Archiv für März, 2011

my life as a hermit.

“You might think that such protracted solitude would lead to introspection, to self-examination, to a growing self-awareness. But not for me. What happened to me was that I began to forget myself, my focus shifted almost entirely outwards to the natural world outside my window. It was as if we gain our sense of self from our interaction with other people; from the reflection of ourselves we see in the eyes of another. Alone, there was no need for identity, for self-definition.” [#]

sachbuchwurm “große idee.”

First things first natürlich, für mich als große Fanin: Sven Regener liest aus Meine Jahre mit Hamburg-Heiner (in voller Länge bei Zehnseiten.de)

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Ein Artikel von Kathryn Schulz spricht mir aus der Seele, Group Think. Tina Rosenberg joins a popular club for nonfiction writers. Warum muss es immer die große Idee sein, damit hadere ich seit einem Jahr. Anscheinend verkauft sich das Schema: Titel “Die große Idee” und tautologischer Untertitel “Wie [große Idee] alles verändert.” Malcolm Gladwell hat es vorgemacht und nun werden Sachbuchleser damit überrollt. Natürlich hat das seinen Reiz, es ist einprägsam, sozusagen ein Äquivalent zum Ohrwurm. Man sieht so ein Cover einmal oder liest eine einzige Rezension und schon hat sich der Titel in den Kopf eingepflanzt. Das Problem ist nur, dass es notwendigerweise Quatsch ist, da undifferenziert. Die momentan eleganteste Lösung ist wahrscheinlich, dem Trend nachzugeben und dann in der Einleitung gleich zu sagen, dass der Titel Quatsch ist (s. “Wie man den Bachmannpreis gewinnt”). Ich hadere noch, erfreue mich aber derweil an Kathryn Schulzes Text.

“Big Idea books have been around for a long time; see The Communist Manifesto. But the Big Idea Book Club (I mean ‘club’ as Rosenberg defines it: an identifiable in-group with enough status to influence the behavior of others) is a recent phenomenon. Its accidental founder and president in apparent perpetuity is Malcolm Gladwell. Its membership, like the membership of most powerful groups, is largely male. Its combined sales are stratospheric; whatever these books are hawking, we can’t stop buying it.”

Mein Autismusbuch würde natürlich genau in diese Sparte passen: “Big Idea tomes typically pull promiscuously from behavioral economics, cognitive science, and evolutionary psychology.” Da haben wir doch “Das Zeitalter des Autismus. Wie ein Syndrom zum Zeichen unserer Zeit wird.” Wenn es mich nur nicht selbst so stören würde.

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“They coin phrases the way Zimbabwe prints bills.”

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“‘The social cure’ —a panacea so powerful that it can help you quit smoking, lose weight, escape poverty, ace calculus, combat Islamic terrorism, overthrow a dictator.”

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Frühlingsgrüße: Flower Garden

bildnis des autisten als glücklicher massendemonstrant.

Frank Schirrmacher in der FAZ: Rhetorik und Realität. Die neun Gemeinplätze des Atomfreunds [#]

stellplatzwelten. zyklus des parkens. erleben.

kaiser’s.

In der Gemüseabteilung bei Kaiser’s streiten sich eine alte Frau und ein alter Mann, beide sehen aus, als seien sie bestimmt schon 80 Jahre alt, sie schreit ihn an und flüchtet dann in die Getränkeabteilung, er humpelt traurig und verunsichert am Gehstock Richtung Ausgang. Ein Gegenbeispiel zur kürzlich gelesenen These, dass soziale Beziehungen mit dem Alter immer besser werden [#].

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Über Joan Didion und Joyce Carol Oates: For Sorrow There Is No Remedy

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Are People Nicer In Cities?

we obtain an urgent sense of now [museumsflash edition].

Zuerst haben wir uns im Martin-Gropius-Bau die Ausstellung Kompass. Zeichnungen aus dem Museum of Modern Art New York angesehen. Ein Bild, das mir sehr gefallen hat: Elizabeth Peytons Lunch (Nick).

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Der beste Titel geht an: “Love songs for assholes”

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Wo wir schon im Gropius-Bau waren, haben wir uns auch noch die Fotoausstellung Wenn der Vorhang fällt von Margarita Broich angesehen, mit einem sehr schönen Portrait von Christoph Schlingensief. Missing him.

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Wo wir schon neben der Topographie des Terrors waren, haben wir uns endlich auch einmal das neue Dokumentationszentrum von innen angesehen, das sonst immer voll von Reisegruppen und Schulklassen ist, aber letzten Freitag einigermaßen zugänglich war.

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Sonntag Museumsbesuch mit unserem Kandidaten, ein Versuch. Wir konnten uns die Ausstellung totgeschwiegen zwar nicht sehr ausführlich ansehen, aber John hat es ganz gut mitgemacht.

Kleiner Rückblick: eine Freundin und ihr Mann haben vor einiger Zeit eine Patenschaft für einen Stolperstein übernommen und ich hatte mir damals gedacht, dass ich auch gerne eine Patenschaft übernehmen würde, und zwar für ein behindertes Kind. Ich hatte der Kontaktadresse auf der Website gemailt und leider herausgefunden, dass es momentan keine unvergebenen Patenschaften für Kinder gab. Ich müsste selbst ein Kind finden, mein Kontakt empfahl mir, mit einer Schule in Kontakt zu treten, eine Klasse könne ein Forschungsprojekt unternehmen, das würde häufiger gemacht. Damit verlief sich das Ganze zunächst für mich, denn zur dafür nötigen Organisation war ich nie gekommen. Als ich nun aber das Buch Das Vergessen der Vernichtung ist Teil der Vernichtung selbst gelesen habe, kam ich zu der Idee zurück. In der Ausstellung haben wir ein Heft mit Stolpersteinen aus Reinickendorf gekauft und eine Frau im Museum nahm meine E-Mail-Adresse entgegen und möchte mich mit jemandem verbinden, der mir vielleicht weiterhelfen kann.

