{"id":1027,"date":"2009-06-19T15:03:24","date_gmt":"2009-06-19T13:03:24","guid":{"rendered":"http:\/\/gedankentraeger.de\/?p=1027"},"modified":"2009-06-20T08:39:56","modified_gmt":"2009-06-20T06:39:56","slug":"tddl-2009-die-bucher-zweiter-teil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gedankentraeger.de\/?p=1027","title":{"rendered":"tddl 2009 [die b\u00fccher, zweiter teil]."},"content":{"rendered":"<p>Nach dem Bildungsprivileg von Preisend\u00f6rfer habe ich gleich noch eins seiner B\u00fccher gelesen, allerdings ein belletristisches: den unter dem Pseudonym Bruno Richard ver\u00f6ffentlichten Thriller &#8222;Desaster.&#8220; (In der Stadtbibliothek Mitte gibt es nur diese beiden Preisend\u00f6rfer-B\u00fccher und &#8222;Der Kaiser vom Knochenberg&#8220; von Karsten Krampitz, also habe ich mir die drei ausgeliehen.) &#8222;Desaster&#8220; ist, im Gegensatz zum n\u00fcchternen Sachbuch, tats\u00e4chlich sehr belletristische Unterhaltung. Sprachlich hatte ich ein paar Probleme mit dem Roman. Die Passagen aus der Sicht eines Kindes beispielsweise finde ich \u00fcbertrieben anbiedernd an eine mir auch schon veraltet erscheinende Jugendsprache: &#8222;Aber er gab zu, dass dieser Missgriff durch einen fetzigen Aluminiumroller mit Handbremse am Lenker und wundersch\u00f6n gl\u00e4nzenden Schutzblechen \u00fcber den R\u00e4ndern wieder ausgeglichen worden war. Kein Kickboard, sondern ein richtiger Roller; voll fett, das Teil.&#8220; (21) Das Ganze liest sich deshalb so problematisch, weil es einen auktorialen Erz\u00e4hler gibt, und warum sollte der pl\u00f6tzlich so abdriften? Das klingt dann irgendwie falsch und patronisierend. Die Passage ist vielleicht auch ein ganz gutes Beispiel f\u00fcr zu viele Adjektive. Au\u00dferdem gibt es in dem Buch f\u00fcr meinen Geschmack viel zu viele Personen und Perspektiven. Die Geschichte springt permanent zwischen Handlungsstr\u00e4ngen hin und her, und dann tauchen auch noch immer zus\u00e4tzliche Au\u00dfenimpressionen auf, wie etwa, was Nelson Mandela und Ceausescu gerade tun. Das Buch wirkte darum auf mich zu \u00fcberladen, weniger w\u00e4re mehr gewesen. Es ist kein schlechtes Buch, doch toll fand ich es auch nicht gerade. Ich bin aber sehr gespannt auf Preisend\u00f6rfers Bachmanntext, denn das Sachbuch hat mir sehr gefallen und beim Bewerb wird er ja wohl nicht mit etwas so belletristischem wie &#8222;Desaster&#8220; starten.<\/p>\n<p>Als N\u00e4chstes las ich dann also &#8222;Der Kaiser vom Knochenberg&#8220; von Karsten Krampitz, was mir deutlich besser gefiel als &#8222;Desaster.&#8220; Vielleicht liegt es auch daran, dass mich humorvolles Erz\u00e4hlen \u00fcber das Aufwachsen in der DDR mehr interessiert als eine wilde Jahrtausendwende-Diamanten-Geschichte. Jedenfalls gibt es bei Krampitz richtig gute Dialoge, einen angenehmen Erz\u00e4hlfluss ohne zu viel Brimborium und einen erfrischenden Ich-Erz\u00e4hler (kurz f\u00fchlte ich mich an &#8222;M\u00fcller haut uns raus&#8220; von Jochen Schmidt erinnert, obwohl es ein ganz anderes Buch ist, aber es gibt in beiden B\u00fcchern dieses angenehm selbstironische, augenzwinkernde Erz\u00e4hlen des Aufwachsens). Teilweise war mir der &#8222;Kaiser vom Knochenberg&#8220; allerdings etwas zu flapsig, aber das hielt sich noch in