“Wenn es ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patienten gebe, dann brauche man auch keine Qualitätssicherungsbögen.”
So sagte es unser neuer Gesundheitsminister in einem seiner ersten Interviews. Hm. Moment mal. Wenn es ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Atomkraftwerksbetreibern und Bevölkerung gibt, dann braucht man wohl auch keine Kontrollen der Atomkraftwerke? Wenn es ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Staat und Bürgern gibt, braucht man vielleicht auch keinen Datenschutzbeauftragten, Behindertenbeauftragten etc.? Wenn es ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Staat und Bürgern gibt, dann braucht man vielleicht noch nicht einmal die Versammlungsfreiheit, eigentlich sogar keine Wahlen, denn wenn es ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Staat und Bürgern gibt, dann braucht man die Kontrollfunktion des Parlaments ja gar nicht. Aber wo ist eigentlich die Opposition, schon im Winterschlaf? Ach, ich vergaß: wenn es ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen den Parteien gibt, dann braucht man keine Opposition.
Das ist übrigens 2009, nicht 1909. Nur falls sich jemand wundert. Man sollte Herrn Rösler mal von dieser “Parallel-Welt Internet” (quote) erzählen, in der Patienten sich über Ärzte und Therapiemethoden und all sowas in aller Öffentlichkeit austauschen, in der sogar Krankenkassen interaktive Gesundheitsportale eröffnen. Denkbar, dass dies ein schlimmerer Angriff auf die Souveränität der Ärzte ist als die Qualitätssicherungsbögen. Aber wenn es ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen allen Menschen gibt, dann braucht man wahrscheinlich auch gar kein Internet.
Donnerstag, 19. November 2009, 9:53 Uhr | Thema: Politik | Kommentare (3)