israel & palästina [dritter teil: aschdod, negev-wüste und totes meer].

Irgendwo habe ich gelesen, dass Israel nur so groß ist wie Hessen. Vom Norden ging es daher auch ganz gut, an einem Tag quer durchs Land in den Süden zu fahren. Unterwegs hatten wir uns mit meinem Cousin und seiner Familie in Aschdod verabredet. Mein Cousin ist ursprünglich Franzose, wie auch seine Frau. Vor zwölf Jahren haben sie die Alija gemacht. Sie haben sechs Monate in einem Immigrationszentrum gelebt und Hebräisch gelernt. Heute haben beide eine Arbeit, die doppelte Staatsbürgerschaft und fühlen sich längst in Israel Zuhause. Außerdem haben sie einen achteinhalbjährigen Sohn.

Wir reisten an einem Samstag. Also schrieb mein Cousin, wolle uns seine Frau gerne zum Sabbatessen einladen. Dieses Essen stellte sich zu unserer Überraschung als ein opulentes Fünf-Gänge-Menü heraus, welches sie schon am Vortag zubereitet hatte. Es wurde auf einer traditionellen Warmhalteplatte warm gehalten.

Sabbatessen bei meinem Cousin in Ashdod

Beklemmend fand ich, als mir der Sohn den Bunker in der Wohnung zeigte. Anscheinend ist das nichts Ungewöhnliches, alle Wohnungen haben dort einen Bunker. Aschdod liegt nicht weit vom Gazastreifen entfernt und wenn von dort Tel Aviv angegriffen wird, kommen die Raketen in der Umgebung von Aschdod herunter. Als der Konflikt 2014 erneut ausgebrochen war, wurde einmal zum Beispiel auch das Nachbargebäude getroffen und die Fensterscheiben in der Wohnung meines Cousins zerbarsten.

Wie Kinder so aufwachsen, das kann ich mir gar nicht vorstellen. Aber von einem Achtjährigen einen Bunker gezeigt und die verschiedenen Funktionen  erklärt zu bekommen (Atemanlage bei Giftgasangriffen), ist natürlich ein ganz schöner reality check. Ich sprach mit meinem Cousin darüber, wie schwer es mir falle, das zusammen zu bringen: dass man unter ständiger Bedrohung so normal leben kann. Er meinte nur: „In Europa ist es doch auch schon ein bisschen so. Und es wird immer mehr so sein wie hier, da werdet ihr euch dann auch dran gewöhnen.“

Eigentlich hatten wir auf dem Weg nur für ein bis zwei Stunden Halt machen wollen, blieben dann aber bis zum Abend. Ich habe mich sehr gefreut, meinen Cousin wiederzusehen und seine Frau und seinen Sohn kennen zu lernen. Um dann noch einigermaßen vor dem Dunkeln in unserer nächsten Airbnb-Wohnung in Mitzpe Ramon anzukommen, fuhren wir auf die schnelle Route 6, eine Mautstraße.

Interessanterweise konnten wir nirgendwo Kameras entdecken. Bei der Autovermietung hatte man uns gesagt, dass die Kennzeichen registriert werden, wenn man auf- und wieder abfährt. Die Benutzung werde dann zwei bis drei Monate nach Rückgabe des Autos in Rechnung gestellt, wenn der Vermieter die Abrechnung der Mautstelle erhalten habe. Zwischendurch mussten wir einmal zum Tanken abfahren und konnten wieder nicht erkennen, wo diese Registrierung ablaufen sollte. In Frankreich zum Beispiel kann man eine Mautstelle ja nun wirklich nicht verpassen. Ein bisschen spukig. Vielleicht etwas angesteckt von der latenten Paranoia, die man im Land immer mal wieder spürte, dachten wir nun auch schon darüber nach, was hier wohl alles wie und wo registriert wurde. Das Tanken konnte man zum Beispiel fast überall nicht in bar bezahlen, nur mit Kreditkarte. Außerdem musste man an der Zapfsäule das Autokennzeichen eingeben, bevor man überhaupt Sprit bekommen konnte. Mit solchen Daten ließen sich Bewegungen im Land sicher auch ganz gut überblicken.

Auf der Fahrt erlebten wir dann bei ganz klarem Himmel unseren ersten Sonnenuntergang in der Negev-Wüste. Fantastisch. Wir bezogen wieder problemlos unsere Wohnung, alles per Whatsapp unterwegs geregelt, zwischendurch sollte man auch immer mal wieder innehalten und sich wundern und dankbar sein, wie leicht so etwas heute alles geht.

Die beiden folgenden Tage in der Negev-Wüste gehörten zu den absoluten Highlights unserer Reise. Am ersten Tag wanderten wir am Ramon-Krater, es war heiß, der Himmel war blau und die Farben der Wüste ungemein beeindruckend. Nachts wurde es erstaunlich kalt und wir schalteten sogar die Heizung ein, was ich tagsüber niemals für möglich gehalten hätte. Am zweiten Tag besichtigten wir die Festung Avdat, eine ehemals wichtige Station der Handelskarawanen auf der Gewürzstraße (Weihrauchstraße).

Beware of camels

Mitzpe Ramon

Aufgang zu "The Carpentry"

Negev

Negev

Avdat

Avdat

Steinbock

Negev

"Colored sands"

Auf dem Weg zum Toten Meer stoppten wir noch in Sede Boker. Dort kann man das ehemalige Haus von Ben Gurion besichtigen. Sein Grab befindet sich in einer atemberaubenden Szenerie.

