10 jahre bloggen.

Aus einem Jahr wurden mittlerweile also zehn.

Im Januar 2005 hätte ich wohl nicht gedacht, dass ich im Januar 2015 immer noch ein Weblog habe; statt mit dem kleinen Blondschopf auf dem Schoß dann an der Seite eines 1,85 m großen Teenagers.

Januar 2005

i forget where we were [2014].

#whathappened

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Über das Jahr verteilt war ich acht Wochen in Frankreich (zwei davon im Urlaub, sechs beruflich).

Orte, die ich in Frankreich besucht habe:
Paris
Giverny
Honfleur
Cabourg
Caen
Bayeux
Mont-Saint-Michel
Sainte-Mère-Église
Juno Beach
Omaha Beach
Utah Beach
Die Abbaye d’Ardenne
Unzählige Gedenkstätten und Friedhöfe beider Weltkriege

Jean-Claude Juncker hat Recht: „Wer an Europa zweifelt und wer an Europa verzweifelt, der soll Soldatenfriedhöfe besuchen, dann zweifelt er nicht mehr.“

Französischer Friedhof bei Verdun

Deutscher Friedhof Mangiennes

Amerikanischer Friedhof Meuse-Argonne

In und um Verdun haben wir uns angesehen:
Das Beinhaus von Douaumont
Den Bajonettgraben
Die Festung Vaux
Die neun zerstörten Dörfer in Charny-sur-Meuse
Das amerikanische Memorial in Montfaucon
Den amerikanischen Friedhof in Romagne-sous-Montfaucon

Beinhaus Verdun

Bajonettgraben Verdun

Außerdem in Belgien:
Die Abtei Orval
In Bastogne die Gedenkstätte der Ardennenoffensive (Battle of the Bulge)

Bastogne

Das macht was mit einem, diese ganzen Orte zu besuchen. Frieden wertschätzen, Demokratie wertschätzen, Verantwortung spüren (um nur die einfachsten und offensichtlichsten Gefühle zu nennen). Viele Autos mit Kennzeichen aus Frankreich, Holland, Belgien und Großbritannien. Dürften ruhig ein paar mehr aus Deutschland werden, wäre vielleicht auch ganz gut gegen Pegidamist.

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Ich habe einen neuen Job begonnen und drei alte trotzdem weitergemacht (die alten nur ein bisschen reduziert, um Platz für Nummer vier zu schaffen). Ich habe sehr viel gearbeitet, das dürfte im nächsten Jahr ruhig ein bisschen weniger werden, sieht aber mit einem Blick auf den Jahresplan 2015 nicht danach aus, zumal ich auch noch mehr Verantwortung übernommen habe.

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Das Jahr war literarisch für mich wieder von Karl Ove Knausgård geprägt. Ich habe viel gelesen, besonders unterwegs, aber das meiste hat mich nicht richtig gepackt. Bin halt noch nicht fertig mit Knausi.

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In den Sommerferien haben wir Johns Medikament um die Hälfte reduziert. [Größter Erfolg]

(Die andere Hälfte haben wir uns für die nächsten Sommerferien vorgenommen. Alles andere wäre zu ambitioniert, und wir denken eh in einer sich immer weiter dehnenden Zeit.)

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Im November war ich nach 2012 endlich wieder auf einem Konzert von Ben Howard. Sein Album I forget where we were ist mein Lieblingsalbum 2014. Es ist gar nicht so, dass da ein bestimmtes Lied hervorsticht, das Album wirkt vor allem als Ganzes. Ich mag es, wie sich die Lieder langsam aufbauen, anschwellen, brechen, neu beginnen. Diese Dynamik kommt im Konzert natürlich noch viel mehr zum Tragen. (Ein gutes Beispiel: zusammen mit Daughter.)

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14/14
(Playlist von vierzehn Liedern für 2014)

Real Estate – Primitive
Bear’s Den – Isaac
Conor Oberst – You are your mother’s child
Rivulets – My favorite drug is sleep
Billy the Kid (feat. Frank Turner) – This sure as hell ain’t my life
The Twilight Sad – There’s a girl in the corner
Tweedy – Low key
Sun Kil Moon – Richard Ramirez died today of natural causes
S. Carey – Alpenglow
Royal Blood – Figure it out
The Antlers – Hotel
Ben Howard – End of the affair
Luluc – Without a face
Damien Rice – It takes a lot to know a man

[Die meisten Lieder kommen von Scott, ich profitiere immer von seinen Entdeckungen.]

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„I am driftwood, found.“ (S. Carey)

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Im Urlaub an der Mosel und am Rhein begeisterte John sich in Koblenz maximal für die Buga-Seilbahn. Dieses pure Glück im Gesicht. Er könnte wohl den ganzen Tag zwischen dem Deutschen Eck und der Festung Ehrenbreitstein über den Rhein gondeln. [Johns Moment des Jahres]

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Tagesausflüge von Berlin:
Museumsdorf Glashütte (bei Baruth/Mark)
Wildgehege Glauer Tal (bei Ludwigsfelde)
Stettin (Polen)
Küstrin (Polen)
Kloster Chorin
Cottbus (Unibibliothek)
Kromlau (Rakotzbrücke)

Rakotzbrücke in Kromlau

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2014 sind wir fast jedes Wochenende in Berlin um die Krumme Lanke gelaufen. Die einzige Möglichkeit, Bewegung in John zu bringen ist momentan eine feste Routine: eine Strecke, die er gut kennt und die er somit gut abschätzen kann, die ihm also Orientierung bietet.

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Seit November geht John vorerst nur an vier Tagen die Woche zur Schule. Er hatte leider nach langer Zeit wieder einen epileptischen Anfall und es ist daher zu gefährlich, ihn mit zum Schwimmen zu nehmen. John schwimmt im tiefen Wasser und taucht gerne. Bei einem Anfall könnte man ihn wahrscheinlich nicht retten. Da das Schwimmen aber im Stundenplan seine Lieblingsaktivität ist, behalten wir ihn donnerstags nun lieber Zuhause. John würde ja sonst schon mitbekommen, dass die ganze Klasse zum Spaßbad fährt und nur er in der Schule bleiben muss.

(Der positive Nebeneffekt der 4-Tage-Woche: John ist insgesamt viel entspannter. Die Schule strengt ihn schon sehr an und es macht viel aus, wenn er nach drei Tagen eine Pause bekommt. Nur müssen wir das natürlich auch erstmal wieder managen. Gut, dass Scott Vollzeit Zuhause ist.)

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In diesem Jahr war ich zum ersten Mal in meinem Leben im Krankenhaus, dafür dann auch gleich mit einer Not-OP an einem Sonntag. (Auch ein erstes Mal: Vollnarkose.) Anschließend kam ich mit einem riesigen Krater in der Schulter nach Hause. Gearbeitet habe ich nur zwei Tage lang nicht, dann zwei Wochen vom Bett aus, und danach wieder normal. Nach sechs Wochen fragte mich die Ärztin bei der Kontrolle, ob sie mich noch länger krankschreiben solle, haha, guter Witz. [Schicksal der Freiberuflichkeit.]

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„I’m ready for you, baby.“ [Bester Satz]

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2014 wird mir wohl vor allem als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem John größer wurde als ich.