Zurück zur Ausstellung, die wirklich sehr empfehlenswert ist. Ein Junge erinnerte mich sehr an John, damals gab es noch keine Autismusdiagnosen, aber das Foto sieht sehr nach einem Autisten aus.

Der Text: “Von Geburt an hatte Joachim K. eine schwere geistige Behinderung. Das Jugendamt Kreuzberg wies ihn 1937 in die Wittenauer Heilstätten ein. Von dort wurde er im Alter von vier Jahren vorsorglich dem Hauptgesundheitsamt zur Zwangssterilisierung gemeldet. Die folgenden Jahre verbrachte der Junge in verschiedenen Heimen. Betreut wurde er von Wittenauer Ärzten, darunter Ernst Hefter, Gertrud Reuter und Gerhard Kujath. Das Jugendamt Kreuzberg als Kostenträger fragte wiederholt an, ob mit dauernder Pflegebedürftigkeit zu rechnen sei. Im Frühjahr 1942 durchlief Joachim, inzwischen vom ‘Reichsausschuss’ erfasst, in der Fachabteilung Wiesengrund eine wochenlange Diagnosephase ohne Ergebnisse. Schließlich wurde er ins Kinderheim Marwitz zurückgeschickt. Ein halbes Jahr später lag offensichtlich die Tötungsermächtigung des ‘Reichsausschusses’ vor. Joachim wurde erneut in die Fachabteilung aufgenommen. Zwei Tage nach seiner Wiederaufnahme starb er am 26. September 1942 ‘plötzlich’ an einer Lungenentzündung. Joachim wurde nur 8 Jahre alt.”

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Das erinnert mich daran, dass ich auch schon lange mehr über den Runden Tisch zur angemessenen Gestaltung des T4-Gedenkortes herausfinden wollte. Die Wanderausstellung der Grauen Busse war sehr gut, es ist aber, huch, auch schon wieder erschreckende drei Jahre her, dass sie hier war.

frank o’hara.

animals

have you forgotten what we were like then
when we were still first rate
and the day came fat with an apple in its mouth
it’s no use worrying about time
but we did have a few tricks up our sleeves
and turned some sharp corners
the whole pasture looked like our meal
we didn’t need speedometers
we could manage cocktails out of ice and water
i wouldn’t want to be faster
or greener than now if you were with me O you
were the best of all my days

Weswegen? Weil es bei Coudal von Zadie Smith gesprochen wird: Poetry After the Beep

cis-börger.

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Was ich schon lange empfehlen wollte, für diejenigen, die es noch nicht kennen (ich habe kürzlich in einem Gespräch nämlich festgestellt, dass es durchaus noch Menschen gibt, die es nicht kennen): Meike Winnemuths Reiselog Vor mir die Welt.

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Zur Wertschätzung von Fleisch sagt ein einziges Werbeposter in Neukölln alles:

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Worüber ich in den letzten Tagen auch nicht hinwegkomme: In Mexiko gibt es 11 Milliardäre und 50 Millionen Menschen leben in Armut. [#]

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Kolja bloggt von der Leipziger Buchmesse. Wir reisen nicht so weit wie Meike Winnemuth und noch nicht einmal nach Leipzig, aber zu Ehren des Gastlandes der Buchmesse lese ich gerade Hamam Balkania von Vladislav Bajac. Meine Reisen finden wieder hauptsächlich in Büchern statt, wie früher als Kind.

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Die New York Times soll eine Paywall erhalten, vielleicht werde ich sie demnächst also auch in der Bibliothek lesen müssen, so wie andere Zeitungen und Zeitschriften, die nicht online sind. Etwa einmal pro Woche fahre ich zur Amerika-Gedenkbibliothek und lese, was mich interessiert und was ich online nicht lesen kann. Die AGB wird sicher auch Computer mit Zugängen zur NYT haben, dann lese ich sie eben nicht mehr täglich, sondern einmal pro Woche retrospektiv. Das ist ja das Fatale an dieser Bezahldiskussion, Paywalls lösen kein Problem, sie verlagern nur die Rezeptionsmöglichkeiten.

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Neuester Satz des Kandidaten: “Ein Cis-Börger kaufen!” Das bedeutet Cheeseburger, gemeint ist allerdings ein Veggie Burger, nur kann John das nicht auseinanderhalten, jeder Burger ist für ihn automatisch ein Cis-Börger, auch wenn er den Veggie Burger viel lieber mag.

the power of lonely.

“Spending a certain amount of time alone, the study suggests, can make us less closed off from others and more capable of empathy — in other words, better social animals. People make this error, thinking that being alone means being lonely, and not being alone means being with other people,” Cacioppo said. “You need to be able to recharge on your own sometimes. Part of being able to connect is being available to other people, and no one can do that without a break.” [#]

japan.

Aus meiner alten Bürogemeinschaft bekam ich gestern folgenden Hinweis, den ich gerne weitergeben möchte: eine Gruppe aus Berlin organisiert Unterkünfte für Flüchtlinge aus Japan: Open Home Project.

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