Sede Boker (Grab von Ben Gurion)

Ben Gurion's Desert Home

Am Toten Meer angekommen, hatten wir anderthalb Tage Zeit zum Entspannen. Das war zu diesem Zeitpunkt genau das Richtige, um endlich mal alle Eindrücke ein bisschen sacken lassen zu können. Und es ist schon toll, wie man da einfach auf dem Wasser liegen und sich treiben lassen kann.

Totes Meer

Totes Meer

israel & palästina [zweiter teil: der norden].

Wir hatten schon von Deutschland aus für eine Woche ein Auto gemietet, um den Norden und Süden des Landes zu erkunden. Von Tel Aviv aus fuhren wir zunächst mit einem Zwischenstopp in Caesarea Richtung Norden nach Oshrat. Dort hatten wir über Airbnb für vier Tage eine Wohnung gemietet, die sich als genauso schön erwies, wie es die Bilder und Bewertungen früherer Gäste beschrieben. Wir hatten eine komplette Küche, so dass wir uns selbst versorgen konnten. Das WLAN war schneller als in unserer Wohnung in Berlin (das war im Übrigen fast überall in Israel so), und als unerwarteten Bonus gab es Satellitenfernsehen mit vielen englischsprachigen Kanälen, darunter ein Sender, der ganz neue Filme zeigte. Nicht, dass wir zum Fernsehen nach Israel gekommen waren, aber am Ende eines langen Erkundungstages war es trotzdem schön, gemeinsam zu kochen und einen Film anzusehen.

Die Wohnung lag in einem großen Haus, das von der Vermieterfamilie bewohnt wurde. Für uns etwas gewöhnungsbedürftig, stand das Haus in einer Siedlung, die durch eine große gelbe Schranke abgesichert war. Es stellte sich allerdings heraus, dass die Schranke tagsüber immer offen stand und auch nicht bewacht wurde. Keine richtige gated community also, nur nachts wurde das Tor geschlossen. Wenn man spät zurückkam oder früh wegfahren wollte, musste man eine Nummer anrufen und dann wurde einem die Schranke geöffnet.

Am ersten Tag fuhren wir zu den Grotten Rosh haNikra, direkt an der Grenze zum Libanon. Die Aussicht von den Felsen über das Mittelmeer war fantastisch. Wie fuhren mit der Seilbahn hinunter und sahen uns den Film über die Geschichte des Tunnels an, der hier einst eine Verbindung zwischen Europa und Ägypten schuf. Er wurde während des Unabhängigkeitskrieges 1948 von einer paramilitärischen israelischen Gruppe gesprengt. Heute endet der Tunnel vor einer Mauer, auf deren anderer Seite der Libanon ist. Das sollte uns noch oft begegnen: dass man einerseits etwas sehr Schönes sieht und gleich darauf wieder im Konflikt landet.

Rosh haNikra

Rosh haNikra

Rosh haNikra

Von Rosh haNikra aus fuhren wir weiter nach Akko, wo uns wieder der Markt sehr gut gefiel. Wir fanden auch einen günstigen Rami Levy Supermarkt. Die Lebensmittelkosten sind in Israel merklich höher als bei uns. Es gibt aber ein paar Supermärkte, in denen man einigermaßen günstig einkaufen kann. Später stellten wir dann fest, dass es ganz in der Nähe unserer Ferienwohnung in Yarkah Hazafon einen Wonderful Market gab, der uns noch besser gefiel als Rami Levy. (Ich finde Einkaufen im Ausland ja immer spannend, und erst recht, wenn ich das erste Mal in einem Land bin.)

Markt

In unmittelbarer Nähe zu unserer Ferienwohnung lag die arabische Stadt Kafr Yasif. Fünfmal am Tag, wenigstens dann, wenn wir Zuhause waren, hörten wir über Lautsprecher den Gebetsruf des Muezzin von einer Moschee in der Nähe. Wir fuhren im Norden durch viele arabische Orte. Ich habe leider bis zum Schluss nicht wirklich verstanden, wie sich das im Land tatsächlich verteilt. Bei so einem ersten Besuch nimmt man ja vieles einfach erstmal in sich auf, ohne es immer einordnen zu können. Für uns hatte der wiederkehrende Gebetsruf vor allem etwas Exotisches, wie auch die Natur, zum Beispiel mit den riesigen Kakteen.

In der Nähe von Oshrat

In der Nähe von Nazareth

Wir fuhren zu den Golanhöhen, wo sich Landschaft und Konflikt auch wieder auf verstörende Weise mischen. Einerseits die schönen Banias-Wasserfälle und andererseits das verminte Gelände und die unmittelbare Nähe zur syrischen Grenze. Nachdem wir uns die Festung Nimrod angesehen hatten, fanden wir im Nordosten die Straße in Richtung Landesinneres nicht sofort. Wir sahen in der Ferne die Grenzanlagen und uns kamen UN-Fahrzeuge entgegen. Das war wirklich bedrückend und wir waren froh, als wir den Weg Richtung See Genezareth fanden.

Banias-Wasserfall (Golan)

Wir erreichten den Nationalpark Bethsaida, Geburtsort des Apostels Petrus. Hier waren wir im biblischen Galiläa, mit all den bekannten Namen, mit denen ich aufgewachsen bin. Wir sahen uns Kafarnaum an, die Brotvermehrungskirche und die Kirche der Seligpreisungen, den Ort der Bergpredigt. Für uns als Kinder waren das alles damals gleichzeitig nahe und fremde Begriffe. Wir wussten: Das ist weit weg. Aber weil man es oft hörte, schien es einem auch irgendwie nah. Und andererseits eine Stadt wie Bremen, die eigentlich nah war, aber doch als weit weg wahrgenommen wurde. Man hat als Kind von tatsächlichen Entfernungen ja keine Vorstellung, Entfernung ist eher eine mystische Größe. Orte, die man kennt, ohne sie zu kennen. Das ist mir früher auch mit New York so gegangen. In so vielen Filmen gesehen und in so vielen Geschichten erfahren, dass es beim ersten Besuch merkwürdig war, das alles wirklich zu sehen. Aufgeladene Orte. Man muss sie in der eigenen Erfahrung erst einmal neu erkennen. In Nazareth war ich erstaunt, dass es sich heute um eine komplett arabische Stadt handelt. Am See Genezareth war es sehr grün und Kafarnaum sah aus wie ein Paradies.