2014: John ist jetzt größer als ich.

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Am 28. Dezember fragte ein Mädchen an der Krummen Lanke ihre Mutter: „Mama, was macht der Mann da?“

Das hatten wir noch nie gehört. Sie meinte John, der lautierte und sich in die Hand biss. Wir haben bisher nur schon oft die Frage gehört: „Mama/Papa, was macht der Junge da?“

Nun also: Adieu Junge und Hallo Mann.

[So ändern sich die Fragen, doch ihr Inhalt bleibt uns erhalten.]

#thefourwallsofmyfreedom

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2014 war: trotz vorausgesagter Unruhe und tatsächlich viel Trubel dennoch auch erstaunlich entspannt, irgendwie.

erinnerung.

„Ich dachte wie ein Kind: Die Vergangenheit brauchte ich nicht.
Mir fiel nie ein, dass die Vergangenheit mich brauchen könnte.“

Jonathan Safran Foer, Extrem laut und unglaublich nah

km 00

KM 00, Normandie.

„Erinnern bedarf der Darstellung“, heißt es am Ende von Aleida Assmanns Buch Das neue Unbehagen an der Erinnerungskultur. Die Küste der Alliiertenlandung in der Normandie ist eine riesige Gedenkstätte. Übermorgen am 6. Juni jährt sich der D-Day zum 70. Mal und gerade jetzt summt die Gegend geradezu vor Erinnerung. Ich war mit Alumni der Cornell University und der Penn State University dort. Wir besuchten viele Orte: die Batterie Longues-sur-Mer, den Mulberry-Hafen in Arromanches, die Steilküste Pointe du Hoc, natürlich Omaha Beach, Utah Beach, den amerikanischen Friedhof in Colleville-sur-Mer und den deutschen Friedhof von La Cambe.

Utah Beach mit Gruppe

Kranzniederlegung

Amerikanischer Friedhof

Ein Absolvent der Penn State University ist auf dem amerikanischen Friedhof begraben. Ich habe auf Wunsch der Universität in Honfleur einen Kranz gekauft und beim Friedhof eine spezielle Zeremonie bestellt: Ein Mitarbeiter bringt einen kleinen Eimer Sand vom Omaha Beach ans Grab, reibt den Sand über das Kreuz, bürstet es ab und nur in den Buchstaben verbleibt dann Sand, so dass der Name deutlich lesbar wird. Die Repräsentantin der Universität sprach ein paar Worte und die Gruppe sang ihre Alma Mater. (Eine sehr amerikanische Erinnerungskultur, mit über siebzig Jahren fühlen sie sich ihrer Universität noch sehr verbunden.)

Die Kranzniederlegungszeremonie war sehr bewegend. In Emotionalisierung macht man den Amerikanern so schnell nichts vor. Ich hatte in Vorbereitung der Reise Aleida Assmann gelesen und zum Auftakt der Reise in Paris noch Katja Petrowskajas Vielleicht Esther. Mit diesen beiden Stimmen im Kopf bewegte ich mich durch diese Woche des Erinnerns an der Landungsküste.

Ich musste daran denken, was Aleida Assmann bezüglich der deutschen Erinnerungskultur über das Unbehagen an Ritualen schrieb: „Kritisiert werden vor allem drei Komponenten der Erinnerung: Emotionalität (Pathos der Betroffenheit), Inszenierung (leere rituelle Wiederholungen) und Institutionalisierung (Festschreibung der Erinnerung für die Zukunft). […] Ein dumpfes Unbehagen an der deutschen Erinnerungskultur hat es im rechten Spektrum immer schon gegeben. Jetzt aber steht es zunehmend auch auf der Agenda von Wissenschaftlern und Intellektuellen, die den demokratischen Wertekonsens keineswegs in Frage stellen wollen.“ Assmann identifiziert diese Kritik als Abrechnung mit der 68er Generation, als Generationenkonflikt. Sie verteidigt die Erinnerungskultur überzeugend, auch mit dem aktuellen Bezug zum NSU-Skandal, der wieder leidvoll gezeigt hat: „Eine Zivilgesellschaft ist eine prekäre Institution und kein stabiler Besitz; sie ist nie ein für allemal gegeben, sondern muss sich als solche immer wieder bewähren, bestätigen und argumentativ durchsetzen. […] Auf dem Weg zu einer empathischen Gesellschaft gehören Erinnerungskultur und politische Bildung, Vergangenheit und Zukunft eng zusammen.“

„Sind die Deutschen also Weltmeister im Erinnern? Wenn ihnen dieser absurde Titel zukommt, dann nur, weil sie zuvor Weltmeister im Morden waren.“ Überall stößt man in der Normandie natürlich auf diese Erkenntnis. Ganz am Anfang hatte ich ein bisschen Bedenken gehabt, dass die amerikanische Gruppe es vielleicht nicht gut findet, ausgerechnet mit einer Deutschen diese Woche zu verbringen. Beim Welcome Meeting hatte ich diese Bedenken in einen Witz verpackt und gesagt: „Not that you wonder how you got stuck with a German, of all people, visiting the D-Day sites. I’m only here for the organizational part. A very knowledgeable British historian will guide us through the week.“ Sie lachten alle, zum Glück fand niemand es blöd, dass ich dort war. (Und unser britischer Guide war wirklich hervorragend.)

[Im Laufe der Woche sprachen mich mehrere Leute darauf an, warum wir nachfolgenden Generationen noch so zögerlich seien. Ich glaube, dass es auch daran liegt, dass die Geschichte nicht irgendwann auserzählt vor uns liegen wird, wie Aleida Assmann schreibt: „Jede Offenbarung verbirgt zugleich etwas anderes, was dann auf weitere Enthüllung wartet. Immer bleibt ein Rest des Schweigens, etwas, das man nicht wissen will, das man umgeht, dem man sich (noch) nicht stellen möchte oder das man übersieht und ignoriert.“ Und: „Im Gegensatz zum amerikanischen Traum, der Vergangenheit und Herkunftsgeschichten annulliert und das Versprechen einer neuen, glücklichen Zukunft macht, sind beim europäischen Traum Vergangenheit und Zukunft eng miteinander verknüpft.“]

Die Amerikaner reisen in die Normandie an einen Ort, an dem sie viele Verluste erlitten, aber auch einen großen Sieg errungen haben. Die Trauer mischt sich mit der Pathosformel der „Befreiung Europas.“ Ich habe dieses Mal in der Normandie das erste Mal gesehen, dass die Erinnerungskultur vor Ort durch „mediales Erinnern“ zurückbeeinflusst wird. Es gibt eine neue Statue von Richard Winters, der durch die HBO-Serie Band of Brothers bekannt geworden ist. Eine künstlerische Aufarbeitung der Erinnerung ist also so populär geworden, dass für einen der Protagonisten nun vor Ort eine Statue errichtet wurde. Erst die Serie löste dies anscheinend aus, wie ein Mann erzählte, der den Entstehungprozess und das Spendensammeln für die Statue in den USA mitverfolgt hat. „Erinnern bedarf der Darstellung“, wie wahr das ist, zeigt sich wohl auch an solchen Erinnerungsschleifen.

