auch nicht einfach nur rumjammert oder in Hysterie ausartet.

[Zwei Bücher, die mir ein bisschen Hoffnung für mein eigenes, stagnierendes Autismusbuchprojekt gemacht haben.]

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Greenfelds Buch war mein erstes eBook. Im Sommer 2011 hat es mich erwischt: das Tablet, die Apps, die Wucht einer neuen Welt, wie schön, so ein Anfang. Die üblichen Gewöhnungen und Technikfrustrationen warten schon um die Ecke, ich weiß, aber im Moment bin ich immer noch begeistert.

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2011 war mein erstes Jahr ohne Großeltern.

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Schönstes Kompliment: ein ganzseitiger Brief einer Mitreisenden der Balkantour. An den möchte ich mich erinnern, wenn alles düster aussieht.

["We would like to thank you so very much for an excellent holiday. Your detail to every little matter has shone like a star. In the past we have always made our own plans, hotel, flights, meals, sightseeing, but being with you has been pleassant, relaxing, and a careful time. Thank you so very much for all of your time – away from your home and family, and for your expertise. I think if we could, we would travel to the far corners of the world with you and feel quite safe, comfortable and secure. You are the very best and hire only the very best guides, drivers, hotels, and everything. It has been a pleasure meeting you and having fun because of you, and with you."]

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Herkulesakt des Jahres: endlich Erfolg bei Johns Toilettentraining. Mit vielen Waschmaschinenladungen erkauft, ein andauerndes Projekt, aber der erste Durchbruch ist geschafft, und es gab eine Zeit, da hätten wir es nicht für möglich gehalten, die Windeln jemals loszuwerden.

[Außenstehenden wohl kaum vermittelbar, was für ein unglaublicher Erfolg das ist. Stolz darauf, was John alles doch schafft, besonders wenn ich mich etwa an die pessimistischen Prognosen aus den Jahren 2001 und 2002 erinnere. Richtig so, zeig's ihnen, Buddy.]

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Am meisten bedauert: 2010 war John medikamentenfrei geworden, was uns wahnsinnig gefreut hatte. 2011 saß es nicht mehr drin, zurück zum Pipamperon, immerhin nur auf halber Dosierung.

[Unser Leben im Krebsgang.]

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Pflegestufenbegutachtung: John behält die Pflegestufe III.

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Erste Mail 2012: “Just to let everyone know we are returning to the old procedure of Green tags for ticketed pax and Red for land only.”

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the balkan travelogue [10.-24. september].

