MORGEN KANN WARTEN
In Europa unterwegs mit unserem autistischen Kind

Über dieses Buch:

Autisten sind nicht als Weltenbummler bekannt. Sie mögen Routinen und haben es gerne, wenn sich ihr Umfeld wenig verändert. Auch unser autistischer Sohn John, mittlerweile fünfzehn Jahre alt, mag feste Abläufe und seine gewohnte Umgebung – aber er verreist auch gerne. Mein Mann Scott und ich sind mit John durch ganz Europa gereist. Manchmal waren diese Reisen unbeschwert, geprägt von schönen Begegnungen, manchmal begegneten uns unerwartete Hindernisse.

In Deutschland leben 9,6 Millionen Menschen mit einer amtlich anerkannten Behinderung, das sind mehr als 10% der Bevölkerung, und dennoch werden sie in der Öffentlichkeit deutlich weniger wahrgenommen, als ihr Bevölkerungsanteil nahe legen würde. Wenn sie vorkommen, dann meistens in bürokratischen Zusammenhängen, zum Beispiel in Diskussionen über Dienstleistungsfragen oder Pflegereformen. In Elternerzählungen über das Leben mit einem schwerstbehinderten Kind geht es oft entweder um unwahrscheinliche Heilungserfolge oder aber im Gegenteil um Beschreibungen der Ausweglosigkeit. Jenseits von Bürokratie, Heilung oder Verzweiflung erleben wir dagegen mit John neben vielen Schwierigkeiten, die ich ausdrücklich nicht außer Acht lassen möchte, dennoch auch viel Freude. Mir geht es deshalb vor allem um eine Erzählung, die der Vielfalt des Lebens gerecht wird.

Als Familie mit einem autistischen Kind leben wir tagtäglich mit den Bildern, die die Gesellschaft vom Autismus hat. In den Erzählungen der Reisen werden die Erlebnisse und Eindrücke deshalb auch in Bezug gesetzt zu verschiedenen Themen, die uns als Familie mit einem schwerstbehinderten Kind bewegen.

In meinem Buch, das ich unten kapitelweise einfüge, während ich es aus der schon veröffentlichten englischen Version ins Deutsche übersetze, erzähle ich von John im Alter von dreieinhalb bis elf Jahren. Der Titel MORGEN KANN WARTEN bezieht sich darauf, dass wir in unserem Leben mit John zwar viele Zukunftssorgen haben, und große Aufgaben vor uns, aber dass dieses Morgen warten kann, wenn wir uns auf die Gegenwart konzentrieren und dem Leben mit seinen besonderen Herausforderungen Tag für Tag begegnen.

Einleitung – In der Welt sein

1. Thassos – Sprache

2. Hiddensee – Elternsein

3. Rhodos – Epilepsie

4. Côte d’Azur – Fernand Deligny

5. Mallorca – Prävalenz

6. Connemara –  Therapien

7. Südtirol – Neurologische Vielfalt

8. Südschweden – Inklusion

9. Normandie & Elsass – Geschichte

10. Valencia – Kultur

11. Prag & Theresienstadt – Ethik

12. Texel – Freundschaft

13. Berlin – Autismus als Metapher

Epilog – Teil des Festlands

Dank

Anmerkungen

Literaturverzeichnis

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Weitere Informationen

Englische Version:

Die englische Version des Buches wurde am 4. Juni 2013 veröffentlicht: Tomorrow Can Wait. Exploring Europe with Our Autistic Child.

Kickstarter-Finanzierung der englischen Ausgabe (Crowdfunding):

189 Unterstützer in 30 Tagen
Ziel von $6.000 überschritten; insgesamt erhalten: $7.101

Zeitungsartikel:

Berliner Morgenpost vom 07.10.2012: Johns Blick auf die Welt
Berliner Morgenpost vom 15.08.2012: „Wie Berliner mit Crowdfunding ihre Ideen verwirklichen“
Tagesspiegel vom 28.06.2012: „Die ganze Welt spendet für den kleinen John“

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Rezensionen

Anne Schüßler [#]

Ann Giles [#]