Richard Winters Statue

Bei BBC Travel gab es einen interessanten Beitrag zum Erinnern an den Ersten Weltkrieg: Where to commemorate WWI. (Wir waren in den letzten Herbstferien in Ypern und es war sehr beeindruckend.) Es ist eine Gratwanderung zwischen dem Erinnern und dessen kommerziellem Ausverkauf. Dass der sogenannte Dark Tourism oft zu weit geht, zeigt dieser Artikel über Polen: Touring History’s Dark Side. Neben der berechtigten Kritik an ausbeuterischen Auswüchsen des Erinnerungstourismus finde ich es dennoch wichtig, Orte selbst zu sehen und zu erleben. Wenn man dies respektvoll tut, gibt es der abstrakten Erfahrung eine neue Dimension.

Als wir auf dem deutschen Friedhof ankamen, war gerade eine Schulklasse dort gewesen.

Gedenken einer Schulklasse

In Vielleicht Esther ist das Reisen an verschiedene Orte auch ein wiederkehrender Teil der Erinnerungssuche. Das Buch ist geprägt von Wehmut (oder ist es Sehnsucht?) und gleichzeitig von einer großen Kraft, die daraus erwächst.

„Bei welcher Zahl verschwindet der Mensch? 10.000 Erschossene wurden unter der Marbacher Linde begraben, drüben auf dem Berg, wenn ich mich nicht irre, wie soll ich mir das vorstellen, in meiner Schule waren wir nur 600, und in einem Stadion war ich noch nie. Wenn ich noch eine Null anhänge, muss ich anfangen, strategisch zu denken, ich stelle mir die großen Schlafbezirke vor, in den Hochhäusern auf der Insel gegenüber von meinem Kiewer Haus leben genau hunderttausend Menschen, ich bringe sie heimlich in die Todesstatistik ein, ohne sie in ihrem Schlaf zu stören, nicht für immer, nur um diese Zahl zu verstehen, und dann lasse ich sie wieder ins Leben zurück.

Wir sind mit 20 Millionen Kriegstoten aufgewachsen, dann stellte sich heraus, es waren viel mehr. Durch Zahlen sind wir verwöhnt und verdorben, von der Vorstellung der Gewalt vergewaltigt, wenn man diese Zahlen versteht, akzeptiert man auch die Gewalt. Mich ergreift eine Schwermut, ich weiß nicht, warum das alles so gewöhnlich klingt, fast langweilig.

Ich wollte eine Lösung finden, für mich und für diejenigen, die heute hier wohnen und arbeiten, ich wollte mich erinnern und darüber schreiben, es war aber eine Tätigkeit ohne absehbares Ende. Sisyphos wollte den Tod betrügen, und Thanatos bestrafte ihn mit nie endender Arbeit, er holte ihn aus dem Schattenreich ins Leben zurück und verurteilte ihn zu ewiger Beschäftigung, ewiger Mühe, ewiger Erinnerung. Sisyphos rollte seinen Stein nach oben, im Schweiße seines Angesichts, und wie das ausging, wissen wir.“

Wir sind alle 70

Im Friedensmuseum in Caen hat mich dann am Ende der Reise enttäuscht, dass es zu allen Opfergruppen Informationen gab, nur zu den Euthanasieopfern konnte ich nichts finden. Zu den Homosexuellen gab es nur eine ganz kleine Passage. Ich musste wieder an Vielleicht Esther denken: „Als die Ukraine vor zwanzig Jahren unabhängig wurde, bekamen mit der Zeit alle Opfergruppen ihr Monument: ein Holzkreuz für die ukrainischen Nationalisten, ein Denkmal für die Ostarbeiter, eines für zwei Mitglieder des geistlichen Widerstands, eine Tafel für die Zigeuner. Zehn Denkmäler, aber keine gemeinsame Erinnerung, sogar im Gedenken setzt die Selektion sich fort.“

Auch Aleida Assmann hat über das Problem geschrieben, das so merkwürdig Opferkonkurrenz heißt: Eine gänzlich inklusive Opferkategorie bietet keinen Raum für die besondere Identität der einzelnen Gruppen, eine gänzlich getrennte Opferkategorie dagegen perpetuiert die Selektion. Zur Überwindung der Opferkonkurrenz macht Assmann den Vorschlag eines dialogischen Erinnerns: „Ich verstehe dialogisches Erinnern ganz pragmatisch als wechselseitige Anerkennung von Opfer- und Täterkonstellationen in Bezug auf eine gemeinsame Gewaltgeschichte. […] Während die monologische Erinnerung die eigenen Leiden ins Zentrum stellt, nimmt die dialogische Erinnerung das den Nachbarn zugefügte Leid ins eigene Gedächtnis mit auf.“

[Das bleibt dann der Wunsch für die Zukunft: Dass auch die ermordeten Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen mehr in dieses dialogische Erinnern aufgenommen werden. Es ist kein Zufall, dass sie auch die letzten sind, die in Berlin ihre Gedenkstätte erst noch bekommen – und wir schreiben das Jahr 2014.]

every year is restless [2013].

Auf dem Schafbauernhof

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Am 27.12. hat John nach langer Zeit – Wie lange? Etwa zwei Jahre? Müsste man alles aufschreiben, denn im Rückblick erschließen sich die Phasen und Zeiten leider nicht mehr – hat John also nach langer Zeit wieder angefangen zu sprechen. Er stand einfach so frühmorgens auf und fing an zu rufen: „Jetzt ist Schluss! Schluss is! Genug! Später! Leise sein! Konrad! Dani, nein! Justin! Justin! Moooritz? Denny? Owens! Owens und Mowens!“ Die Namen, das sind alles Mitschüler oder ehemalige Mitschüler und der letzte Ausruf ist eine von Johns erfundenen Variationen, zuletzt gesagt circa 2009: „Owens und Mowens.“ John hörte dann den ganzen Tag nicht mehr auf mit dem lauten Rufen und es kam noch so einiges an Wörtern und Satzfragmenten dazu.

So viel zur Aussage unserer Nachbarin, unser Junge sei so ruhig geworden. Not anymore. Jetzt hält John uns vom Aufwachen bis zum Einschlafen, von etwa 06:00 Uhr bis 22:00 Uhr, wieder den Kommandospiegel vor, wobei wirklich viele der Aufforderungen aus der Schule kommen und nicht von uns, I swear. Meistens ist es nur Echolalie, manchmal scheint es der Situation angemessen und einmal kam sogar eine richtige Frage. Er bekam das Toffifee nicht aus der Verpackungsmulde und fragte plötzlich: „Wie geh daa?“ Unfassbar. Ich sagte: „Hast Du gefragt: Wie geht das? Ich kann Dir zeigen, wie das geht. Guck mal.“ Er freute sich und sah sich sogar aufmerksam an, wie ich es machte (auch das eher ungewöhnlich), und sprang dann – ohne Toffifee – hüpfend und lautierend davon. Vor lauter gelungener Kommunikation hatte er den Grund des Austauschs ganz vergessen, und das obwohl es eine seiner geliebten Naschereien war.