Wir haben am zehnten Jahrestag von 9/11 in München 134 US-Amerikaner und Kanadier am Flughafen eingesammelt.
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Wir sind in Passau so gerade noch rechtzeitig auf das Schiff gekommen, bevor es ablegte.
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Die Donau: der einzige Fluss Europas, der nach Osten fließt.
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Unser Schiff: 110 Meter lang. Unsere Reiseroute: Deutschland, Österreich, Slowakei, Ungarn, Serbien, Rumänien, Bulgarien, Griechenland.
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Ich nenne es Arbeit.
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Ich habe nach der ersten Nacht an Bord morgens um halb sechs auf dem Sonnendeck das erste Mal erlebt, wie das Schiff langsam durch den Fluss in den Sonnenaufgang hineingleitet. Wie schön das ist.
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Wir haben eine Führung durch den Stift Melk gemacht.
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Ich habe eine junge Frau gesehen, die den Blick von Dürnstein auf die Donau malte.
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Ich habe einen unseren Reisenden in Österreich tagträumend in den Weinbergen wiedergefunden.
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Wir sind durch die Wachau gefahren.
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Ich bin durch Wien gelaufen, aber am meisten habe ich in Wien in Telefonzellen gestanden und mit Deutschland telefoniert.
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Wir haben in Bratislava einen Vortrag über den slowakischen Übergang in die Marktwirtschaft gehört, im Vergleich erschien mir die deutsche Treuhand plötzlich vergleichsweise gelungen.
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Nach einem vollen Tag in Budapest hat unser netter Kapitän abends noch eine Extratour “Budapest bei Nacht” ins Programm genommen.
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Wir haben in Kalocsa in Ungarn das Paprika-Museum besucht und in Solt auf einem Gestüt gesehen, wie ein Reiter stehend ein Gespann von fünf Pferden reitet.
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Ich habe Aprikosenschnaps getrunken.
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In Mohács wurde das ganze Schiff einem absurden, halbherzigen Face-Check unterzogen, danach störten die ungarischen Zollbeamten absichtlich unseren Vortrag “The Politics of Race and Religion in Europe,” nur weil sie es eben konnten, weil sie die Macht dazu hatten. Ohne ihr Okay würde das Schiff nicht weiterfahren können, also setzten sie sich in die Lounge, ließen sich bewirten und redeten so laut, dass es den Vortrag störte, und als Reisende sie baten, leiser zu sein, wurden sie stattdessen noch lauter. Es ging im Vortrag gerade um Machtmechanismen im Nationalsozialismus, ein Reisender dazu: “You couldn’t escape to notice the irony of the situation.” Ungarn 2011.
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Wir sind bei bestem Wetter mit der aufgehenden Sonne nach Belgrad eingefahren, und die Stadt hatte schon gewonnen.
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Immer wieder die Sonnenaufgänge. Auf der Donau sollte man immer nach Osten fahren.
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Ich habe im Belgrader “Café Fragezeichen” einen traditionellen Kaffee getrunken, eines der Überbleibsel der osmanischen Herrschaft.
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Der serbische Historiker, der immer wieder die “gleichwertige Schuld” aller ex-jugoslawischen Länder betonte und kein Wort über Srebrenica verlor.
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Das Ablegen in Belgrad um elf Uhr abends unter Beats entlang lebhafter Clubs am Flussufer ähnlich magisch wie die Ankunft bei Sonnenaufgang.
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Wie sind durch das Eiserne Tor gefahren.
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Wir haben ein rumänisches Wasserkraftwerk besichtigt.
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Rumänien, tatsächlich ein kleiner Kulturschock, wohl für alle Beteiligten, denn bei unserem Andocken in Drobeta Turnu Severin kam gefühlt das halbe Dorf zum Hafen. Wir waren anscheinend genauso interessant für sie wie umgekehrt.
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Ich habe halbfertige Parkanlagen gesehen, anscheinend EU-Förderprojekte, wie wir hörten, die unfertig abgebrochen würden, sobald das Geld gezahlt wurde. Ich hörte auch, dass die Blumen und Bäume binnen vier Wochen ausgegraben werden und ihren Weg in Privatgärten finden. Ich kann nicht abschätzen, was wahr ist von dem, was ich höre, aber was ich sah: wie trostlos es noch ist.
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Ich habe die Stadtführerin in Turnu Severin gefragt, was aus den Mitarbeitern der Securitate geworden ist, sie wurde bleich und fragte erschrocken: “Do I have to talk to people about that?” In keinem der Länder erlebte ich einen Umgang so offen, wie ich es aus Deutschland zur Stasi gewohnt bin.
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Wir haben die Festung Baba Wida besichtigt.
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Wir haben im bulgarischen Widin nach acht Nächten auf dem Schiff die Donau verlassen und sind mit dem Bus weitergefahren, zunächst nach Sofia, Mittagessen in Belogradtschik.
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Die Suppe für 137 Personen wurde mit Ankunft des ersten Busses für alle serviert, auch wenn die anderen drei Busse noch gar nicht da waren. Mit vier Reisebussen voller Nordamerikaner durch Rumänien und Bulgarien zu fahren, das ist schon noch “off the beaten track.”
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Sofia war toll, nicht zuletzt das Internet im Sheraton, endlich wieder Internet.
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In Bulgarien heißen die Raststätten “Happy.”
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Ich habe mich mit einem jüdischen Arzt über die deutsche Seele unterhalten. Er hatte mich nach meinem Vortrag in Sofia gefragt: “Do you think Germany’s soul can recover after what happened to it during the 20th century?” Er verglich Deutschland mit einem Patienten, der dem Tod gerade noch entgangen sei. Wie kann die Seele des Patienten das verarbeiten?
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Do you think Germany’s soul can recover after what happened to it during the 20th century? (Die Frage geht mir seither nicht mehr aus dem Kopf.)
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Ich habe einen Vortrag über die Geschichte Bulgariens gehört und gemerkt, wie beschämend wenig ich über die Geschichte Bulgariens wusste, eines Landes immerhin, das gar nicht weit weg von Deutschland, und zudem Teil Europas ist.
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An Christoph Ransmayrs Buch aus dem Anfang der Neunziger gedacht, zumindest für mich anscheinend immer noch treffend betitelt: “Im blinden Winkel.” Nachrichten aus Mitteleuropa.
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Wir sind mit dem Bus von Sofia nach Thessaloniki gefahren, mit Zwischenstopp im Kloster von Rila.
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Das Rila-Kloster wieder so ein Ort, der trotz Regen wunderbar war (erst der zweite Regen der Reise, der erste: Bratislava).
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Ich habe mich darüber gewundert, dass Ikonen aus dem 15. Jahrhundert im Klostermuseum vollster herkömmlicher Halogenbeleuchtung ausgesetzt werden. Keinerlei konservatorische Maßnahmen zu erkennen.
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Ich habe in Thessaloniki drei Demonstrationen gesehen, und abends auf der Straße tanzende Menschen.
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Ich habe in Tavernen gesessen und Mezes gegessen.
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Ich habe in der Altstadt von Thessaloniki einen Mann gesehen, der einen Sarg auf dem Rücken über die Straße trug.
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Ich war beeindruckt vom neuen archäologischen Museum in Pella.
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Ich habe das Philipp-Grab gesehen und im Innern des Großen Tumulus ist mir schwindelig geworden.
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Ich habe von einem Biobauern in Vergina eine Tüte leckerster Nektarinen geschenkt bekommen.
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Beim Farewell Dinner haben wir stehende Ovationen bekommen, was wirklich selten ist (und ziemlich rührend, wenn über 100 Leute aufstehen und begeistert klatschen).
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Der jüdische Arzt schenkte mir zum Abschied das Buch “Einstein’s German World” von Fritz Stern, mit einer schönen Widmung. (Chapter seven is my talk, apparently. Looking forward to reading it.)
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Ich habe noch nie so viel über Deutschland nachgedacht wie auf dem Balkan.
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Ich habe in zwei Wochen nur ein einziges behindertes Kind gesehen (Fußgängerzone in Belgrad).
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Zuhause hat das Kind in der Zwischenzeit die 1,60 m-Marke geknackt.
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Eine schöne, aber auch sehr arbeitsreiche und anstrengende Reise.
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Fotos [#]

