{"id":3214,"date":"2013-01-29T13:24:58","date_gmt":"2013-01-29T11:24:58","guid":{"rendered":"http:\/\/gedankentraeger.de\/?p=3214"},"modified":"2013-02-17T19:39:44","modified_gmt":"2013-02-17T17:39:44","slug":"blog-hop","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gedankentraeger.de\/?p=3214","title":{"rendered":"blog hop."},"content":{"rendered":"<p>Oh, <a href=\"http:\/\/isabelbogdan.de\/2013\/01\/28\/the-next-big-thing-blog-hop\/\">ein St\u00f6ckchen<\/a>. Dass es das noch gibt.<\/p>\n<p><strong>Was ist der Arbeitstitel Ihres Buchs?<\/strong><\/p>\n<p>Der Arbeitstitel war &#8222;Das Zeitalter des Autismus.&#8220; So hei\u00dfen noch ganz viele meiner Dateien, die sich mit den theoretischen Aspekten befassen. Das Ganze hat sich mittlerweile aber anders entwickelt. Der Titel wird nun sein: &#8222;Morgen kann warten. Unterwegs mit unserem autistischen Kind.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Woher kam die Idee f\u00fcr das Buch?<\/strong><\/p>\n<p>Autismus ist in den letzten zehn Jahren oft Thema, zumindest in den USA, und auch die Metapher wird viel benutzt, vielleicht weil das, was wir \u00fcblicherweise mit dem Syndrom verbinden, irgendwie in unsere Zeit passt. Es gab dazu viele interessante Artikel, zum Beispiel von Steve Silberman in <em>Wired<\/em>, dass es im Silicon Valley immer mehr Autisten g\u00e4be, um nur ein Beispiel zu nennen. Es ging, zugespitzt, um die Frage, ob unsere globalisierten, kapitalistischen und technisch gepr\u00e4gten Lebens- und Arbeitsbedingungen uns irgendwie zu Autisten machen. (Leben wir in einer autistischen Gesellschaft? Antwort: Eher nein.) Letztlich wird Autismus als Metapher benutzt. Ein Agent hat sich daf\u00fcr interessiert, wir haben am Expos\u00e9 gearbeitet, aber die Einsch\u00e4tzung der befragten Lektoren war, dass das vielleicht ein l\u00e4ngerer Zeitungsartikel sein k\u00f6nnte, kein ganzes Buch.<\/p>\n<p>Da ich Autismus von ganz unterschiedlichen Warten recherchiert hatte, h\u00e4tte ich gerne so ein Buch mit verschiedenen Kapiteln gemacht, in denen eines das oben beschriebene ist, ein anderes zum Beispiel die autistische Emanzipationsbewegung neurologischer Vielfalt \u2013 neurodiversity. Da war dann aber die Meinung, dass das so speziell sei, dass es nur Leute interessiere, die mit Autismus eh zu tun haben, also: zu kleines Publikum. (Mittlerweile habe ich gelesen, dass Steve Silberman gerade genau so ein Buch schreibt, es soll irgendwann 2013 rauskommen.)<\/p>\n<p><strong>Unter welches Genre f\u00e4llt Ihr Buch?<\/strong><\/p>\n<p>Sachbuch, aber mittlerweile mehr so ein erz\u00e4hlendes Sachbuch.<\/p>\n<p><strong>Wie lautet die Einsatzzusammenfassung Ihres Buches?<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Morgen kann warten&#8220; ist eine Geschichte \u00fcber Autismus und \u00fcber das Leben mit einem schwer autistischen Kind.<\/p>\n<p>Vielleicht noch ein zweiter Satz dar\u00fcber, was es nicht ist: &#8222;Morgen kann warten&#8220; ist keine Geschichte \u00fcber Heilung und keine klassische Schicksalserz\u00e4hlung.<\/p>\n<p><strong>Werden Sie Ihr Buch selbst verlegen oder wird es vertreten durch einen Agenten?