Das sind die kurzen Momente, in denen unerwartet etwas aufscheint, von dem wir oft nicht wissen, ob es irgendwo da ist. Es passiert sehr selten und ist auch binnen einer Minute wieder weg, aber natürlich erinnert es uns daran, dass da ganz, ganz viel ist. So ein Toffifee-Moment boxt einem dann auch ordentlich in den Magen mit der erneuten Erkenntnis, wie wichtig es ist, gegenüber all dem aufmerksam zu bleiben: gegenüber dem, was sich so selten zeigt, genauso wie gegenüber dem, was sich vielleicht niemals zeigen wird (aber dennoch da sein könnte), und gegenüber dem, was wahrscheinlich wirklich nicht da ist (mindestens eine mittelschwere Intelligenzminderung, diagnostiziert der Kinderpsychiater). Alles in allem nötigt einem jede einzelne dieser Ebenen einen Wahnsinnsrespekt ab. Das ist so ein unfassbares Leben, was John da hat.

(Ich bewundere ihn immer noch so sehr, dieses Bewundern hat ja im Grunde seit seiner Geburt nicht aufgehört, als ich wie wahrscheinlich fast jeder und jede andere in dieser Situation nichts anderes denken konnte als: „Wunder! Wunder! Was für ein Wunder!“ Damals noch mit vielen unbewussten Versprechungen verbunden, die sich im Laufe der Jahre immer weiter verschieben und verändern sollten, aber genau das ist ja der Punkt: immer noch ist da vor allem dieser Gedanke, der sich so kitschig anhört, „Wunder des Lebens.“)

[der toffifee-moment]

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Wir waren in den Sommerferien in der Bretagne und in den Herbstferien im französischen Flandern, direkt an der Grenze zu Belgien. Die Fotos der Herbstferien habe ich noch nicht einmal auf Flickr zu stellen geschafft. (Ihr solltet meine To-Do-Liste auf Workflowy sehen.) Im belgisch-französischen Grenzgebiet haben uns die vielen Gedenkstätten und Friedhöfe des Ersten Weltkriegs sehr beeindruckt (ich sage nur: Vimy).

Vimy Memorial

In Ypern waren wir im Büro der Commonwealth War Graves Commission, um uns mehr Informationen zu besorgen. Es hat uns total reingezogen, unfreiwillig pünktlich zum hundertjährigen Jubiläum des Ersten Weltkriegs.

Ein Highlight dieses Urlaubs war aber auch unser Besuch des Louvre in Lens.

Louvre Lens

Louvre Lens

[urlaub]

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Ostafrika. So gerne hätte ich die Zeit und Muße, die letzten drei Teile meines Reiseberichts zu schreiben. In der Zwischenzeit nur schonmal mein tl;dr: 2013 wird mir unter anderem auch als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem ich mich in Afrika verliebte.

[highlight]

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2013 habe ich sehr viel gearbeitet. Es kamen immer neue Sachen dazu, wie zum Beispiel Afrika, aber auch die Schweiz war wieder super und meine drei Monate Pendeln zwischen Prag und Berlin im Frühjahr waren auch toll. 2011 schrieb ich vom Übergangsjahr 2010, in dem wir mit Johns Schulwechsel die Grundlage für mehr Stabilität legen wollten. 2011 entwickelte sich diese Stabilität zum Glück tatsächlich und 2012 nahmen wir zur weiteren Stabilisierung Zuhause einen Rollenwechsel vor. Ich kam alleine nicht mehr gut mit John zurecht, zweimal bin ich unterwegs mit ihm gestrandet, zweimal musste Scott uns mit dem Auto abholen, weil ich mit John nicht mehr nach Hause kam. Beides dramatische Situationen, suffice it to say. Ich weiß gar nicht mehr, ob ich darüber im Weblog geschrieben habe, aber besser ist vielleicht auch, wenn nicht. Also, da ich sowieso bessere Arbeitsmöglichkeiten hatte, Scott mit John noch sehr gut alleine zurechtkommt und wir John auf jeden Fall noch Zuhause behalten wollen (die Hälfte seiner Mitschüler lebt mittlerweile im Heim) folgte dann also im Mai 2012 ein neuer Plan. Scott und ich waren uns einig: Es ist unser beider größter Wunsch, John so lange wie möglich ein schönes Zuhause zu geben. Das war am besten mit einem Rollenwechsel möglich. Seither ist Scott also hauptsächlich für die Pflege zuständig (obwohl er auch noch ein bisschen freiberuflich arbeitet, wenn es neben der Kinderbetreuung hinkommt) (haha, klingt wie sonst bei Frauen, die als Accessoire noch ein bisschen arbeiten) und ich verdiene den Lebensunterhalt für uns Drei. Das hat 2012 ganz gut geklappt und 2013 auch.

[arbeit]

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2013 war ich das erste Mal in meinem Leben auf gar keinem Konzert. Scott hat wenigstens noch viel Musik gehört, ich hatte gar keine Zeit, die Neuerscheinungen richtig zu verfolgen. Ich habe das ganze Jahr über einfach mitgehört, was er gespielt hat. Überhaupt sind wir 2013 fast gar nicht ausgegangen, wir haben nur entweder gearbeitet oder uns um John gekümmert. Das muss 2014 auf jeden Fall besser werden.

[kein konzert]

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Von Büchern, Lesungen, Filmen und dergleichen fange ich jetzt erst gar nicht an. Next year. Wobei 2013 natürlich das totale Knausgård-Jahr war. Im Februar las ich den ersten Teil, in Prag den zweiten und im Herbst den dritten. Knausgård hat mich sehr intensiv durch das ganze Jahr 2013 begleitet, ich habe seit Februar praktisch nicht aufgehört, über diese Bücher nachzudenken.

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2013 haben Scott und ich nach dem Crowdfunding im Vorjahr endlich unser Buch veröffentlicht, wenn auch mit vier Monaten Verspätung (und die Übersetzung ist leider immer noch nicht ansatzweise fertig). Nachdem ich bestimmt fünf Jahre daran rumüberlegt hatte und das Buch auf dem Umweg über Kickstarter endlich zustande kam, war die eigentliche Veröffentlichung ein merkwürdiger Antiklimax. Es ist so viel Herzblut drin und trotzdem (oder gerade deshalb?) fühlte es sich fast schlecht an, als es rauskam. Ganz merkwürdig. Ich hatte dann auch gar keine Lust, es zu bewerben. Ein Freund sagte mir: „Du musst doch alle bitten, bei amazon und bei goodreads usw. Kommentare zu schreiben.“ Aber das wollte ich nicht, das wäre mir falsch vorgekommen. Ich dachte mir, wer immer das gerne tun möchte, der wird es schon tun. Und wenn das Buch sehr wenige Menschen interessiert, dann muss ich das auch einfach akzeptieren. Und es findet ja doch ein paar Leser.

Aus England bekam ich die wohl schönste Mail des Jahres von einem Mann, den ich nicht kenne und der auch einen autistischen Sohn hat. Er und seine Frau hatten beide mein Buch gelesen und dann schrieb er mir eine lange Mail über seinen eigenen Sohn und hängte sogar noch ein Foto dran. Sein Sohn ist schon 23 und ist nach den Beschreibungen und auch nach der Haltung und dem Gesichtsausdruck auf dem Bild John sehr ähnlich. Das könnte John in zehn Jahren sein, dachte ich. Allein die Tatsache, dass mir jemand so eine schöne Mail schrieb, hat das Buch für mich dann doch „richtig“ gemacht, nach all den Zweifeln und dem Letdown. Seine Erzählung kam offensichtlich daher, dass er über mein Buch John kennengelernt hatte und mir deshalb von seinem Sohn und seinen Erfahrungen erzählen wollte. Ich habe ein paar Mails von Angehörigen bekommen und auch von einem Therapeuten, aber diese aus England hat mich am meisten berührt. (Meine eigene, bescheidene Miniversion einer Erfahrung, die Knausi mit seinen identifikatorischen Lesern beschreibt, die ihm so gerne von sich selbst erzählen möchten.) 

