{"id":3543,"date":"2013-10-15T16:56:04","date_gmt":"2013-10-15T15:56:04","guid":{"rendered":"http:\/\/gedankentraeger.de\/?p=3543"},"modified":"2017-04-13T10:46:54","modified_gmt":"2017-04-13T09:46:54","slug":"the-east-african-travelogue-erster-teil-ankunft-in-arusha","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gedankentraeger.de\/?p=3543","title":{"rendered":"the east african travelogue [erster teil: ankunft in arusha]."},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><em>&#8222;There are no foreign lands. It is the traveler only who is foreign.&#8220;<\/em><br \/>(Robert Lewis Stevenson)<\/p>\n<p>Die ganze Zeit m\u00f6chte ich meinen Reisebericht \u00fcber Afrika schreiben und schaffe es zuerst tage- und dann wochenlang nicht. Weil so viel passiert ist? Ich wei\u00df gar nicht, wo ich anfangen soll, das stimmt. Oder weil es so schwer zu beschreiben ist? Alles, was ich sagen m\u00f6chte, driftet schon im Denken so leicht in zu viel Pathos ab und mir ist nat\u00fcrlich klar, dass dieses Pathos an der afrikanischen Realit\u00e4t vorbeigeht. Afrika, das ist nicht die romantisierte Welt von <em>Jenseits von Afrika<\/em>.<br \/>[&#8222;I had a farm in Africa, at the foot of the Ngong Hills.&#8220; Ich h\u00f6re prompt Meryl Streeps Stimme.]<br \/>Heute zieht selbst ein traditionell gekleideter Maasai auch schonmal pl\u00f6tzlich ein Handy aus seiner roten Shouka. Aber vielleicht beginne ich doch lieber am Anfang.<\/p>\n<p>Flug \u00fcber Istanbul nach Arusha, Ankunft Ortszeit 3:20 Uhr in der Nacht. Mit mir steigen nur eine Handvoll Leute aus, der Rest fliegt weiter nach Mombasa. Das Visum f\u00fcr Tansania hatte ich mir nicht mehr vorher in Berlin besorgt und kaufe es problemlos bei der Ankunft \u2013 es kostet vor Ort sogar nur $50 anstatt in Deutschland \u20ac75. Mein Gep\u00e4ck kommt nicht an, der Lost &amp; Found Schalter ist zur Nacht nicht besetzt. Ich darf die Ankunftshalle nicht verlassen und danach wieder reinkommen, kann also dem auf mich wartenden Fahrer drau\u00dfen nicht Bescheid sagen. Ich hoffe, dass er nicht wegf\u00e4hrt und suche jemanden, der die Meldung zum vermissten Gep\u00e4ck aufnimmt. Mit ziemlicher Versp\u00e4tung komme ich dann nach drau\u00dfen, mein Fahrer wartet noch, und sogar noch jemand vom B\u00fcro des Ground Operators, mit dem wir in Tansania zusammenarbeiten. Zwei Leute schlagen sich die Nacht um die Ohren, um mich abzuholen. Ich habe ein schlechtes Gewissen, aber man kann sich hier nicht einfach ein Taxi zum Hotel nehmen.<\/p>\n<p>Wir fahren etwa eine Stunde nach Arusha. Sie haben mich in einem der Gel\u00e4ndewagen Marke Land Cruiser abgeholt, mit denen wir die Safari machen werden. Das Fenster l\u00e4sst sich leicht zur Seite schieben. Drau\u00dfen ist es dunkel, ich erahne nur die Natur, aber die Luft ist wunderbar, ganz mild. Wir fahren durch vereinzelte Townships, in denen Menschen in der Dunkelheit zwischen Wellblechh\u00fctten herumlaufen. Langsam geht die Sonne auf, w\u00e4hrend wir Arusha erreichen. Den Vorschlag, unser f\u00fcr 10 Uhr geplantes Meeting auf den n\u00e4chsten Morgen zu verschieben, nehme ich dankbar an und lege mich um sechs Uhr morgens ins Bett. Unter einem Moskitonetz zu schlafen ist gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftiger, als ich es mir vorgestellt hatte. Ich habe noch nie Platzangst gehabt, aber unter dem Netz das erste Mal eine Ahnung, wie sich das anf\u00fchlt.