{"id":4053,"date":"2014-06-16T11:00:00","date_gmt":"2014-06-16T10:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/gedankentraeger.de\/?p=4053"},"modified":"2014-06-16T11:53:45","modified_gmt":"2014-06-16T10:53:45","slug":"tddl-2014-die-videoportraets","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gedankentraeger.de\/?p=4053","title":{"rendered":"tddl 2014 [die videoportr\u00e4ts]."},"content":{"rendered":"<p><strong>Michael Fehr<\/strong><\/p>\n<p>Das Wunder der F\u00e4higkeit zur Artikulation. Und daraus Motivation, Motivierung, Motiv. Und daraus Repetition, Variation. Und daraus eine existenzielle Geschichte mit einer gewissen Musikalit\u00e4t.<\/p>\n<p><strong>Olga Flor<\/strong><\/p>\n<p>Mag seltsame R\u00e4ume, Durchgangsorte, Speicherorte \u2013 R\u00e4ume, die man eigentlich nicht betritt, um sich darin aufzuhalten. Schreiben: Ins Leere hineingreifen und was rausholen. Ort der Aufnahme ist das Depot der zoologischen Sammlung: Vorstellung der Welterfassung in Form von Konservierung toter K\u00f6rper. Schild: Quetschgefahr durch Fahrregale. Man begibt sich auf die Schliche von psychischen Ph\u00e4nomenen.<\/p>\n<p><strong>Romana Ganzoni<\/strong><\/p>\n<p>Die Autorin kauft im Coop ein.<\/p>\n<p><strong>Katharina Gericke<\/strong><\/p>\n<p>Ort: Berlin-Moabit. JVA und Kriminalgericht als trostlose Institutionen. Was mal an Kultur da war \u2013 ein Kino \u2013 existiert nicht mehr. Eine glamourfreie Zone. Moabit als das Neuk\u00f6lln des Zentrums, zwischen Wedding und Charlottenburg. (Die Autorin m\u00f6chte dort im Herbst ein Kulturzentrum er\u00f6ffnen.)<br \/>\nDer Mauerfall als gro\u00dfer Theatervorgang. Kurzgeschichten als Urlaub von der Dramatik.<\/p>\n<p><strong>Anne-Kathrin Heier<\/strong><\/p>\n<p>Fahrt in einem alten Auto durch die Nacht, Wunderbaum am R\u00fcckspiegel. Es werden leuchtende Platten eingesammelt, unterlegt mit sch\u00f6ner Musik. B\u00fccher, ein Buchumschlag (John Cage), Notizhefte, Stifte, ein gerahmtes Foto. Das Licht der Platten erlischt.<\/p>\n<p><strong>Gertraud Klemm<\/strong><\/p>\n<p>Das Politische im Privaten: &#8222;Ich glaube, wenn ich mit allem zufrieden w\u00e4re, wenn ich dieses gro\u00dfe Einverst\u00e4ndnis mit der Welt h\u00e4tte, w\u00fcrde ich wahrscheinlich nicht schreiben.&#8220; Schreiben als eine der wenigen Aktionen, die man der Unzufriedenheit entgegensetzen kann.<\/p>\n<p><strong>Karen K\u00f6hler<\/strong><\/p>\n<p>Wir sind in die Welt und in ein Leben hineingeboren, ohne unser Einverst\u00e4ndnis. Die Welt ist kein guter Ort, weil wir sie so schlecht verwalten. Irgendwann sterben wir dann wieder aus dieser Welt hinaus. Leben als vierdimensionale Wurst, an deren Anfang die Geburt und an deren Ende der Tod steht. Wir k\u00f6nnen uns als diese Lebenswurst nicht begreifen, wir sehen immer nur einzelne Scheiben. Die Anker, die uns schwerelos machen k\u00f6nnen: Liebe, Empathie, Humor, Intelligenz, Gestaltungswille. [Vorschlag f\u00fcr die automatische Literaturkritik: Minuspunkt &#8222;Anker, die schwerelos machen.&#8220; Banalit\u00e4t, die sich in schiefe Bilder verrennt.] (Kann nat\u00fcrlich auch alles ironisch gemeint sein, m\u00fcsste dann aber auch mit dem Minuspunkt leben k\u00f6nnen.)<\/p>\n<p><strong>Roman Marchel<\/strong><\/p>\n<p>Spiegeleffekthaschereien zu Beginn. Der Autor ist der Meinung, dass der Mensch ans Meer geh\u00f6rt, aber vor seinem Haus gibt es einen kleinen Bach und einen Wald dahinter, das ist auch okay. Zum Schreiben braucht man dreierlei: Feuer, Geduld und Vertrauen. Notizheft, Nahaufnahme Stiftspitze. Literatur verbessert die Welt durch Anspruch, unabh\u00e4ngig vom Gelingen.<\/p>\n<p><strong>Georg Petz<\/strong><\/p>\n<p>Der Autor l\u00e4uft \u00fcber Treppen, jede Menge Aufnahmen &#8222;aus einem interessanten Winkel.