[unser buch]

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Political correctness mal wieder. Ziemlich merkwürdige Debatte darüber, ob Witze über Menschen mit Behinderung jetzt okay sind (hier gut nachzulesen). Die taz machte in der Gurke des Tages einen Witz über blinde Fußballspieler, darüber gab es einige Aufregung und Silke Burmester sagte: „Schluss mit der Sprachmaskerade.“ Was ich an der ganzen Debatte so merkwürdig fand, war die Tatsache, dass Witze über Defizite in Burmesters Kolumne zu einem Bestandteil der Inklusion umgedeutet werden. Sie nutzt den Gedanken der Inklusion zur willkommenen Ausweitung eigener Grenzen aus. Sie fragt quasi: Was kann die Inklusion für mich tun? Hier geht es aber ausnahmsweise nicht darum, was privilegierte Menschen gerne alles noch mehr hätten und täten. Hier geht es darum, bescheiden und genau andersherum zu fragen und zu denken: Was kann ich für die Inklusion tun? Wie kann ich mich besser verhalten?

Es gibt bestimmt einige lustige Witze über Behinderungen. Solange man selbst nicht betroffen ist, mag man sich damit sogar für einen Moment richtig gut unterhalten. Genau das ist aber der Punkt: was Burmester als Sprachmaskeraden kritisiert sind auf der anderen Seite auch Grenzen, die wir uns selber bewusst stecken, denn nicht alles, was wir aus dem Bauch heraus tun oder lustig finden, wird auch von unserem Kopf geschätzt. Political correctness mag nerven, aber sie ist auch eine zivilisatorische Errungenschaft. So, wie wir zum Beispiel auch nicht auf jemanden einschlagen, der uns ärgert, selbst wenn wir es in einem bestimmten Moment vielleicht gerne täten. Wie wir mit unseren Impulsen zur Gewalt umgehen, das ist vielleicht ein ganz gutes Beispiel für das, was ich meine.

Dazu kommt: gerade im Bereich der Behinderung ist die politische Korrektheit in Deutschland noch nicht einmal besonders weit gediehen. Immer noch stellen sich zum Beispiel permanent Menschen ohne einen entsprechenden Ausweis mit ihren Autos auf Behindertenparkplätze. Und was passiert, wenn man sie freundlich darauf hinweist? Eine Frau weigerte sich zum Beispiel selbstgefällig, es überhaupt anzuerkennen: sie parke neben dem Behindertenparkplatz, sie sei eine sehr rücksichtsvolle Frau und würde niemals auf einem Behindertenparkplatz parken. Ich erklärte ihr, dass sie ihr Auto aber nicht auf einen Parkplatz gestellt hatte, sondern auf eine schraffierte Fläche, die neben dem Behindertenparkplatz dafür freigehalten werde, dass auch ein Rollstuhlfahrer aussteigen kann. Deshalb wäre es sinnvoll, sich auf einen Parkplatz zu stellen, der auch als solcher ausgewiesen sei, und davon gibt es ja auch genügend, nur eben nicht ganz direkt vor dem Eingang. Sie dampfte schnaubend ab. Das sei lächerlich, da sei genug Platz. Ein anderer Mann behandelte mich wie Luft, ließ einfach seinen Wagen stehen und ging ins Geschäft. Es ist leider fast nie ein Dialog möglich. Ich spreche die Menschen wirklich immer ganz höflich und freundlich an, aber das nützt gar nichts. Sie sind nicht bereit zuzuhören und empfinden es als Zumutung, überhaupt angesprochen zu werden. Ihre Ablehnung zeigt, wie sehr sie den Platz zwischen sich (oben) und uns (unten) brauchen, warum auch immer. Als würden wir ihnen all ihr Hab und Gut nehmen, wenn sie uns die Parkplätze überließen.

Silke Burmester schreibt: „Wenn ihr, liebe Menschen mit Behinderung, dazugehört, dann seid ihr Teil der Gemeinschaft. Im Zweifelsfall einer Gemeinschaft der schlechten Witze. Witze von Ringel. Natürlich wäre es schön, Witze würden nicht auf Kosten von Minderheiten gemacht oder von Defiziten. Aber euch geht es ja darum, nicht als defizitär wahrgenommen zu werden. Uns auch. Und deswegen behandeln wir euch so beknackt wie andere auch.“ (Mit dieser Argumentation könnte man auch pro rassistische Witze argumentieren, das würde Frau Burmester wahrscheinlich aber nicht tun, also vielleicht nochmal drüber nachdenken, bevor man es in eine Kolumne haut.) Natürlich kann es einen stören, wenn PC absurde Ausmaße annimmt, „man nichts mehr sagen darf“, aber der Umkehrschluss, deshalb nun einfach alles sagen wollen zu dürfen ist auch kontraproduktiv. Vielmehr braucht es zum Beispiel ein genaueres Nachdenken darüber, wie wir Dinge aussprechen können, ohne verletzend zu sein. Zwischen Schönreden und Bloßstellen ist viel Platz.

Weiter vorne in ihrem Text argumentiert Silke Burmester dafür, dass man Defizite nicht schönreden soll. Bei den Witzen geht es ihr plötzlich darum, die Menschen mit Behinderungen nicht mehr als defizitär wahrzunehmen. Das ist der bedauerliche Widerspruch in der Logik ihres Textes. Anzuerkennen, dass es Defizite gibt, wie sie es vorher ganz richtig und zutreffend fordert, bringt nämlich mit sich, dass man sehr wohl darüber nachdenken sollte, wie man jemanden behandelt.

Sobald das Alltagsleben von Menschen mit Behinderungen und ihren Angehörigen nicht mehr von so vielen Problemen im öffentlichen Umgang miteinander geprägt ist – falls wir wirklich mal teilhaben und unsere Bedürfnisse akzeptiert, respektiert und umgesetzt werden – können wir über die Witze gerne nochmal sprechen.

[pet peeve]

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2013 war ein anstrengendes Jahr in vielerlei Hinsicht. Mein Vater war sehr krank und es gab im Familien- und Freundeskreis zwei Tode, die mich sehr getroffen haben. 2014 darf gerne etwas leichter werden, bitte.

Gestern sind wir wieder einmal mit John um die Krumme Lanke gelaufen, eine alte Routine. Vorher und nachher bekommt er immer ein Kaktus-Eis an dem Imbisswagen, der vor der Krummen Lanke steht, das weiß John genau und macht das Ganze vermutlich auch nur deshalb überhaupt noch manchmal mit. Das Paar, das diesen Wagen betreibt, kennt John schon seit 2006. (Stellvertretergedanke an all die Menschen am Rande des Bewegungsradius unseres Lebens, die wir gar nicht kennen und die John doch mit aufwachsen sehen und erleben.) Jedenfalls sagte mir die nette Dame, wir müssten 2014 auf uns aufpassen, denn das Jahr werde von Saturn regiert und das bringe viel Unruhe.