bloeiende bollen.

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“We only use 10% of our brain”. I don’t know where that idea originated but it certainly took off as a popular meme – taxi drivers seem particularly taken with it. It’s rubbish of course – you use more than that just to see. But it captures an idea that we humans have untapped intellectual potential – that in each of us individually, or at least in humans in general lies the potential for genius. [#]

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Nachtrag aus der Schweiz. Dass elf normale Kinder weniger stressen als ein einziges autistisches zu Hause, eine unangenehme Wahrheit. Man will das nicht so sagen, ich will das nicht so sagen, aus Liebe natürlich nicht, aber es ist tatsächlich so. Die Kinder waren zwischen fünf und 15, besonders auf die beiden Fünfjährigen musste ich natürlich gerade in der Stadt, in Bern und Luzern, sehr achten, damit sie nicht auf die Straße laufen oder andere gefährliche Dinge tun, zwei wilde fünfjährige Jungs halt, im Zweifelsfall nahm ich den einen oder anderen auf die Schulter, die Zehnjährigen testeten meine Grenzen, all das Übliche, ich also an zweien der neun Tage mit diesen elf Kindern unterwegs und abends war ich groggy, natürlich, aber in keinster Weise vergleichbar mit dem Groggy in Berlin. Ich frage mich seither, woran das genau liegt und komme immer wieder nur zum Naheliegenden: Kommunikation, die Möglichkeit, miteinander zu sprechen, miteinander zu verhandeln, das tatsächliche Gemeinsam, das ist alles eine ganz andere Ebene. Mir gefällt das populäre Zitieren einer eigenen Welt nicht, in der Autisten angeblich leben, aber ich weiß, warum man sich dieses falschen Bildes bedient, wie sonst kann man diese andere Ebene beschreiben, in der man auch miteinander ist, aber auf eine so fundamental andere Weise?