<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe einen Agenten gefunden, der das Projekt vertritt. Allerdings haben wir keinen Verlag gefunden.<\/p>\n<p>Als wir nicht weiterkamen, habe ich letztes Fr\u00fchjahr das Buch auf Englisch im Selbstverlag geplant, \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.kickstarter.com\/projects\/1180518949\/tomorrow-can-wait\">Kickstarter<\/a>. Nun werde ich es wohl, wenn das Buch auf Englisch fertig ist, zur\u00fcck\u00fcbersetzen ins Deutsche und dann auch auf Deutsch selbst ver\u00f6ffentlichen. Ich habe gemerkt, dass ich etwas machen m\u00f6chte, das anscheinend nicht viele Leute interessiert. Da kann man nichts machen. Mich interessiert es, und deshalb mache ich das nun alleine, beziehungsweise mit Scott, der meinen englischen Text lektoriert, und mit Hilfe der tollen Kickstarter-Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p>Der Agent und ich konnten eben leider keinen Verlag davon \u00fcberzeugen. Oft hie\u00df es, ich sei keine ausgewiesene Expertin, &#8222;nur Mutter.&#8220; Es lief fast immer darauf hinaus, dass ein Verlag von einer Mutter ein emotionales R\u00fchrst\u00fcck erwartet. Letzter Stand war das Expos\u00e9 mit den Reisen als roter Faden, der Agent hatte es im Herbst mit auf die Buchmesse genommen.<\/p>\n<p>Eine Lektorin schrieb daraufhin, das Expos\u00e9 sei sehr selbstbewusst formuliert, das sei dem Thema nicht angemessen. Als ich das las, sa\u00df ich erstmal eine bis zwei Minuten sprachlos vor dem Bildschirm. Leserinnen, die sich f\u00fcr Schicksalsb\u00fccher interessierten, erwarteten eine andere Position. Mit anderen Worten: dass sich die Mutter ihrer Situation angemessen als Opfer pr\u00e4sentiert, oder wie habe ich das zu verstehen?<\/p>\n<p>Ganz viele wollten den Text viel emotionaler haben, da waren wir wieder beim R\u00fchrst\u00fcck. Aber nur um Klischees zu bedienen, muss ich mich nicht f\u00fcnf Jahre lang hinsetzen und ein Buch recherchieren und schreiben. Ein Lektor meinte, das sei ja alles ganz interessant, aber wohl doch eher Blogniveau. Da kam dann ein bisschen der alte D\u00fcnkel auf. Ein Lektor schrieb, er f\u00e4nde das Thema Autismus normalerweise spannend, aber hier k\u00e4me diese Faszination nicht r\u00fcber.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich werden in den Medien oft und vorzugsweise die faszinierenden Aspekte von Autismus pr\u00e4sentiert: Daniel Tammet oder Stephen Wiltshire oder Gilles Tr\u00e9hin oder George Widener. Aber es sind eben nur 10% der Autisten, die \u00fcberhaupt eine besondere Begabung haben. Es geht mir ja gerade darum, mal nicht von dieser Faszination aus zu schreiben. Aber das wird dann nicht als interessant empfunden.<\/p>\n<p>Eine Lektorin meinte, da sei so vieles ganz \u00e4hnlich wie mit einem normalen Kind, das sei ja gar nicht so besonders. Auch da las ich die E-Mail und dachte: &#8222;Ja, genau, es ist ja auch vieles wie mit einem nicht behinderten Kind. Das Leben mit einem schwerbehinderten Kind hat viele Anteile, die jeder kennt, der Kinder hat.&#8220; Es kommt also schon viel Intendiertes bei den Lektoren an, aber es wird dann jeweils als nicht interessant genug befunden.