So viel zum Wunsch nach einem ruhigeren und leichteren Jahr.

[Scott auf dem Weg zum Auto: „She doesn’t realize, every year is restless.“]

flausch am donnerstag.

Hier ein paar Bilder von der Safari in Tansania und Kenia. Ein Bericht der Reise folgt hoffentlich in den nächsten Tagen, nur soviel erstmal: es war sehr ereignisreich. Eine meiner Reisenden hat sich schwer verletzt und so lernte ich die nächtliche Notaufnahme eines entlegenen Buschkrankenhauses kennen, und dann kam der Terroranschlag in Nairobi, durch den wir unsere Pläne für die Reisegruppe spontan umdisponieren mussten.

Ostafrika selbst war nichts anderes als fantastisch, ein absolutes Sehnsuchtsland.

Giraffenpaar (Ngorongoro)

Elefantenkind (Serengeti)

Gazelle (Ngorongoro)

In der Lodge in Lake Naivasha

Zebras (Ngorongoro)

(Mehr Bilder bei Flickr: als Slide Show oder als Set.)

jambo.

Ich fliege nächste Woche das erste Mal in meinem Leben nach Ostafrika und schon in der Vorbereitung meiner Reise tun sich für mich ganz neue Welten auf. So war ich in der sogenannten Erlebnisfiliale von Globetrotter in Steglitz und habe mich dort reisemedizinisch beraten und impfen lassen. Bis ich gegoogelt hatte, wo ich mich impfen lassen kann, wusste ich gar nicht, dass das Institut für Tropenmedizin überhaupt eine Zweigstelle in einem Outdoor-Geschäft hat. Macht natürlich Sinn, wie man so sagt. In der innenarchitektonisch sich nahtlos ins Verkaufskonzept einpassenden Bambuskabine ist schnell eine Spritze gesetzt und tritt man nach dem kleinen Gelbfieberpiekser wieder hinaus, locken Safarihüte, Wanderschuhe und Rücksäcke. Schön fände ich, wenn übers Soundsystem dazu noch die Zikaden zirpten, aber man kann nicht alles haben, selbst als Personalunion von Konsument und Patient nicht.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat ganz Berlin mit ihrer Arztkampagne zugekleistert: „Ich bin Fachärztin. Ich bin eine aussterbende Art.“ Wenn man die Plakate sieht, will man den abgebildeten Ärztinnen und Ärzten sofort sanft mitfühlend übers Haar streichen. Doch Rettung naht: statt in der eigenen Praxis im zweiten Stock Vorderhaus ein tristes Berufsleben als Versicherungskaufmann für individuelle Gesundheitsleistungen zu fristen, werden sie sich bald ins bunte Leben stürzen. Frauenärzte könnten sich in Babygeschäften eine Kabine bauen, zum Beispiel gestaltet in der Form eines schwangeren Bauches. Mit dem frischen Ultraschall-Ausdruck in der Hand kaufen die werdenden Eltern bestimmt gerne ein paar Bodys, Schühchen und Rasseln. Zahnärzte könnten sich in Drogerien niederlassen, Hautärzte in Solarien und Augenärzte bei Dussmann. Erst gerade las ich dort in einem Afrika-Reiseführer und merkte, dass sich bei mir langsam die altersbedingte Weitsicht einstellt, da wäre mir eine Augenarztkabine gerade recht gekommen.

Aber ich schweife ab. Nächste Woche fliege ich das erste Mal in meinem Leben nach Ostafrika. „Jambo“ heißt „Hallo“ und „Sitaki kununua chochote“ heißt „Ich möchte nichts kaufen.“

le luc.

Morgen lasse ich meine beiden Männer mal wieder alleine und fliege nach Zürich, fahre von dort zweieinhalb Stunden in den Wattebausch Meiringen, regle ein paar letzte Dinge, nur um früh am nächsten Morgen wieder in den Zug nach Zürich/Flughafen zu steigen und meine Reisegruppe abzuholen.

Wenn ich meine Unterlagen zugeschickt bekomme, ziehe ich als Erstes immer die Liste mit den Passinformationen raus und sehe mir die Geburtsdaten an. In der kommenden Gruppe sind vier Menschen älter als 80 Jahre. Als Nächstes sehe ich mir die medizinischen Informationen an. Einer bringt ein Atemgerät mit, ein paar Sonderwünsche fürs Essen, nichts Dramatisches auf diesen Informationsbögen, aber damit sie mitreisen können, schreiben die meisten erfahrungsgemäß eh nichts rein, selbst wenn sie was haben. Das merkt man alles erst on site, wer Herzprobleme hat, und seine Medikamente in den USA vergessen usw. Mein schlimmstes Erlebnis war bisher eine Frau in Berlin, die einen Schlaganfall hatte (aber sie war binnen zwei Stunden im Krankenhaus an der Lyse und hat ihre Sprache zurückgewonnen). Die Transitorische Ischämische Attacke in Amsterdam, der gebrochene Knöchel in Antwerpen, die Thrombose in Berlin, der blutende Tumor in Rumänien mit anschließender OP in Budapest, das war natürlich auch alles nicht ohne. Es passiert viel mit diesen älteren Menschen.

In meiner Schweizgruppe ist eine Reisende 54 Jahre alt, alle anderen sind um die siebzig oder eben noch älter. Es könnte schwierig werden, denn die Schweiz ist die körperlich anspruchsvollste Reise: viel wandern (wobei es dazu oft mit Gondeln, Bussen und Elektro-Vans Alternativen gibt, aber eben auch nicht immer), enge Zugverbindungen, also schnelles Umsteigen mehrmals am Tag erforderlich, aktuell Hitze im Tal und oben auf den Bergen natürlich immer dünne Luft. Da klappt einem schon der eine oder andere mit Kreislaufproblemen um. Ich bin gespannt, wie es dieses Jahr wird. Die letzten beiden Jahre waren ja toll, und letztes Jahr hat mir die Gruppe zum Abschluss einen iPod Touch geschenkt, was so schön war, aber auch eine Ausnahme.

Mein Itinerary habe ich auf den letzten Drücker fertiggestellt.

Erster Arbeitseinsatz also nach sechseinhalb Wochen Ferien. Nach dem Urlaub in der Bretagne sind wir in Berlin fast jeden Tag rausgefahren an einen perfekten Badesee, den wir für uns entdeckt haben und ausgiebig genossen: ein Behindertenparkplatz direkt vor der Badestelle, eine geräumige Behindertentoilette, in der man John gut umziehen kann, ein schöner Spielplatz, alles sauber, also ohne Scherben im Sand und ohne Ölfilm auf dem Wasser, da Motorboote dort nicht erlaubt sind, höchste Wasserqualitätsstufe (bei John auch wichtig, weil er beim Baden den halben See leer trinkt), nette Leute dort, viele Familien und viele Ältere, die mit dem Fahrrad und nur einem Handtuch im Fahrradkorb angeradelt kommen, einmal ans gegenüberliegende Ufer schwimmen und wieder zurück, und wieder abfahren mit ihrem Rad.