Am See Genezareth

Am See Genezareth

Brotvermehrungskirche (Tabgha)

Kirche der Seligpreisungen

An der Kirche der Seligpreisungen sang gerade ein Chor in blauen Gewändern, im Hintergrund der See Genezareth im Dunst. Das fühlte sich schon wieder unwirklich an, eher wie ein verwunschenes Kindheitsbild und nicht wie Realität im Jahr 2017.

An der Kirche der Seligpreisungen

Wir verließen den Norden nicht gerne. Tel Aviv war leicht gewesen, gerade weil es Berlin ähnelte. Der Norden warf uns erstmals tatsächlich in eine ganz andere Welt, voller Widersprüche, gleichzeitig schön und bedrückend, unverständlich auch zu Teilen, denn je weiter man aufs Land kam, umso schwieriger wurde die Kommunikation. Das ein oder andere Mal sahen wir nur noch Schilder auf Hebräisch und Arabisch, deren Alphabete wir beide nicht lesen können, und wir fanden niemanden, der Englisch sprach. Einmal verfuhren wir uns deshalb in den Bergen und standen plötzlich vor einer abgeriegelten Sackgasse, die endlich ein Schild auf Englisch bot: „No entry! Border to Lebanon ahead in 100 m.“

Verwirrend fanden wir anfangs auch, dass es in der englischen Version der Schilder (normalerweise haben alle Schilder drei Sprachen: Hebräisch, Arabisch und Englisch) unterschiedliche Schreibweisen des gleichen Ortes gibt. Auf einem Schild stand etwa: „Caper Naum.“ Ich fragte mich, ob das Kafarnaum sein könnte. Zwei Kilometer weiter stand auf dem Schild „Capernaum.“ Wir waren auf dem richtigen Weg.

Ein Ort konnte auf Englisch bis zu vier verschiedene Schreibweisen haben. Besonders austauschbar waren gleich lautende Buchstaben wie K, C und Q sowie I, J und Y. Zum Unterschied „zusammen oder getrennt“ kamen Binnenmajuskeln (haNikra, HaHagana), die wiederum aber manchmal auch durch Apostrophe ersetzt wurden. Ich dachte mir: „Egal welche Schreibweise, aber bitte einigt euch für die englische Version doch auf eine.“ Wir schreiben Wolfsburg schließlich auch nicht einfach manchmal Wolfs Burg, oder WolvsPurk oder Wolvs’burq (vielleicht in Privatorthographie, aber nicht auf Schildern).

Ich wollte mich gerne leichter zurechtfinden können, aber dieses Denken kam mir dann doch auch ganz schön deutsch vor. Hier musste man sich eben etwas locker machen und nach der Lautsprache gehen. Die Wörter waren von der Lautsprache ins Englische übertragen worden und am einfachsten war es, sich selbst vorzusprechen, was auf dem Schild stand. Dann bemerkte man die Ähnlichkeiten viel schneller als wenn man sich aufs Schriftbild konzentrierte. Im Norden lernten wir, auch in unübersichtlichem Terrain zu navigieren.

israel & palästina [erster teil: tel aviv und rehovot].

Wir waren unterwegs und einiges ist untergegangen. Was mich im März zum Beispiel gefreut hat, war Ekkehard Knörers nostalgischer Text im Merkur über die Weblogs: Feuerzeug, du (Link führt zum Gratis-Download). So schön.

Ein Jahr nach Johns Beerdigung haben Scott und ich uns das erste Mal auf eine Reise gewagt. Etwas hin- und hergerissen zwischen der Idee, dass eine Abwechslung uns gut täte und der Befürchtung, es könnte uns vielleicht auch zu viel werden. Die Angst war unbegründet. John spielte immer wieder eine Rolle und deshalb war er uns auch auf der Reise weiter sehr nah. Ein beruhigendes Gefühl, dass er auf eine Art immer mitkommt – dass das gehen kann.

Easyjet fliegt von Berlin aus günstig und direkt nach Tel Aviv, in nur viereinhalb Stunden und mit nur einer Stunde Zeitumstellung. Ich hatte vor unserer Reise – es war für uns beide das erste Mal in Israel – immer das Gefühl gehabt, es sei weiter weg. Dabei steht man, wenn man morgens um halb acht mit Rückenwind losfliegt, schon um kurz nach eins mittags draußen vor der Ankunftshalle des Flughafens Ben Gurion außerhalb von Tel Aviv.

Wir fuhren mit dem Zug vom Flughafen in die Innenstadt und wechselten am zentralen Busbahnhof HaHagana in einen Bus, der uns direkt vor dem Studioapartment absetzte, das wir in Tel Aviv gemietet hatten. Keine Ahnung, warum ich vorher im Internet ständig las, man solle am besten ein Taxi vom Flughafen nehmen, das sei viel bequemer. Gut, über Berlin könnte man das wahrscheinlich auch sagen, und in Berlin nehme ich auch ein Taxi, wenn ich beruflich fliegen muss. Aber im Urlaub ist das doch etwas anderes. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln bekommt man gleich viel mehr von Land und Leuten mit. Wir fanden es jedenfalls sehr leicht, mit dem Zug und dem Bus zu fahren.