<\/p>\n<p>Als wei\u00dfe Frau in Arusha alleine spazieren zu gehen, erweist sich als nahezu unm\u00f6glich. Bei jedem Schritt werde ich angesprochen, ob ich Schuhe kaufen m\u00f6chte, eine Rundfahrt mit dem Motorrad machen oder eine Safari buchen. Im Buchladen, der im Schaufenster &#8222;Books in English&#8220; bewirbt, sind ausnahmslos alle B\u00fccher auf Englisch Ratgeber, wie man gesch\u00e4ftlichen Erfolg erzielt und reich wird. <em>How to become a millionaire<\/em>. Ich gehe ins Africaf\u00e9 und \u2013 kolonialistisches Erbe? \u2013 sehe in der Auslage als Erstes eine Schwarzw\u00e4lder Kirschtorte (die ich nicht esse).<\/p>\n<p>[Trivia: Das Kisuaheliwort f\u00fcr Geld, <em>hela<\/em>, kommt vom deutschen Heller. Ein Angeh\u00f6riger der High-Society hei\u00dft <em>wabenzi<\/em>, abgeleitet von Mercedes-Benz-Fahrer.]<\/p>\n<p>Im Hotel elende Versuche, mit dem Lost &amp; Found am Flughafen zu telefonieren und etwas \u00fcber mein Gep\u00e4ck herauszufinden. Jemand vom Hotel bringt mir netterweise einen Beutel mit Deo, Zahnb\u00fcrste, Zahnpasta, Shampoo und einem gr\u00fcnen T-Shirt mit der Aufschrift <em>Jambo Tanzania<\/em>. Da die Klimaanlage nicht funktioniert, oder ich sie zumindest nicht ans Laufen bringen kann, \u00f6ffne ich das Fenster. Ich bin beeindruckt von den Bananenb\u00e4umen, die fast ins Zimmer ragen und merke erst sp\u00e4t, dass sie Heimat recht gro\u00dfer, merkw\u00fcrdig aussehender Insekten (einer Grillenart?) sind, die ich mit dem \u00d6ffnen des Fensters in mein Zimmer einlade. Argh, bestimmt ein totaler Anf\u00e4ngerfehler. Dann also erstmal Insektenjagd.<\/p>\n<p><a title=\"B\u00e4ume vorm Fenster\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/44263469@N07\/10292124246\/\" rel=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"B\u00e4ume vorm Fenster\" src=\"http:\/\/farm3.staticflickr.com\/2859\/10292124246_a67273bc1c_n.jpg\" alt=\"B\u00e4ume vorm Fenster\" width=\"240\" height=\"320\" \/><\/a><\/p>\n<p>Obwohl ich am ersten Tag noch fast gar nichts wirklich gemacht habe, bin ich ersch\u00f6pft. Das blo\u00dfe Sein wird anstrengend, wenn alles ungewohnt ist. Ich kann gar nicht anders, als in jeder Sekunde alles wahrzunehmen, weil eben alles anders ist. Alleine wenn ich nur von meinem Zimmer zum Restaurant durch den Garten laufe, ist das kein schn\u00f6des Laufen von A nach B, weil die unbekannten, erstaunlich starken D\u00fcfte der bl\u00fchenden Pflanzen in der Luft h\u00e4ngen. Im Restaurant schl\u00e4gt die K\u00f6chin ein Ei f\u00fcr ein Omelett auf und das Eidotter sieht ganz hellgelb aus, fast wei\u00df. Alles riecht anders, alles sieht anders aus, bis hin zum Eigelb, ohne Schei\u00df. Das ist ebenso faszinierend wie ersch\u00f6pfend.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Meeting werde ich am n\u00e4chsten Morgen schon wieder gleich von zwei Leuten abgeholt. Die Reisegruppe kommt am Abend an und bis dahin haben wir alles tiptop vorbereitet. Auf dem Weg zum Flughafen nehmen mich meine neuen afrikanischen Kollegen, die sich schnell als sehr sympathisch und nett herausgestellt haben, mit in ein kleines Caf\u00e9, weil wir viel zu fr\u00fch dran sind. Das Caf\u00e9 besteht aus einer bunt angemalten H\u00fctte und ein paar roten Plastikst\u00fchlen und -tischen, die drau\u00dfen in den Sand gestellt wurden. Im Gegensatz zum Africaf\u00e9 in der Innenstadt, in dem nur Touristen gewesen waren, bin ich hier die einzige Wei\u00dfe. Es gibt traditionelles Essen, <em>ugali<\/em> (eine Art Polenta) und afrikanischen Eintopf. Als ich zum Bezahlen reingehe, bin ich ehrlich gesagt froh, dass ich die K\u00fcche nicht vor dem Essen gesehen habe.