Unser Badesee

Gelesen habe ich diesen Sommer viel, aber vieles ist auch schnell vorbeigezogen. Sehr gut gefallen hat mir Pia Ziefles Suna. Den zweiten Teil von Joachim Meyerhoffs „Alle Toten fliegen hoch“-Zyklus, Wann wird es endlich wieder so wie es nie war, fand ich nicht ganz so toll wie den ersten Teil Amerika, aber immer noch gut. Am Nachhaltigsten beeindruckt hat mich Joachim Bessings Untitled. Was hat mich dieses Buch gequält, aber trotzdem hat es eine unglaubliche Kraft. Das „radikalste Icherforschungsbuch seit Strindberg“ fand ich es zwar nicht, denn in der Disziplin ist Karl Ove Knausgård für mich nicht zu toppen (sein dritter Teil Spielen kommt im Herbst, juhu!), aber ansonsten stimme ich Rainald Götz in Bezug auf Bessing zu.

John ist in den Ferien sehr gewachsen und ist jetzt genauso groß wie ich. Ein komisches Gefühl, wenn er so gleich groß neben mir steht. Es kommt mir ein bisschen unwirklich vor, immerhin ist es nicht einmal dreizehn Jahre her, dass es ihn gar nicht gab, unvorstellbar alles, irgendwie. Jemand sollte mal einen Text darüber schreiben, wie es ist, wenn das eigene Kind plötzlich genauso groß ist wie man selbst, das ist so strange, aber warum? [Komisch auch dieser Impuls, bei noch-unklaren Gefühlen immer gleich zu denken: „Dazu muss es doch etwas zu lesen geben“, als ob das Lesen immer alles lösen/erklären könnte.] Auf jeden Fall einer dieser großen Momente, die einen hier und da unerwartet ereilen.

Mit zwölf Jahren also 1,78 m groß, und die Sandalen in Größe 44 sind John in den Ferien auch zu klein geworden. Wir waren so beeindruckt, dass wir ihm in der Bretagne ein respektvolles „Le“ in seinen Namen eingebaut haben und ihn jetzt gerne Jean-Le-Luc nennen (gesprochen mit der anerkennenden Intonation von Samuel L. Jackson in Pulp Fiction, wie er John Travoltas Übersetzung von Burgern in Frankreich wiederholt: „Royale With Cheese“).

[Die neue Dankbarkeit, dass John in einem Alter, in dem andere Kinder wahrscheinlich schon ganz woanders sind in ihrem Denken und Sein, immer noch eine große Innigkeit zu uns hat. Wie er sich gestern nach dem ersten Schultag, der ihn sichtlich angestrengt hatte, mit mir ins Bett kuschelte und mir seine Schnüffelküsschen gab – eine Mischung aus schnüffeln und gleichzeitig küssen, die er in den letzten Monaten erfunden hat – da dachte ich, wie schön das doch eigentlich auch ist: Er bleibt nah. Trotz Pubertät, die ja dennoch auch eingesetzt hat; ein wilder Mix aus normaler und anderer Entwicklung.]

zwischen super-nerd und gefährlichem freak.

Es kam, wie es kommen musste: meine heiße Arbeitssaison begann, bevor ich mit dem Buch fertig war. Plötzlich hatte ich drei große Sachen auf einmal zu tun, natürlich der ideale Moment für John, krank zu werden und zwei Wochen lang nicht in die Schule zu gehen. Kaum war er wieder fit, startete ich ein neues Programm in Prag.

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Eine Frau brach sich als Allererstes einen Zeh.

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Abends klopfte es an der Tür und der Hotelmanager bot mir einen Gutschein für ein Drei-Gänge-Menü im Tausch gegen meinen Fernseher. Im Zimmer eines VIP war der Fernseher defekt und es gab keine Ersatzgeräte mehr. Selbstverständlich habe ich das Tauschangebot sofort angenommen, denn ich war eh kaum im Zimmer und wenn, dann las ich Karl Ove Knausgårds Lieben, das mich ebenso in den Bann zog, wie es Sterben getan hatte. Da braucht kein Mensch einen Fernseher.

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So sahen auf den Toiletten im Hotel nahe der Lobby die Wasserhähne aus. Ich dachte mir, das sollt ihr wissen.

Art Deco Imperial Hotel

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Als ich eines Morgens zum Frühstück kam, war unser Vortragender für den Tag bereits da und sagte, dass seine Frau gerade mit Wehen ins Krankenhaus sei. Sie erwarteten Zwillinge, die Wehen seien noch ziemlich weit auseinander, wahrscheinlich könne er den Vortrag noch halten, aber ob er dabei das Handy eingeschaltet lassen könne, seine Frau wolle ihn anrufen, falls er doch schon schnell kommen müsste. Er hielt tatsächlich noch seinen Vortrag. Ich fragte ihn, ob er wisse, was sie bekommen und er sagte: „Eineiige Mädchen, wir haben es noch niemandem erzählt. Du bist die Erste, die das weiß. Das wird uns jetzt immer verbinden.“ Die Kinder wurden später am selben Tag geboren.

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Nach einer Woche brachte ich die erste Reisegruppe zurück zum Flughafen und eine Stunde später landete eine zweite. Ich setzte mich zum Warten mit Knausgård in die Ankunftshalle, mir gegenüber saßen vier blonde Frauen um die Fünfzig und redeten in einer Sprache, die ich nicht verstand. Plötzlich sprach mich eine von ihnen auf Deutsch an: „Ist das die deutsche Übersetzung von Min Kamp, die Sie da lesen?“ Es stellte sich heraus, dass die vier Norwegerinnen waren und begeistert alle sechs Bücher gelesen hatten. Wir unterhielten uns mehr als eine halbe Stunde über Knausgård. Eine der Frauen sprach sehr gut Deutsch und übersetzte zwischen uns. Das war so eine tolle Begegnung, und was für ein Zufall, am Flughafen in Prag.

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Die Pilsener Urquell Brauerei:

Pilsener Urquell Brauerei

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In zwei Wochen Tschechien lernte ich ansonsten vor allem, dass es quasi unmöglich ist, tschechisch zu lernen.

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Heute war ich zu Gast bei Deutschlandradio Kultur. Kann man hier nachhören.

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Bald geht es wieder los nach Prag; dies ist mein Prager Frühling.

unterwegs sep./okt.

Das Taxi vom Flughafen Sofia in die Innenstadt kostet umgerechnet 5 Euro bei einer Fahrtzeit von einer halben Stunde. In unserem Hotel wird eine Hochzeit gefeiert.

Sheraton Sofia

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In Sofia lief ich in meiner Freizeit stundenlang einfach nur so durch die Straßen, in einer Seitenstraße beobachtete ich zufällig einen Mann, der aus der Haustür trat, seinen Briefkasten öffnete, einen Brief herausholte, sich freute, dann dem Brief einen herzhaften Kuss gab und beglückt damit im Haus verschwand.

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Auf dem Weg von Sofia nach Widin steht in pink an einer grauen Wand geschrieben: „Je suis né pour te connaître.“

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Während ich auf dem Schiff in Rumänien iPod und Laptop synchronisierte, plötzlich gedacht: Angstmaschine: wenn man das Leben synchronisieren könnte.