Vor unserer Reise haben mich viele gefragt, ob man denn in Israel einfach so herumfahren kann, ob das denn sicher sei usw. Ich hatte zwar gelesen, dass das alles kein Problem ist, aber davon mussten wir uns erst einmal selbst überzeugen. Auch dafür war die Zug-Bus-Kombination perfekt, denn wir merkten gleich, dass in Tel Aviv eigentlich alles genauso funktioniert wie bei uns. Überhaupt dachte ich die ersten Tage ständig: „Eigentlich ja alles wie in Berlin!“ Abends lief auf dem Platz vor unserer Wohnung eine Drag Queen an uns vorbei, Rentner suchten in Papierkörben nach Flaschen, man hörte viele verschiedene Sprachen und überall gab es Falafel. Wenn man wie wir in Berlin in unmittelbarer Nähe zur Sonnenallee wohnt, scheint der Unterschied zwischen Berlin und Tel Aviv durchaus geringer als der, sagen wir, zwischen Berlin und Gifhorn oder Bruchsal.

Unser Eindruck: Tel Aviv ist wie Berlin, nur warm und am Meer. Klingt ganz gut, oder? Wir fanden es jedenfalls super, besonders den Strand und den Carmel Market.

Am Strand von Tel Aviv

Am Strand von Tel Aviv

Carmel Market in Tel Aviv

Gewürze auf dem Markt

Ein bisschen anders ist, dass in Tel Aviv alles irgendwie halb fertig oder schon wieder halb kaputt ist, wie man es auch aus anderen Mittelmeerländern kennt. Wie sagte eine Frau, die dort schon lange wohnt: „Der Stil ist: gute Idee gehabt, gemacht und irgendwann dann doch lieber einen Kaffee trinken gegangen.“ In unserem Apartmentgebäude hatte man den Flur gestrichen, offensichtlich ohne sich die Mühe zu machen, die Türen vorher abzukleben. Daher gab es viele Farbkleckser, zu deren Entfernung sich dann wohl keiner hatte aufraffen können. Unser Studio war offensichtlich kürzlich renoviert, hatte eine sehr moderne Dusche, aber bei den Fußleisten hatte jemand dann auch die Lust verloren. Wenn wir so durch die Stadt liefen, fiel uns sowas überall auf.

Von Tel Aviv aus fuhren wir an einem Tag mit dem Zug nach Rehovot, wo eine Reiseleiterkollegin von mir wohnt. Wir haben einmal bei einer legendär schwierigen Flusskreuzfahrtgruppe zusammengearbeitet. Da haben wir so viel gemeinsam erlebt und durchgestanden, dass wir auch danach immer in Kontakt blieben sind. In Rehovot zeigten ihr Mann und sie uns eine Orangenplantage, den Weizmann-Campus und dann luden sie uns zu sich nach Hause zum Essen ein. Dort wartete eine Überraschung: Wir bekamen ein Zertifikat für einen Baum, den meine Kollegin und ihr Mann in Johns Namen in einem Erinnerungswald in Galiläa hatten pflanzen lassen. Wie schön!

Ein Baum für John

Blick vom Dach über Rehovot (zu Besuch bei einer Kollegin und ihrem Mann)

Rehovot (Weizmann-Campus)

Nach dem Essen fuhren wir mit ihnen und ihrem Enkelsohn nach Kirjat Gat. Er musste zu seiner Truppe zurück, weil er gerade den Militärdienst absolviert. Ich erinnerte mich daran, wie ich einmal meinen Bruder während seines Wehrdienstes zur Kaserne gefahren hatte. Das war ein ganz anderes Gefühl als hier. Bei uns war das damals viel abstrakter, es gab ja keine unmittelbare Bedrohung. In Israel aber ist die Gefahr, jemanden während des Militärdienstes zu verlieren, ganz real. Einen Enkelsohn hier zum Dienst zurückzubringen, schien mir etwas ganz anderes als damals, als ich meinen Bruder zur Kaserne fuhr. Mit vielen Eindrücken eines israelischen Familienlebens kehrten wir am Ende des Tages mit dem Zug zurück nach Tel Aviv.

Tel Aviv bei Nacht

just another day in paradise.

Ich verfolge ja begeistert Joachim Bessings 2016 – The Year Punk Broke. Wenn dieses Jahr sonst nichts Gutes bringt, wird es immer noch ein gutes Jahr gewesen sein, alleine deswegen. Also gestern, Cremes. Verstehe ich einerseits alles gut, aber andererseits regt sich in mir auch Widerspruch: Wie wird das, wenn Männer die Zartheit der Augenlider anderer Männer befühlen?

Ich liebe die Männer genug, als dass ich ihnen gönne, von diesem Frauenwahnsinn verschont zu bleiben. Nicht, dass ich selbst crememäßig sehr investiert wäre. Ich benutze seit 13 Jahren nur eine einzige Creme, nämlich die tatsächlich sehr tolle Cien Antifalten-Creme von Lidl.

Auf einer Flusskreuzfahrt arbeitete ich kürzlich mit vier internationalen Kolleginnen zusammen. Eine fing an, der anderen Komplimente zu machen:

Your hair looks fantastic today!
I love your shirt!
Those shoes are gorgeous!