[Andere Ebene, andere Weise, es zeigt sich die Hilflosigkeit des Ausdrucks.]

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Es gehört zum Leben dazu, dass die Menschen nicht ahnen, in welchem Luxus sie leben.

Die Kinderlosen ahnen nicht, wie viel Zeit und Freiheit sie haben, bis sie Kinder bekommen und es ihnen plötzlich aufgeht. Dass man ständig da sein muss, die schwierigen Nächte, der Schlafmangel, das Gebundensein, immer, die Sorge, die Verantwortung, die Unfreiheit. All das genießt man dann auch noch, findet es sogar toll, und das ist es auch, es ist tatsächlich prima, klasse, wunderbar. Human beings are crazy, indeed.

Diejenigen, die nichts mit geistigen Behinderungen, genauer gesagt vielleicht: diejenigen, die nichts mit Nonverbalität zu tun haben (nicht Sprachlosigkeit, denn Sprache gibt es: Verhalten ist Sprache, Verhalten wird sogar massiv zur Sprache), ahnen nicht, was das für ein anstrengendes Leben ist, ahnen nicht, wie aber sogar auch das auf eine ganz und gar stressige Art tatsächlich prima, klasse, wunderbar ist.

[Aber vielleicht ahnen sie es doch.]

Stimmt natürlich auch überhaupt nicht, dass man nicht ahnt, in welchem Luxus man lebt, mir ist unser Luxus doch sehr bewusst: dass wir eine tolle Schule gefunden haben, dass wir richtig gute Helfer haben, dass Deutschland trotz aller Kritik noch ein gutes Gesundheitssystem hat (zumindest ein besseres als die USA), dass wir so viel Hilfe und Unterstützung bekommen, dass dies trotz aller Kritik noch ein Sozialstaat ist, in dem wir leben.

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Irgendwann, ich stand in der Telefonzelle neben dem Hotel in Interlaken, sah ich auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen schwerstbehinderten Teenager, ausflippend, meltdown, neurological storm, dem Verhalten nach wahrscheinlich Autist, mit seinem Betreuer oder Vater vorbeigehen und wurde überwältigt von dem Bedürfnis, hinüber zu laufen und mich ihnen anzuschließen, ich wollte sagen: “Ich gehöre zu Euch, nehmt mich mit.”
So schwer fiel es mir, die Sorglosigkeit einer normalen, wohlhabenden, richtig netten Reisegruppe zu ertragen.

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Jede Nacht Alpträume im Hotel, psychologisch lächerlich einfach gestrickt, die ganzen Ängste und Dramen um John, morgens dennoch jeden Tag unglaublich erholt gefühlt, sogar so erholt, dass mir die ganze Schweiz schon vorkam wie ein einziger Wattebausch. Die Reise, eine Aufarbeitung. Ist ja schön, dass mein Unterbewusstes und ich mal drüber gesprochen haben.

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A propos einfach gestrickt: auf Texel gab es in Den Hoorn gerade das Kunstprojekt Klifhanger, darunter auch die Bloeienden Bollen, Strickmützen auf Zaunpfählen, hat mich ein bisschen an Guerilla Knitting erinnert.

