{"id":4487,"date":"2015-05-19T21:04:44","date_gmt":"2015-05-19T20:04:44","guid":{"rendered":"http:\/\/gedankentraeger.de\/?p=4487"},"modified":"2017-04-13T10:35:12","modified_gmt":"2017-04-13T09:35:12","slug":"if-i-were-any-happier-i-would-have-to-be-two-people","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gedankentraeger.de\/?p=4487","title":{"rendered":"If I were any happier, I would have to be two people."},"content":{"rendered":"<p>Urlaub in S\u00fcdengland, dann direkt Arbeitseinsatz in Belgien und Holland (Tulpenkreuzfahrt). Nach dem langen Berliner Winter nun also wieder viel unterwegs, jeder Tag ein neuer Tag, das f\u00fchlt man unterwegs so sehr, es ist vielleicht einer der sch\u00f6nsten Aspekte des Reisens, dass sich alles st\u00e4ndig \u00e4ndert, man gar nicht verharren kann, selbst wenn man wollte, man also einfach flie\u00dfen lassen muss, das Leben wird dabei so angenehm unbehaftet, es wiegt einen insgesamt, ganz so wie in der Momentaufnahme auf dem Flusskreuzfahrtschiff, im Sturm durch die Nacht \u00fcber das Markermeer fahrend, und man schl\u00e4ft in dieser Bewegung wie im Mutterbauch, jedenfalls stelle ich mir das so vor, dieses wiegende Bewegtwerden, ein herrliches Schlafen, aber nat\u00fcrlich fanden das nicht alle Passagiere und so wurde ich von der Nachtrezeptionistin zu einer Dame gerufen, die meinte, hinter ihrer Kabinenwand schlage wohl eine Ratte mit dem Schwanz gegen das Holz, dabei war es nur das Quietschen der Paneele im Sturm.<\/p>\n<p>Viel Arbeit, so eine Hauptverantwortung f\u00fcr \u00fcber 150 Personen. Absprachen mit dem Hotelpersonal auf dem Schiff, mit dem Restaurant (besondere Ern\u00e4hrungsbed\u00fcrfnisse, Geburtstagskuchen etc.), mit der Bar wegen Empf\u00e4ngen, nat\u00fcrlich mit dem B\u00fcro in Chicago, mit Busunternehmen und Stadtf\u00fchrern (wann und wo am Schiff abgeholt werden, wo parken, wie lange bleiben, was genau vor Ort tun, wann zur\u00fcckfahren etc.). Jeden Tag dockt das Schiff an einem anderen Ort, deshalb geht das alles jeden Tag von vorne los, neue Busse, neue Stadtf\u00fchrer, neue Aktivit\u00e4ten, was ist heute zu bedenken, Den Haag, wir kommen f\u00fcnfzehn Minuten vor \u00d6ffnung in das Mauritshuis, haben das Museum also die erste Viertelstunde f\u00fcr uns alleine, daf\u00fcr aber vorher eine verantwortliche Person kontaktieren, die uns die T\u00fcr auch wirklich \u00f6ffnet, lauter solche Kleinigkeiten, telefonieren, telefonieren. Jeden Tag neu die Geldsummen im Griff haben, was muss ich heute wo bezahlen, Quittungen \u00fcber Quittungen sammeln, immer mit einem Aktenordner unterwegs (&#8222;Monika, I always see you with the bible&#8220;). Dazu viele Kleinigkeiten organisieren wie Geschenke der Universit\u00e4ten f\u00fcr bestimmte G\u00e4ste, Partys der Universit\u00e4ten, Vortr\u00e4ge der mitreisenden Professoren, technische Ausstattung daf\u00fcr etc.<\/p>\n<p>Die operationale Organisation l\u00e4uft idealerweise wie ein Hintergrundrauschen (je weniger die Reisenden sie \u00fcberhaupt bemerken, umso besser), die Qualit\u00e4t der Information soll hoch sein, der Unterhaltungswert aber auch, und das Essen nat\u00fcrlich lecker, dabei jeden Tag f\u00fcr die gro\u00dfe Gruppe moderieren, sich dazu etwas Neues einfallen lassen, und dann noch die Probleme einzelner Personen l\u00f6sen, wie mutma\u00dfliche Ratten in der Wand, streitende Ehepaare, sie mixt ein starkes Schlafmedikament mit vier Cocktails, er \u00fcbernachtet in der Schiffsbibliothek, Leute mit einfachen Schrullen und Profilneurosen, wie der Professor, der genau dann auf die Toilette muss, als die Toilettenpause gerade vorbei ist und alle wieder im Bus sitzen, nun muss der ganze Bus auf ihn warten, und das scheint ihm zu gefallen (in den anderen vier Bussen ist w\u00e4hrenddessen was anderes los, das ist ja auch so ein logistischer Aufwand, wenn man ein ganzes Schiff gechartert hat, dass man dann alles mit f\u00fcnf Bussen parallel macht), dann aber auch Leute mit wirklich pathologischen Problemen, eine demente Frau verirrt sich zuerst bei der Ankunft im Flughafen Schiphol und sp\u00e4ter im Keukenhof, eine andere, ebenfalls verwirrte Frau l\u00e4uft nachts nackt \u00fcber den Flur. Dazu allerlei Beschwerden wegen Nichtigkeiten, der Sodiumgehalt des Mineralwassers an Bord sei zu hoch etc.<\/p>\n<p>Aber dann kommen nat\u00fcrlich auch sehr nette Reisende, bedanken sich f\u00fcr dies und jenes, nehmen einen in den Arm (&#8222;Monika, I think you need a hug!&#8220;). Oder sie sagen tolle Sachen, wie der Mann, der auf die Frage, wie es ihm geht, antwortete: &#8222;I couldn&#8217;t be better. If I were any happier, I would have to be two people.&#8220; So wird man von den Launen der Menschen durch den Tag getragen. Am Ende hat alles gut geklappt, zwei anstrengende Wochen, aber als ich mich am Flughafen Br\u00fcssel von meinen Kolleginnen verabschiedete (eine aus Spanien, eine aus Irland, eine aus Israel), vermisste ich sie direkt schon, und auch die Arbeit, das Angenehme des st\u00e4ndigen Besch\u00e4ftigtseins. Noch vier Wochen bis zum n\u00e4chsten Einsatz, dann in meinem Wattebausch Schweiz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Urlaub in S\u00fcdengland, dann direkt Arbeitseinsatz in Belgien und Holland (Tulpenkreuzfahrt). Nach dem langen Berliner Winter nun also wieder viel unterwegs, jeder Tag ein neuer Tag, das f\u00fchlt man unterwegs so sehr, es ist vielleicht einer der sch\u00f6nsten Aspekte des Reisens, dass sich alles st\u00e4ndig \u00e4ndert, man gar nicht verharren kann, selbst wenn man wollte, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[47],"tags":[],"class_list":["post-4487","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-reisen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4487"}],"collection":[{"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4487"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4487\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4623,"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4487\/revisions\/4623"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4487"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4487"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4487"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}