Wie sozial üblich, erwiderte die Kollegin die Komplimente mit Gegenkomplimenten. Einmal losgetreten, ist so eine Welle potentiell endlos. Bald wurden wir anderen in den Strom hineingerissen. In den nächsten Tagen ging es neben den üblichen Kleidungsstücken um Accessoires von der Mütze und dem Schal bis zur Tasche, um Schmuck wie Armbänder, Ringe und Halsketten und selbst um Dinge wie ein besonders schönes iPad-Cover.

Ich pflege bei der Arbeit einen merkelhaften Kleiderzugang und kombiniere zwei schwarze Hosenanzüge, einen schwarzen Rock, eine graue Hose, einfarbige Shirts und drei Tücher. Hauptsache, es passt in unseren dress code (wir haben ein Handbuch, in dem alles genau drinsteht, sogar, dass wir jeden Tag frisch geputzte Schuhe anziehen sollen) [aber als Freiberufler sind wir offiziell natürlich überhaupt nicht weisungsgebunden, haha].

Jedenfalls: Nicht viel Spielraum für die Komplimentspirale, in der wir uns befanden. Meine Kolleginnen waren mit ihrer Kleidung durchaus viel kreativer. Vielleicht so kam die eine Kollegin auf meine Haut: „Your skin is so smooth! It makes you look so young!“ Da musste ich wirklich widersprechen: „Listen, I’m the mother of a severely disabled child. I’m perfectly aware that I don’t look younger than I am. This is really taking it too far.

Die Zurückweisung des Kompliments aber kam gar nicht gut an. Die Frauen sahen mich alle vorwurfsvoll an. Also sagte ich schnell: „Well, I can tell you one thing: My mom gave me an anti-wrinkle lotion when I turned 30. It took me by surprise, I thought I was too young, but I did use it ever since.“ Die Kollegin erfreut: „There you go!“ Frieden war wieder hergestellt, ich hatte die Dynamik so gerade eben nicht gekappt.

Bald ging es dann auch immer öfter um unsere Arbeit und wir sagten uns Sachen wie:

You did a great job today!“ und
You handled that situation beautifully!

Manchmal saß zum Abendessen ein 19-jähriger norwegischer Schiffspraktikant als einziger Mann an unserem Tisch und ich hatte ein bisschen Bedenken, dass es ziemlich schrecklich für ihn sein könnte, mit uns mittelalten Frauen so ein 5-Gänge-Menü auszuhalten. Sein Chef aber versicherte auf eine entsprechende Nachfrage (relativ überzeugend): „No, no! He tells me that it’s absolutely fascinating.

Abends ging ich, nachdem der Wein das Momentum noch einmal angekurbelt hatte, irgendwann völlig erschöpft in meine Kabine und am nächsten Morgen war mir vor dem Zusammentreffen beim Frühstück etwas mulmig zumute: Waren uns über Nacht genügend neue Ideen gekommen? Ich weiß gar nicht, was anstrengender war: die Arbeit oder das Sozialverhalten unter fünf Frauen.

Deshalb dachte ich bis jetzt immer, es sei besser, wenn man in geschlechtergemischten Teams arbeitet. Aber wenn nun ein Mann möchte, dass man seine zarten Augenlider befühlt, dann bringt die Geschlechtermischung wohl auch nichts mehr. Insofern, anyway, das war meine cautionary Cremestory.

[Neben der Antifalten-Creme erhielt ich von meinem Eltern zum 30. Geburtstag noch 30 Packungen Nic Nac’s. Ich wohnte zu der Zeit schon über vier Jahre in den USA, hatte die üblichen Sachen, die man aus Deutschland vermisst (gutes Brot!) längst überwunden, aber nicht die Sehnsucht nach Nic Nac’s, und so war das eins der besten Geschenke aller Zeiten.]

holiday markets.

Bernkastel

Heidelberg - farbenfroher Weihnachtsmarkt

Strasbourg - Capitale de Noël

Straßburg

Ich bin von meinem Weihnachtsmarkt-Check zurück (a.k.a. Flusskreuzfahrt von Bernkastel nach Koblenz auf der Mosel und von Koblenz nach Straßburg auf dem Rhein). Bernkastel hat einen sehr schönen Markt, auch Trier und Luxemburg sind gut. Cochem: eigenwillig, mit Festzelt und Märchendeko. Koblenz in Weiß-Gold, Heidelberg dezent farbenfroh. Am schönsten aber ist tatsächlich Straßburg: Capitale de Noël, wie es auch so richtig auf den Glühweinbechern heißt.

Die abschließenden drei Tage in Paris waren ein bisschen düster, überall Polizei und Militär, schwer bewaffnete Patrouillen, bei Galeries Lafayette geschlossene Eingangstüren und nur zwei zentrale Eingänge mit Security Check, Eingangskontrolle im Hotel etc. Trotzdem habe ich drei sehr schöne Tage dort verbracht und fast alle Weihnachtsgeschenke in Paris gekauft. Ich bin sehr viel in der Stadt herumgelaufen, stundenlang. Vorher hatte ich mir gedacht, dass ich Paris jetzt nicht wieder so toll finden will, es ist schließlich nur eine Stadt, ich wollte das ein bisschen so sehen wie Jessa Crispin in The Dead Ladies Project, aber es ist mir nicht gelungen, ich fand Paris wieder sehr toll.

Galeries Lafayette

Galeries Lafayette

Louboutin-Schaufenster

Champagner - Farewe

Damit ist das Arbeitsjahr nun beendet. Was die Reiseleitung betrifft, bin ich nächstes Jahr ausschließlich für Flusskreuzfahrten eingeteilt. Sie werden immer beliebter, ich vermisse aber eigentlich die Landprogramme ein bisschen. Vielleicht gerade weil sie mehr Möglichkeiten zum Herumlaufen und Entdecken bieten.

[mehr Fotos bei Flickr]

le colombier.