<\/p>\n<p>Ein Lektor meinte, die Kombination aus Reisen und Autismus sei zu speziell. Das ist gerade der Punkt: dass die Kombination nicht unbedingt naheliegt. Ein kleiner Teil des angestrebten Perspektivwechsels.<\/p>\n<p>Ich bescheinige mir selbst abschlie\u00dfend eine recht gro\u00dfe Leidensf\u00e4higkeit bei der Suche nach einem Verlag, aber nach der Buchmesse im letzten Herbst habe ich dann aufgegeben. Wir hatten extra noch direkt vor der Buchmesse einen <a href=\"http:\/\/m.morgenpost.de\/printarchiv\/biz\/article109670180\/Morgen-kann-warten.html\">Zeitungsartikel mit C\u00e9line Lauer <\/a>gemacht, aber selbst das hat nichts gebracht. Der Artikel sei ja sehr sch\u00f6n, hie\u00df es, aber damit sei dann ja auch schon alles gesagt, wozu nach dem Artikel noch ein Buch?<\/p>\n<p>Einerseits fand ich es sehr gut, dass ich so viel inhaltliches Feedback bekommen habe und keine 08\/15 Absagen, andererseits hat es mir am Ende wenig gebracht, weil vieles ja schon richtig erkannt wurde, aber eben Absicht war, oder ein inh\u00e4rentes Problem (wie, dass John zu blass blieb \u2013 das habe ich mittlerweile schon besser in den Griff bekommen). Ich h\u00e4tte jemanden gebraucht, der das Vertrauen hat, dass das schon eine gute Sache ist, und der oder die das dann einfach mal macht. Leider hat es nicht sollen sein.<\/p>\n<p><strong>Wie lange haben Sie gebraucht, um den ersten Entwurf Ihres Manuskripts zu schreiben?<\/strong><\/p>\n<p>Angefangen habe ich mit der Idee 2007, dann habe ich aber zwei Jahre lang fast nur gelesen. Das Projekt hat sich in diesen Jahren immer wieder etwas ver\u00e4ndert. Im Moment schreibe ich am zweitletzten Kapitel. Ich wei\u00df nicht, ob wir den Text noch im Februar druckreif bekommen, realistisch gesehen eher nicht. Bei Kickstarter hatte ich Februar 2013 als Fertigstellung angegeben, das war sehr optimistisch kalkuliert. John war zweimal krank, Weihnachtsferien, jetzt die Winterferien n\u00e4chste Woche: ich h\u00e4tte da mehr Zeit einkalkulieren m\u00fcssen. N\u00e4chstes Mal w\u00fcsste ich es besser.<\/p>\n<p>Selbst wenn bald alle Kapitel fertig sind, haben Scott und ich noch viel Arbeit. Zum Beispiel ist es noch nicht immer \u00fcberall klar, wie alt John gerade ist, der ganze Zeitverlauf muss verst\u00e4ndlicher werden. Auch Johns Entwicklung \u2013 wann spricht er, wann spricht er wieder nicht \u2013 das sind so Sachen, die deutlicher werden m\u00fcssen. Ich habe eine Liste von Koh\u00e4renzaspekten gemacht, die ich abarbeiten muss, wenn der Text an sich steht. Der Text muss dann ja auch noch von au\u00dfen Korrektur gelesen werden, dazu habe ich schon eine muttersprachliche Freiberuflerin gefunden. F\u00fcr das Cover bin ich noch auf der Suche nach einer Grafikerin, aber vielleicht machen wir das auch selbst mit <em>InDesign<\/em>. Je l\u00e4nger wir zum Schreiben brauchen, umso weniger Geld bleibt daf\u00fcr, andere zu bezahlen. Ich muss noch die Endnoten und die Bibliographie ausformulieren, im Moment steht da zum Beispiel sowas wie &#8222;Autism Matrix 53&#8220; in den Anmerkungen, haha. Auch wenn es kein wissenschaftliches Buch ist, soll es nicht zu guttenbergisch werden. Ich h\u00e4tte gerne einen Index, aber daf\u00fcr bleibt dann wohl wirklich keine Zeit mehr. Von April bis Oktober bin ich beruflich ausgebucht, es muss also vor April fertig werden. M\u00e4rz sollte zu schaffen sein. Ich hoffe, dass die Kickstarter Backer nicht allzu b\u00f6se sein werden, wenn es sich um einen Monat versp\u00e4tet.