&#8220; Zur\u00fcckgespultes Treppengehen, ich ahne ein Fest f\u00fcr die Punktevergabe in der Kategorie Videoportr\u00e4t bei der automatischen Literaturkritik. Autor: Der Mensch als<em> narrative mammal<\/em>. Wahrnehmung ist die Schl\u00fcsselstelle unserer Erkenntnis von der Welt. Literatur kann genau an dieser Schl\u00fcsselstelle sitzen. Was wir f\u00fcr gesichert halten, geht doch nur durch den schmalen Verschlussvorhang, den die Wahrnehmung ihr l\u00e4sst. Autor m\u00f6chte in seinen B\u00fcchern dieses <em>celare artem<\/em> aufzeigen. Holzhammersymbolik: Autor blickt durch B\u00fccherregale in die Kamera, dazu der Text: &#8222;Blicksteuerung ist die Regie in der Literatur.&#8220; [Ich vermute, hier handelt es sich um den Klassiker, dass der Autor dem Redaktionsteam beim Videoportr\u00e4t nichtsahnend viel zu viele Freiheiten gelassen hat.]<\/p>\n<p><strong>Birgit P\u00f6lzl<\/strong><\/p>\n<p>Schreibt gegen die Gier, sich selbst zu vervollkommnen. Betrachtet sich als politische Autorin mit leiser Botschaft (nicht offensiv). Blick auf Parkplatz, Zeitraffer, Zeitlupe, Personenschatten auf regennassem Boden gespiegelt. Wieder jede Menge Punkte f\u00fcr die automatische Literaturkritik. Die Autorin stellt sich ihre Leser als sensible M\u00e4nner und Frauen vor, die auch sp\u00fcren, dass gesellschaftlich etwas nicht in Ordnung ist. Holzhammersymbolik I: Zur\u00fcckgespultes B\u00fcroklammerentwirren, w\u00e4hrend die Autorin \u00fcber Struktur einerseits und Offenheit andererseits spricht. Holzhammersymbolik II: Die Autorin \u00f6ffnet ein verdunkeltes Fenster, dazu der Text: &#8222;Jedes Schreiben ist ein Erkenntnisprozess.&#8220; M\u00f6chte etwas schreiben, das der Sch\u00f6nheit eines Baumes oder Blattes gerecht werden kann (nicht mimetisch, eher strukturelle \u00c4quivalenz). Kunst als Intensivierungsform, die widerst\u00e4ndig macht.<\/p>\n<p><strong>Kerstin Preiwu\u00df<\/strong><\/p>\n<p>Es wird Holz gehackt und eine Liste geschrieben: Schoten auspulen, Johannisbeeren pfl\u00fccken, teils unleserlich wegen Weichzeichnerspielerei, Holz hacken, unleserlich. &#8222;Dieser verdammte J\u00e4hzorn, der in der Familie liegt. Das Haus beschreiben. Wer dort verdroschen wurde. Wer dort gestorben ist. Die Familie kann ein unheimlicher Ort sein. Das reicht nicht. Nochmal von vorn.&#8220; Die Asche der angez\u00fcndeten Holzscheite vergl\u00fcht. Der Text hei\u00dft Restw\u00e4rme.<\/p>\n<p><strong>Tobias Sommer<\/strong><\/p>\n<p>Einige Seiten werden ausgedruckt, beginnend mit Fokusspielereien. Anzoomen an einen Koffer, Detailaufnahmen hingeworfener Hotelschl\u00fcssel und einer Serviceklingel. Gro\u00dfaufnahme sich im Luftzug bewegender Buchseiten. Wieder ein Fest f\u00fcr die automatische Literaturkritik. &#8222;Zum Erhalt seiner Finanzen verwaltet Tobias Sommer von Amts wegen die Finanzen anderer.&#8220; Der Finanzbeamte\/Autor sitzt an seinem Schreibtisch im B\u00fcro, Fokus auf die Tastatur, tippende Finger. B\u00fcropflanze. Der Text: Ein Hotel in der N\u00e4he der polnischen Grenze. Wieder viele Zoom- und Fokusspielereien. Holzhammersymbolik: Ein B\u00fcrostuhl steht im Unkraut am Eingang eines verfallenen Hauses, dazu sagt der Redakteur, er finde im Text des Autors keinen Finanzbeamten. Ende: &#8222;Oder habe ich was \u00fcbersehen?&#8220;<\/p>\n<p>[Dieses Jahr wieder so einige Videoportr\u00e4ts, bei denen man vermutet, dass der Autor\/die Autorin dem Redaktionsteam zu viele Freiheiten gelassen hat.]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Michael Fehr Das Wunder der F\u00e4higkeit zur Artikulation. Und daraus Motivation, Motivierung, Motiv. Und daraus Repetition, Variation. Und daraus eine existenzielle Geschichte mit einer gewissen Musikalit\u00e4t. Olga Flor Mag seltsame R\u00e4ume, Durchgangsorte, Speicherorte \u2013 R\u00e4ume, die man eigentlich nicht betritt, um sich darin aufzuhalten. Schreiben: Ins Leere hineingreifen und was rausholen. 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