Le Colombier Colleville Montgomery

Einer der Gründe, weshalb wir immer wieder nach Frankreich fahren: Man kann dort relativ günstig und bequem über die Website Gîtes de France ganze Häuser mieten. Das Ferienhaus Le Colombier, links neben dem alten Taubenturm, bot John reichlich Platz und auch die Möglichkeit, drinnen wie draußen lauter zu sein, ohne dass es andere stört. Eine gute Lage in der Normandie, sowohl zum Strand als auch zu den Orten der Alliiertenlandung, von denen wir ein paar neue erkundet und ein paar bekannte wiedergesehen haben. Das Ganze für 600 Euro pro Woche in der Hauptsaison. Ich kann es nur empfehlen (und werde dafür nicht bezahlt).

Es ist für uns ein grundsätzliches Problem, dass John überhaupt nicht mehr laufen will und wir somit oft Zuhause festsitzen. Die Isolation nimmt merklich zu. In der Normandie haben wir uns kurzerhand einen Rollstuhl ausgeliehen, als John am amerikanischen Friedhof streikte. Damit ließ John sich eine Stunde bei guter Laune durch die Gegend schieben. Es ist nicht so, dass er etwas dagegen hat, draußen zu sein. Er möchte nur nicht laufen. Ein Rollstuhl ist zwar nicht unbedingt eine Dauerlösung, aber hier und da eine Alternative.

Es hat uns wieder sehr gefallen, in La Belle France.

Mit John in Deauville

If I were any happier, I would have to be two people.

Urlaub in Südengland, dann direkt Arbeitseinsatz in Belgien und Holland (Tulpenkreuzfahrt). Nach dem langen Berliner Winter nun also wieder viel unterwegs, jeder Tag ein neuer Tag, das fühlt man unterwegs so sehr, es ist vielleicht einer der schönsten Aspekte des Reisens, dass sich alles ständig ändert, man gar nicht verharren kann, selbst wenn man wollte, man also einfach fließen lassen muss, das Leben wird dabei so angenehm unbehaftet, es wiegt einen insgesamt, ganz so wie in der Momentaufnahme auf dem Flusskreuzfahrtschiff, im Sturm durch die Nacht über das Markermeer fahrend, und man schläft in dieser Bewegung wie im Mutterbauch, jedenfalls stelle ich mir das so vor, dieses wiegende Bewegtwerden, ein herrliches Schlafen, aber natürlich fanden das nicht alle Passagiere und so wurde ich von der Nachtrezeptionistin zu einer Dame gerufen, die meinte, hinter ihrer Kabinenwand schlage wohl eine Ratte mit dem Schwanz gegen das Holz, dabei war es nur das Quietschen der Paneele im Sturm.

Viel Arbeit, so eine Hauptverantwortung für über 150 Personen. Absprachen mit dem Hotelpersonal auf dem Schiff, mit dem Restaurant (besondere Ernährungsbedürfnisse, Geburtstagskuchen etc.), mit der Bar wegen Empfängen, natürlich mit dem Büro in Chicago, mit Busunternehmen und Stadtführern (wann und wo am Schiff abgeholt werden, wo parken, wie lange bleiben, was genau vor Ort tun, wann zurückfahren etc.). Jeden Tag dockt das Schiff an einem anderen Ort, deshalb geht das alles jeden Tag von vorne los, neue Busse, neue Stadtführer, neue Aktivitäten, was ist heute zu bedenken, Den Haag, wir kommen fünfzehn Minuten vor Öffnung in das Mauritshuis, haben das Museum also die erste Viertelstunde für uns alleine, dafür aber vorher eine verantwortliche Person kontaktieren, die uns die Tür auch wirklich öffnet, lauter solche Kleinigkeiten, telefonieren, telefonieren. Jeden Tag neu die Geldsummen im Griff haben, was muss ich heute wo bezahlen, Quittungen über Quittungen sammeln, immer mit einem Aktenordner unterwegs („Monika, I always see you with the bible“). Dazu viele Kleinigkeiten organisieren wie Geschenke der Universitäten für bestimmte Gäste, Partys der Universitäten, Vorträge der mitreisenden Professoren, technische Ausstattung dafür etc.

Die operationale Organisation läuft idealerweise wie ein Hintergrundrauschen (je weniger die Reisenden sie überhaupt bemerken, umso besser), die Qualität der Information soll hoch sein, der Unterhaltungswert aber auch, und das Essen natürlich lecker, dabei jeden Tag für die große Gruppe moderieren, sich dazu etwas Neues einfallen lassen, und dann noch die Probleme einzelner Personen lösen, wie mutmaßliche Ratten in der Wand, streitende Ehepaare, sie mixt ein starkes Schlafmedikament mit vier Cocktails, er übernachtet in der Schiffsbibliothek, Leute mit einfachen Schrullen und Profilneurosen, wie der Professor, der genau dann auf die Toilette muss, als die Toilettenpause gerade vorbei ist und alle wieder im Bus sitzen, nun muss der ganze Bus auf ihn warten, und das scheint ihm zu gefallen (in den anderen vier Bussen ist währenddessen was anderes los, das ist ja auch so ein logistischer Aufwand, wenn man ein ganzes Schiff gechartert hat, dass man dann alles mit fünf Bussen parallel macht), dann aber auch Leute mit wirklich pathologischen Problemen, eine demente Frau verirrt sich zuerst bei der Ankunft im Flughafen Schiphol und später im Keukenhof, eine andere, ebenfalls verwirrte Frau läuft nachts nackt über den Flur. Dazu allerlei Beschwerden wegen Nichtigkeiten, der Sodiumgehalt des Mineralwassers an Bord sei zu hoch etc.