<\/p>\n<p><strong>Welche anderen B\u00fccher w\u00fcrden Sie mit Ihrem Genre vergleichen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich kann nur sagen, dass mir Sachb\u00fccher gefallen, in denen Menschen mit einer pers\u00f6nlichen Stimme \u00fcber etwas Schwieriges erz\u00e4hlen, das sie erlebt haben, ohne dass es dabei larmoyant wird. Mir fallen da ein: Siri Hustvedt mit <em>Die zitternde Frau<\/em>, Tim Parks mit <em>Die Kunst stillzusitzen<\/em>, und nat\u00fcrlich Joan Didion mit dem <em>Jahr magischen Denkens<\/em> und den<em> Blauen Stunden<\/em>. Nicht, dass ich sowas hinkriegen w\u00fcrde, aber das sind f\u00fcr mich wichtige B\u00fccher gewesen, die sagen: Man kann und darf seine eigene Situation ernst nehmen, und man kann dar\u00fcber reflektieren, ohne dass es r\u00fchrselig wird. Das hei\u00dft nicht, dass es nicht auch emotional w\u00e4re. Ich glaube, das ist ein gro\u00dfes Missverst\u00e4ndnis. Es soll blo\u00df keine billige Gef\u00fchlsduselei sein, und nicht so eindimensional.<\/p>\n<p><strong>Was sonst \u00fcber Ihr Buch k\u00f6nnte das Interesse des Lesers wecken?<\/strong><\/p>\n<p>Keine Ahnung, ich bin im Moment von der Verlagssuche-Erfahrung zu demotiviert, um \u00fcberhaupt dar\u00fcber nachzudenken. Ein Mann hat mich mal gefragt: &#8222;Warum soll das eigentlich irgendjemanden interessieren, wo Sie mit Ihrem Mann und Kind in Urlaub hinfahren, oder wie Ihr Leben ist?&#8220;<\/p>\n<p>Es ist klar, dass sich daf\u00fcr nicht jeder interessiert. Mich zum Beispiel aber interessiert, wo andere Leute in Urlaub hinfahren, wenn sie dar\u00fcber etwas zu sagen haben, und mich interessiert auch, wie ihr Leben ist. Deshalb lese ich gerne Weblogs, oder B\u00fccher wie die genannten. Das ist Kommunikation, da sind Menschen, die von sich erz\u00e4hlen und damit erst die M\u00f6glichkeit geben, dass man sie versteht. In diesem Fall: wie soll die Gesellschaft verstehen, wie vielf\u00e4ltig Autismus ist, wenn es dar\u00fcber nur immer die gleichen drei Narrationen gibt (Heilung, Verzweiflung, Savants)?<\/p>\n<p>Das geht alles aufs Webloggen zur\u00fcck: dass da mal Leute waren, die an einem ehrlichen Austausch interessiert waren. Vielleicht hatte der D\u00fcnkellektor am Ende sogar Recht und das ist Blogniveau. Das w\u00e4re dann nur nicht so absch\u00e4tzig konnotiert, wie er es schrieb, sondern im Gegenteil.<\/p>\n<p><strong>M\u00f6chten Sie andere Autoren f\u00fcr das Interview nominieren?<\/strong><\/p>\n<p>Alle, die ich kenne, haben den Fragebogen schon, glaube ich. Aber ich w\u00fcnsche mir, wie Isa, ein Buch von <a href=\"http:\/\/hotelmama.it\/\">Hotel Mama<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oh, ein St\u00f6ckchen. Dass es das noch gibt. Was ist der Arbeitstitel Ihres Buchs? 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