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Im März schrieb ich noch, dass meine Reisen nur in Büchern stattfinden, Hamam Balkania las ich da gerade, ausgerechnet. Meine kleine Arbeitseskapade nach Prag im Herbst 2010 hatte John nicht gut aufgenommen, so ahnte ich im März nicht, dass sich das mit dem Reisen 2011 noch ändern sollte. Im Frühjahr kam das Angebot für die Schweiz im Juni, wir beschlossen einen weiteren Versuch. John wird bald elf Jahre alt, es heißt langsam loslassen lernen, sowohl für John als auch für mich, und siehe da, dieses Mal ging es schon viel besser. John ist in der neuen Schule hervorragend angekommen und Scott und John kamen Zuhause auch gut zurecht.

Jetzt erhielt ich nach der Schweiz ein neues Angebot, nämlich im September auf einer zweiwöchigen Reise zu arbeiten. Die Reise fällt in keine Schulferien, Scott und ich haben hin und her überlegt, schließlich habe ich zugesagt und werde also im September wieder für meine alte Chicagoer Firma als Travel Director Extraordinaire im Einsatz sein, neun Tage auf einem Schiff auf der Donau von Deutschland (Passau) über Österreich (Melk, Wien) in die Slowakei (Bratislava), nach Ungarn (Budapest), Serbien (Belgrad) und Rumänien (Drobeta Turnu Severin), von Widin aus mit dem Bus noch für zwei Nächte nach Bulgarien (Sofia) und für drei Nächte nach Griechenland (Thessaloniki). Von wegen, Hamam Balkania nur in Büchern. Es sieht im Juli anders aus als im März.

[Eine Reisegruppe ohne Kinder, dafür werden wir aber zu dritt über hundert Leute betreuen.]

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“Miranda July has come to personify everything infuriating about the Etsy-shopping, Wes Anderson-quoting, McSweeney’s-reading, coastal-living category of upscale urban bohemia that flourished in the aughts.” Hihi. [#]

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Noch ein paar Texel-Fotos. Ich könnte da morgen hinziehen, ehrlich.

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“The malware of medical science”: Die Pharmaindustrie lässt Studien nicht durchführen, um Medikamente tatsächlich zu testen, sondern um Ärzte dazu zu bringen, sie häufiger zu verschreiben. Nichts wirklich Neues oder Erstaunliches, aber als Beispiel in seiner Dreistigkeit Klarheit bezeichnend:  “Just when you thought the pharmaceutical industry had used up every dirty trick in the book, it has been revealed that a ‘study’ of the epilepsy drug gabapentin (aka Neurontin) was never really intended to investigate the medication, but was primarily intended to get doctors to prescribe it more often.” [#]

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In diesem oder ähnlichem Sinn: “Has America become a nation of psychotics? You would certainly think so, based on the explosion in the use of antipsychotic medications. In 2008, with over $14 billion in sales, antipsychotics became the single top-selling therapeutic class of prescription drugs in the United States, surpassing drugs used to treat high cholesterol and acid reflux.” [#]

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Wie gefährlich alternative Therapiemethoden sein können, zeigt sich am Beispiel der Familie Wendrow. Die Wendrows hatten über gestützte Kommunikation (FC – facilitated communication) versucht, der autistischen Tochter Kommunikation zu ermöglichen, dann aber schrieb die Tochter mittels FC angeblich, dass der Vater sie missbraucht habe, die Eltern wurden angeklagt, die Familie auseinander gerissen, der Vater saß 80 Tage im Gefängnis, davon 74 in einer Einzelzelle, 106 Tage lang war die Familie insgesamt getrennt, bevor das Ganze ad acta gelegt wurde, weil sich erwies, dass die Tochter gar nicht gestützt schreiben kann.

Die ganze, lange, traurige Geschichte: “Family’s life unravels with claims dad raped daughter” [#]

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Die neue Wertschätzung der Tiere nach Texel.

Wie gesagt, morgen, hinziehen, könnte.

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Gewalt und Taten, die die Gesellschaft in keinem anderen Zusammenhang dulden würde, werden bei schweren Behinderungen plötzlich geduldet: eine Mutter erdrosselt ihren autistischen Sohn mit einem Gürtel und muss nicht ins Gefängnis. “Mother walks free from court after strangling autistic son with belt” [#]

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