Aber dann kommen natürlich auch sehr nette Reisende, bedanken sich für dies und jenes, nehmen einen in den Arm („Monika, I think you need a hug!“). Oder sie sagen tolle Sachen, wie der Mann, der auf die Frage, wie es ihm geht, antwortete: „I couldn’t be better. If I were any happier, I would have to be two people.“ So wird man von den Launen der Menschen durch den Tag getragen. Am Ende hat alles gut geklappt, zwei anstrengende Wochen, aber als ich mich am Flughafen Brüssel von meinen Kolleginnen verabschiedete (eine aus Spanien, eine aus Irland, eine aus Israel), vermisste ich sie direkt schon, und auch die Arbeit, das Angenehme des ständigen Beschäftigtseins. Noch vier Wochen bis zum nächsten Einsatz, dann in meinem Wattebausch Schweiz.

i forget where we were [2014].

#whathappened

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Über das Jahr verteilt war ich acht Wochen in Frankreich (zwei davon im Urlaub, sechs beruflich).

Orte, die ich in Frankreich besucht habe:
Paris
Giverny
Honfleur
Cabourg
Caen
Bayeux
Mont-Saint-Michel
Sainte-Mère-Église
Juno Beach
Omaha Beach
Utah Beach
Die Abbaye d’Ardenne
Unzählige Gedenkstätten und Friedhöfe beider Weltkriege

Jean-Claude Juncker hat Recht: „Wer an Europa zweifelt und wer an Europa verzweifelt, der soll Soldatenfriedhöfe besuchen, dann zweifelt er nicht mehr.“

Französischer Friedhof bei Verdun

Deutscher Friedhof Mangiennes

Amerikanischer Friedhof Meuse-Argonne

In und um Verdun haben wir uns angesehen:
Das Beinhaus von Douaumont
Den Bajonettgraben
Die Festung Vaux
Die neun zerstörten Dörfer in Charny-sur-Meuse
Das amerikanische Memorial in Montfaucon
Den amerikanischen Friedhof in Romagne-sous-Montfaucon

Beinhaus Verdun

Bajonettgraben Verdun

Außerdem in Belgien:
Die Abtei Orval
In Bastogne die Gedenkstätte der Ardennenoffensive (Battle of the Bulge)

Bastogne

Das macht was mit einem, diese ganzen Orte zu besuchen. Frieden wertschätzen, Demokratie wertschätzen, Verantwortung spüren (um nur die einfachsten und offensichtlichsten Gefühle zu nennen). Viele Autos mit Kennzeichen aus Frankreich, Holland, Belgien und Großbritannien. Dürften ruhig ein paar mehr aus Deutschland werden, wäre vielleicht auch ganz gut gegen Pegidamist.

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Ich habe einen neuen Job begonnen und drei alte trotzdem weitergemacht (die alten nur ein bisschen reduziert, um Platz für Nummer vier zu schaffen). Ich habe sehr viel gearbeitet, das dürfte im nächsten Jahr ruhig ein bisschen weniger werden, sieht aber mit einem Blick auf den Jahresplan 2015 nicht danach aus, zumal ich auch noch mehr Verantwortung übernommen habe.

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Das Jahr war literarisch für mich wieder von Karl Ove Knausgård geprägt. Ich habe viel gelesen, besonders unterwegs, aber das meiste hat mich nicht richtig gepackt. Bin halt noch nicht fertig mit Knausi.

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In den Sommerferien haben wir Johns Medikament um die Hälfte reduziert. [Größter Erfolg]

(Die andere Hälfte haben wir uns für die nächsten Sommerferien vorgenommen. Alles andere wäre zu ambitioniert, und wir denken eh in einer sich immer weiter dehnenden Zeit.)

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Im November war ich nach 2012 endlich wieder auf einem Konzert von Ben Howard. Sein Album I forget where we were ist mein Lieblingsalbum 2014. Es ist gar nicht so, dass da ein bestimmtes Lied hervorsticht, das Album wirkt vor allem als Ganzes. Ich mag es, wie sich die Lieder langsam aufbauen, anschwellen, brechen, neu beginnen. Diese Dynamik kommt im Konzert natürlich noch viel mehr zum Tragen. (Ein gutes Beispiel: zusammen mit Daughter.)

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14/14
(Playlist von vierzehn Liedern für 2014)

Real Estate – Primitive
Bear’s Den – Isaac
Conor Oberst – You are your mother’s child
Rivulets – My favorite drug is sleep
Billy the Kid (feat. Frank Turner) – This sure as hell ain’t my life
The Twilight Sad – There’s a girl in the corner
Tweedy – Low key
Sun Kil Moon – Richard Ramirez died today of natural causes
S. Carey – Alpenglow
Royal Blood – Figure it out
The Antlers – Hotel
Ben Howard – End of the affair
Luluc – Without a face
Damien Rice – It takes a lot to know a man

[Die meisten Lieder kommen von Scott, ich profitiere immer von seinen Entdeckungen.]

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„I am driftwood, found.“ (S. Carey)

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Im Urlaub an der Mosel und am Rhein begeisterte John sich in Koblenz maximal für die Buga-Seilbahn. Dieses pure Glück im Gesicht. Er könnte wohl den ganzen Tag zwischen dem Deutschen Eck und der Festung Ehrenbreitstein über den Rhein gondeln. [Johns Moment des Jahres]

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Tagesausflüge von Berlin:
Museumsdorf Glashütte (bei Baruth/Mark)
Wildgehege Glauer Tal (bei Ludwigsfelde)
Stettin (Polen)
Küstrin (Polen)
Kloster Chorin
Cottbus (Unibibliothek)
Kromlau (Rakotzbrücke)

Rakotzbrücke in Kromlau

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2014 sind wir fast jedes Wochenende in Berlin um die Krumme Lanke gelaufen. Die einzige Möglichkeit, Bewegung in John zu bringen ist momentan eine feste Routine: eine Strecke, die er gut kennt und die er somit gut abschätzen kann, die ihm also Orientierung bietet.