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Wir fuhren durch das Eiserne Tor, ich saß auf dem Sonnendeck der Amadeus Brilliant, las Twitter und als ich mich abmeldete, erschien die mobile Abmeldungs-URL: twitter /destroy.

Diese kleine Schrecksekunde, bevor der Verstand sich einschaltet und die Wahrnehmung geraderückt. Ich habe Twitter nicht zerstört.

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Belgrad, 2012 immer noch die Ruinen der NATO-Bomben.

Natobomben Ruinen in Belgrad

Unterdessen am Rande der Festung ein erfreulicheres Tauziehen beobachtet.

Tauziehen an der  Festung

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Ungarn, wir fahren durch ein Dorf, in dem die Menschen an den Häusern Chili trocknen.

Chili Trocknen in Ungarn

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Für unsere gehbehinderten Reisenden finden wir überall Aufzüge, selbst in Gebäuden, in denen es angeblich keine gibt, zum Beispiel im Primatialpalais in Bratislava.

[Portrait as the queen of secret hidden service elevators.]

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In Wien wird die Votivkirche renoviert und die Gerüste sind mit sexy Werbung versehen.

Werbung an der Votivkirche Wien

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„Marie Antoinette, you know, the lady with the cake problem in France.“ #stadtführersätze

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„The food on the ship is too salty. In North America, we don’t use salt for cooking anymore.“

Talk about Subjektivität von Wahrnehmung und erstaunliche Statements.

[Mein Feind, das Salz]

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Bis vier Uhr morgens in der Bar versackt und mit ein paar Leuten von der Crew Beatas Geburtstag gefeiert, zuerst noch mit Wein, dann mit selbstgebrautem bulgarischen Apfelschnaps und Karaoke. Morgens um sechs nach zwei Stunden Schlaf raus und ganztags Programm.

[Note to self: geht noch, wenn auch deutlich schwieriger als vor zwanzig Jahren.]

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Zuhause dann: wir haben einen zweiten Fernseher gekauft, damit wir nicht immer mit John diese Schlagersendungen gucken müssen, die er sich so gerne ansieht. Wir schalten ihm also im Schlafzimmer Florian Silbereisens „Herbstfest der Volksmusik“ an, setzen uns ins Wohnzimmer und stellen uns so vor, wir könnten eine DVD gucken, aber John hat natürlich keine Lust, alleine zu gucken, kommt rüber, nimmt meine Hand, zieht mich ins Schlafzimmer, besteht darauf, dass ich mich hinlege, legt sich daneben und schlingt sein Bein um mich, damit ich nicht weggehen kann, giggelt, offensichtlich sehr zufrieden mit seinem Arrangement, und sieht vergnügt fern, Scott kommt irgendwann nach und leistet mir Gesellschaft, und so liegen wir am Samstagabend zu dritt im Bett und gucken Florian Silbereisen.

Fun Fact: sich für das Kind das Herbstfest der Volksmusik in voller Länge mit anzusehen ist einer der größtmöglichen Liebesbeweise überhaupt. Für John, only.

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A propos Liebe, gotta talk about last.fm: Lieben und shuffeln, und geliebte Songs shuffeln, yeah, yeah.

„You wake up and you see that a 55 year-old grandma in Germany was listening to The Beatles until five in the morning. That’s so nice to know. You gotta love last.fm.“

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Entwickelt sich gerade zum großen Liebling: Grizzly Bear, Shields [#]

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„Men might not make women happy here, but left to their own devices, women tend only to make one another unhappy.“ [#]
(Gesehen und gemocht: Please Give)

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Gelesen: … der Wirklichkeit abgewandt. Eine Wissenschaft- und Kulturgeschichte des Autismus von Klaus-Jürgen Neumärker. Mehr Wissenschaftsgeschichte allerdings, weniger Kulturgeschichte. Ein Buch mit vielen interessanten Informationen, aber leider, wie so oft, gibt es auf Englisch eine fundierte und dennoch unterhaltsame Variante (A History of Autism von Adam Feinstein) und das deutsche Buch ist zwar sehr fundiert, aber leider nicht unterhaltsam, sondern ziemlich schlecht geschrieben (viele unnötige Ausrufezeichen!!einself!). Der ehemalige Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie hätte gut daran getan, seinen Text von einem Profi lektorieren zu lassen.

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Gerade Wissenschaftler scheinen aber in Deutschland gerne der Meinung zu sein, dass sie ohne professionelle Unterstützung selbst gut schreiben oder auch übersetzen können, anders kann ich mir das folgende Fiasko jedenfalls nicht erklären. Im Schloss Cecilienhof in Potsdam gibt es neue Informationstafeln mit englischer Übersetzung und auf fast jeder Tafel sind Fehler, teils richtig heftige Fehler. „Der Krieg schreitet voran“ wird übersetzt mit: „Germany rages war against Europe.“ Zwei Sätze mit unterschiedlicher Gewichtung. Weltpolitik wird lapidar mit „global politics“ übersetzt, wenn im deutschen Original viel mehr eine „world policy“ gemeint ist, und das Schlimmste: wenn auf Deutsch berichtet wird, dass Churchill am Ende die Wahl in England verlor und deshalb in Potsdam durch Attlee ersetzt wurde, steht dort auf Englisch: „Churchill loses at last.“ Wie in: verliert endlich, und mich hat von der Reisegruppe auch tatsächlich jemand gefragt: „Why did they want him to loose? Did the Germans prefer Attlee?“ Ich musste erklären: Nein, auf Deutsch ist der Satz neutral und nicht wertend formuliert. Hier ist nicht gemeint, dass Churchill endlich („at last“) verliert, sondern „in the end.“

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/Random list of questions/

„My room smells smoky. Can you help me change rooms?“
„My mother-in-law has pneumonia and we might have to fly home. Can you call my travel insurance?“
„Where can I buy nice Bulgarian children’s books close-by?“
„When was the Alexander Nevsky Church built?“
„Which one is the right adapter for Bulgaria?“
„Where on this map are we at the moment?“
„It seems that Hungary has developed faster than Bulgaria or Romania. Why do you think that is?“
„Who is the architect of the CET in Budapest?“
„How much will a taxi from Fisherman’s Bastion to the docking site cost?“
„Where in the palace can I find the famous English tapestries?“
„We hear so much about Franz Joseph, but can you explain a little bit more about Maximilian’s role in Mexico?“
„Who built the organ in St. Stephen’s?“
„What’s the exchange rate of Czech Crowns to the dollar?“
„Can you make a dinner reservation for us at the Bellevue Restaurant in Prague?“
„Where did you buy your purse?“
„I booked my return flight for the wrong day. Can you get an extra night at the hotel for me?“
„I don’t see many birds here. Where are they?“
„I need to see a doctor. Can you go with me?“
„Don’t you think that Tosca last night and Drusilla tonight had to make morally quite similar choices?“
„I can’t get online with my iPhone. Can you figure this out?“
„How many Jewish people live in Berlin today?“
„On which day did Vice President Johnson come to Berlin?“
„Can you talk a little bit about the punitive approach against Germany after World War I as opposed to the Marshall Plan after World War II?“
„Where’s the closest restroom?“
„Does the Schillertheater have artificial reverberation?“

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Alexander Newski Kathedrale Sofia

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