Grenzen. Ich habe das Buch einfach gerne gelesen \u2013 wie ich ja auch sowieso der Meinung bin, dass die DDR noch lange, lange nicht <em>ausgeschrieben<\/em> ist (wie man so sagt, oder besser: wor\u00fcber man letzten Sonntag diskutierte). Letzten Sonntag war ich n\u00e4mlich beim <a href=\"http:\/\/www.literaturortprenzlauerberg.de\/index.php?option=com_content&amp;task=blogcategory&amp;id=19&amp;Itemid=75\">Literaturfest am Kollwitzplatz<\/a>, wo <a href=\"http:\/\/www.salli-sallmann.de\/\">Salli Sallmann<\/a> u.a. mit der Autorin Annette Gr\u00f6schner und dem Verleger Christoph Links auf dem Podium dar\u00fcber sprach, wie es sich mit der Ostliteratur verh\u00e4lt, ob man sie heute \u00fcberhaupt noch unterscheiden k\u00f6nne von Literatur aus dem Westen, ob es diese Kategorien noch gebe, und vieles mehr rund um die DDR, das Schicksal der Ost-Verlage nach der Wende etc. Ein tolles und anregendes Gespr\u00e4ch war das, nebenbei bemerkt (so was erhoffe ich mir von Bachmann dieses Jahr auch). Dabei kam irgendwann die Rede dar\u00fcber auf, ob es eine S\u00e4ttigung gebe, was das Erz\u00e4hlen \u00fcber die DDR betreffe. Es stand so im Raum, dass die Menschen dar\u00fcber nicht mehr lesen wollen, und die Autoren quasi gegen den Trend dennoch dar\u00fcber schreiben. Ich wei\u00df nicht, woher diese Vermutung kommt, jedenfalls verstehe ich sie nicht. Ich glaube eher, dass das Gegenteil der Fall ist. Man will das lesen, auf jeden Fall, und ich glaube auch, dass da noch Einiges kommen wird.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend ich auf <a href=\"http:\/\/sopranisse.de\/\">Frau Soprans<\/a> P\u00e4ckchen mit mehr B\u00fcchern von Bachmann-Anw\u00e4rtern warte, bin ich dem Bewerb kurzfristig untreu geworden und lese Non-Bachmman: Christoph Schlingensiefs &#8222;So sch\u00f6n wie hier kanns im Himmel gar nicht sein! Tagebuch einer Krebserkrankung.&#8220; (In den Neunzigern gingen wir immer zu seinen Talkshows &#8222;<a href=\"http:\/\/www.schlingensief.com\/projekt.php?id=tv003\">Talk 2000<\/a>&#8222;, f\u00e4llt mir da gerade wieder ein, daran habe ich schon ewig nicht gedacht.) Ich mag Christoph Schlingensief, und bisher mag ich sein Buch auch, sogar ziemlich sehr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Bildungsprivileg von Preisend\u00f6rfer habe ich gleich noch eins seiner B\u00fccher gelesen, allerdings ein belletristisches: den unter dem Pseudonym Bruno Richard ver\u00f6ffentlichten Thriller &#8222;Desaster.&#8220; (In der Stadtbibliothek Mitte gibt es nur diese beiden Preisend\u00f6rfer-B\u00fccher und &#8222;Der Kaiser vom Knochenberg&#8220; von Karsten Krampitz, also habe ich mir die drei ausgeliehen.) &#8222;Desaster&#8220; ist, im Gegensatz zum [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[32],"class_list":["post-1027","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-tddl"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1027"}],"collection":[{"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1027"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1027\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1027"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1027"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1027"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}