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Seit November geht John vorerst nur an vier Tagen die Woche zur Schule. Er hatte leider nach langer Zeit wieder einen epileptischen Anfall und es ist daher zu gefährlich, ihn mit zum Schwimmen zu nehmen. John schwimmt im tiefen Wasser und taucht gerne. Bei einem Anfall könnte man ihn wahrscheinlich nicht retten. Da das Schwimmen aber im Stundenplan seine Lieblingsaktivität ist, behalten wir ihn donnerstags nun lieber Zuhause. John würde ja sonst schon mitbekommen, dass die ganze Klasse zum Spaßbad fährt und nur er in der Schule bleiben muss.

(Der positive Nebeneffekt der 4-Tage-Woche: John ist insgesamt viel entspannter. Die Schule strengt ihn schon sehr an und es macht viel aus, wenn er nach drei Tagen eine Pause bekommt. Nur müssen wir das natürlich auch erstmal wieder managen. Gut, dass Scott Vollzeit Zuhause ist.)

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In diesem Jahr war ich zum ersten Mal in meinem Leben im Krankenhaus, dafür dann auch gleich mit einer Not-OP an einem Sonntag. (Auch ein erstes Mal: Vollnarkose.) Anschließend kam ich mit einem riesigen Krater in der Schulter nach Hause. Gearbeitet habe ich nur zwei Tage lang nicht, dann zwei Wochen vom Bett aus, und danach wieder normal. Nach sechs Wochen fragte mich die Ärztin bei der Kontrolle, ob sie mich noch länger krankschreiben solle, haha, guter Witz. [Schicksal der Freiberuflichkeit.]

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„I’m ready for you, baby.“ [Bester Satz]

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2014 wird mir wohl vor allem als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem John größer wurde als ich.

2014: John ist jetzt größer als ich.

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Am 28. Dezember fragte ein Mädchen an der Krummen Lanke ihre Mutter: „Mama, was macht der Mann da?“

Das hatten wir noch nie gehört. Sie meinte John, der lautierte und sich in die Hand biss. Wir haben bisher nur schon oft die Frage gehört: „Mama/Papa, was macht der Junge da?“

Nun also: Adieu Junge und Hallo Mann.

[So ändern sich die Fragen, doch ihr Inhalt bleibt uns erhalten.]

#thefourwallsofmyfreedom

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2014 war: trotz vorausgesagter Unruhe und tatsächlich viel Trubel dennoch auch erstaunlich entspannt, irgendwie.

small things.

„It’s quite fun getting old. The world’s changing and one’s own past turns into an exotic place.“
(Ich mag es, wenn meine greisen Reisenden ermutigend über das Altern sprechen.)

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Das neue Album von Ben Howard gefällt mir, ich bin erleichtert, denn ich hatte ein bisschen Angst, dass es zu viel „Keep your head up“ und zu wenig „Black flies“ wird, aber gar nicht.
(Konzertkarten für den 27.11. in Berlin, check.)

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„Il roule à la parisienne“, sagte der französische Busfahrer auf dem Weg von Honfleur zum Mont Saint Michel über einen Fahrer, der die ganze Zeit auf der mittleren Spur fuhr. Auf Amerikanisch heißt es: „He’s milking the middle lane.“
(Auf Deutsch fällt mir nichts gleichwertig Schönes ein.)

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Mehr zu Kelli Stapleton, der Mutter, die versuchte, sich und ihrer autistischen Tochter das Leben zu nehmen. Die Aggressionen von schwer beeinträchtigten Autisten können schlimm sein, aber selbst sie sind keine Rechtfertigung für einen Mordversuch.

„Like a subset of autistic children, Issy can fly into violent, unstoppable rages. Usually, it’s because they want something but can’t have it (going to an amusement park on a Tuesday evening), or because they are frustrated, or sometimes just to get attention. Typically, it’s directed against their mother, because she’s smaller, usually the one saying no, and also there more often. Issy has hit Kelli so hard that she’s knocked her unconscious; twice she has sent her mother to the hospital.“ [#]

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The Creepy New Wave of the Internet [#]

The Internet of Things, Enchanting Objects, wtf, creepy indeed. „Among these enchanted objects are the Google Latitude Doorbell that lets you know where your family members are and when they are approaching home, an umbrella that turns blue when it is about to rain so you might be inspired to take it with you, and a jacket that gives you a hug every time someone likes your Facebook post.“

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In den Herbstferien waren wir in Norddeutschland, sind mit dem Katamaran von Cuxhaven nach Helgoland gefahren und waren in Bourtange in Holland, sehr schön alles. Bourtange ist gar nicht weit weg von Oldenburg, ich habe keine Ahnung, warum ich dort noch nie gewesen bin, wirklich empfehlenswert.

Seehund

Helgoland

Bourtange

Bourtange

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Auf dem deutschen Soldatenfriedhof in La Cambe in der Normandie wird im Informationszentrum des Volksbunds Kriegsgräberfürsorge das Gedicht Liberté von Paul Eluard zitiert. So las ich im Oktober 2014 in Frankreich dieselbe Zeile: „Je suis né pour te connaître“, die mir im Oktober 2012 in Bulgarien als Graffiti begegnet war.

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