{"id":1364,"date":"2009-11-03T13:06:07","date_gmt":"2009-11-03T11:06:07","guid":{"rendered":"http:\/\/gedankentraeger.de\/?p=1364"},"modified":"2013-01-16T14:20:04","modified_gmt":"2013-01-16T12:20:04","slug":"france-la-belle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gedankentraeger.de\/?p=1364","title":{"rendered":"france, la belle."},"content":{"rendered":"<p>Zur\u00fcck aus Frankreich: eine Woche traumhafte Normandie und eine Woche schnuckeliges Elsass. Zwei ganz unterschiedliche Gesichter des Landes, und beide so ganz anders als der S\u00fcden, in den ich sonst meistens gereist bin. Hervorzuheben: das Gl\u00fcck mit dem Wetter. Vorher alle so: &#8222;In die Normandie im Herbst? Ob das so eine gute Idee ist?&#8220; Judge for yourself: <a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/gedankentraeger\/sets\/72157622719003768\/show\/\">Fotos aus der Normandie<\/a>.<\/p>\n<p>Als ich 1992 mehrere Monate in Frankreich war, und dann wieder l\u00e4ngere Zeit 1994, wurde viel \u00fcber die Immigration gesprochen, \u00fcber Burkas und den Islam, \u00fcber die franz\u00f6sische Identit\u00e4t. 2009 im franz\u00f6sischen Fernsehen immer noch die gleichen Diskussionen, \u00fcber die franz\u00f6sische Identit\u00e4t, den zunehmenden Islam, \u00fcber den verlorenen Nationalstolz. 17 Jahre, ge\u00e4ndert haben sich nur die Protagonisten in den Diskussionsrunden. Ein Mann bem\u00e4ngelte, dass alle L\u00e4nder stolz auf ihre Nationalit\u00e4t seien, nur die Franzosen h\u00e4tten da einen Komplex: ein Franzose sage heute nicht mehr, dass er stolz darauf sei, Franzose zu sein. Viele Franzosen bemerkten ihre Identit\u00e4t erst, wenn sie l\u00e4ngere Zeit im Ausland lebten. Viele wollten die Marseillaise nicht mehr singen. In der Talkrunde h\u00e4tte man jedes &#8222;fran\u00e7ais&#8220; durch ein &#8222;allemand&#8220; ersetzen k\u00f6nnen und dann h\u00e4tte es auch ins deutsche Fernsehen gepasst.<\/p>\n<p>Ein weiteres Thema: die Rechtschreibung. In der Zeitung ein gro\u00dfer, ganzseitiger Artikel: <a href=\"http:\/\/www.dna.fr\/local\/region\/20091010_DNA007851.html\">&#8222;Que reste-t-il de l&#8217;orthographe?&#8220; <\/a>Das Internet-Bashing hat in Frankreich im \u00dcbrigen genauso Konjunktur wie in Deutschland. An der zunehmenden Verwahrlosung der Rechtschreibkompetenzen ist n\u00e4mlich auch das Internet Schuld. 1992 gab es auch diese Diskussion zwar ebenfalls schon, aber man konnte noch keinen Schuldigen ausmachen. Das Internet eignet sich seither ja aber als universalschuldig.<\/p>\n<p>Im Ferienhaus gab es im B\u00fccherschrank nicht viel Interessantes, ich entschied mich f\u00fcr Balzacs &#8222;La peau de chagrin.&#8220; Tja, die t\u00f6dlichen W\u00fcnsche. Ein erstaunlich gutes Buch. (Erstaunlich f\u00fcr mich, weil ich bisher jetzt nicht gerade die gro\u00dfe Balzac-Fanin war.)<\/p>\n<p>In der Normandie wohnten wir an der Westk\u00fcste der Cotentin-Halbinsel, zwischen Flamanville und La Hague: s\u00fcdlich von uns also das Atomkraftwerk von Flamanville und n\u00f6rdlich die Wiederaufbereitungsanlange der Castor-Transporte. Bemerkenswert, wie wenig sich die Franzosen daran st\u00f6ren, im Gegenteil, sie finden es gut, dass die Anlagen Arbeitspl\u00e4tze in die strukturschwache Region bringen. (Und auf dem Grabstein steht geschrieben: &#8222;Er war bis an sein Lebensende vollzeitbesch\u00e4ftigt.&#8220;)<\/p>\n<p>Highlight der Reise war der Besuch der Alliiertenlandungspl\u00e4tze des D-Day. Man hat dar\u00fcber gelesen, man kennt die Szenen aus &#8222;Saving Private Ryan&#8220;, aber da zu stehen, und das alles selbst zu sehen, das ist dann eben doch etwas anderes. Was das f\u00fcr ein absolut unfassbarer Wahnsinn war. Wenn man die Bunker und Festungsanlagen sieht, kann man sich nicht vorstellen, wie man da vom Wasser aus auf dem Pr\u00e4sentierteller drauf zukommen kann. Die Klippen von Pointe du Hoc, wo die Bombenkrater und Festungswerke noch erhalten sind, Ste-M\u00e8re-Eglise, wo der Fallschirmspringer an der Kirche festhing und sich acht Stunden lang tot stellte, bis die Alliierten Einheiten ankamen. Utah Beach, Omaha Beach, der Kontrast auch zwischen der grausamen Geschichte und der heutigen Sch\u00f6nheit dieser ausgedehnten, sattgelben Sandstr\u00e4nde. Die furchtbaren Friedh\u00f6fe \u00fcberall, zehntausende Gr\u00e4ber von einem Ort zum n\u00e4chsten, und \u00fcberall Denkm\u00e4ler, Museen, Erkl\u00e4rungen. Der ganze K\u00fcstenstrich ist ein einziges, riesiges Mahnmal gegen den Krieg <a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/gedankentraeger\/sets\/72157622719110106\/show\/\">(siehe Fotos). <\/a><\/p>\n<p>An einem Freitag Abend im ersten Programm TF1 kam eine sehr lange Sendung \u00fcber Autismus. In der Reihe &#8222;C&#8217;est quoi, l&#8217;amour?&#8220; wurden mehrere Familien mit autistischen Angeh\u00f6rigen portr\u00e4tiert: <a href=\"http:\/\/www.tf1.fr\/c-quoi-l-amour\/\">&#8222;Enfants et adultes autistes \u2013 quelle vie pour les proches?&#8220;<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur\u00fcck aus Frankreich: eine Woche traumhafte Normandie und eine Woche schnuckeliges Elsass. Zwei ganz unterschiedliche Gesichter des Landes, und beide so ganz anders als der S\u00fcden, in den ich sonst meistens gereist bin. Hervorzuheben: das Gl\u00fcck mit dem Wetter. Vorher alle so: &#8222;In die Normandie im Herbst? 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