<\/p>\n<p>Einer meiner Reisenden wird im Rollstuhl aus dem Flughafengeb\u00e4ude gefahren. Er hat eine Halbseitenl\u00e4hmung, wie ich sp\u00e4ter erfahre von einem Absturz in einer Cessna. Einen eigenen Rollstuhl hat er nicht mitgebracht, weil er am Stock langsam selbst laufen kann. In den Lodges sind die einzelnen H\u00fctten aber teils recht weit voneinander entfernt und das Gel\u00e4nde ist uneben und hat Gef\u00e4lle, sagt mein afrikanischer Kollege. Er ruft gleich unsere Lodges an, die zum Gl\u00fcck alle einen Rollstuhl haben.<\/p>\n<p>Mein Gep\u00e4ck wurde gefunden und soll in der Nacht mit dem n\u00e4chsten Flugzeug aus Istanbul ankommen. Nach drei Tagen ist es da, was f\u00fcr eine Erleichterung, gerade rechtzeitig f\u00fcr unsere Abreise aus Arusha in Richtung Ngorongoro-Krater. Wir fahren zum ersten Mal in unserem Konvoi von sechs Land Cruisern: meine Gruppe hat 26 Personen, jeweils sechs passen in ein Auto und der Safari Manager und ich wechseln zwischen den Autos.<\/p>\n<p><a title=\"Konvoi\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/44263469@N07\/10293432943\/\" rel=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Konvoi\" src=\"http:\/\/farm4.staticflickr.com\/3708\/10293432943_190ec78017_n.jpg\" alt=\"Konvoi\" width=\"320\" height=\"240\" \/><\/a><\/p>\n<p>Auf dem Weg aus der Stadt heraus sehe ich eine Wellblechh\u00fctte, die kaum gr\u00f6\u00dfer ist als ein Dixie-Klo, ein Loch aus dem Blech geschnitten als T\u00fcr, und ein kleineres als Fenster, und in bunten Farben steht mit dem Pinsel draufgemalt: &#8222;Hair Cut Saloon.&#8220;<\/p>\n<p>Weitere Stra\u00dfenimpressionen von unterwegs im Bild (unterschiedliche Orte und Transfers):<\/p>\n<p><a title=\"Ole's Hotel\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/44263469@N07\/10291967524\/\" rel=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Ole's Hotel\" src=\"http:\/\/farm4.staticflickr.com\/3833\/10291967524_3d1bb49495_n.jpg\" alt=\"Ole's Hotel\" width=\"320\" height=\"208\" \/><\/a><\/p>\n<p><a title=\"Stra\u00dfenszene\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/44263469@N07\/10292118675\/\" rel=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Stra\u00dfenszene\" src=\"http:\/\/farm8.staticflickr.com\/7458\/10292118675_080f3f75d1_n.jpg\" alt=\"Stra\u00dfenszene\" width=\"320\" height=\"240\" \/><\/a><\/p>\n<p><a title=\"Stra\u00dfenszene\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/44263469@N07\/10291978814\/\" rel=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Stra\u00dfenszene\" src=\"http:\/\/farm8.staticflickr.com\/7450\/10291978814_bb360c28f5_n.jpg\" alt=\"Stra\u00dfenszene\" width=\"320\" height=\"168\" \/><\/a><\/p>\n<p><a title=\"Wasserstelle\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/44263469@N07\/10292102855\/\" rel=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Wasserstelle\" src=\"http:\/\/farm4.staticflickr.com\/3764\/10292102855_94bb84d812_n.jpg\" alt=\"Wasserstelle\" width=\"320\" height=\"202\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;There are no foreign lands. 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