{"id":4567,"date":"2015-07-08T08:13:31","date_gmt":"2015-07-08T07:13:31","guid":{"rendered":"http:\/\/gedankentraeger.de\/?p=4567"},"modified":"2015-07-09T06:26:57","modified_gmt":"2015-07-09T05:26:57","slug":"frueherkennungsuntersuchungen-fuer-kinder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gedankentraeger.de\/?p=4567","title":{"rendered":"Neue Regeln f\u00fcr U-Untersuchungen"},"content":{"rendered":"<p>Meines Wissens gab es bisher nur <a href=\"http:\/\/www.aerztezeitung.de\/politik_gesellschaft\/praevention\/article\/888699\/gba-beschliesst-neue-regeln-u-untersuchung-kindern.html\">einen Artikel in der \u00c4rzte-Zeitung<\/a> dar\u00fcber, dass gerade \u00c4nderungen f\u00fcr die Fr\u00fcherkennungsuntersuchungen von Kindern bis zum Alter von 6 Jahren beschlossen wurden. Dabei geht das nat\u00fcrlich alle Eltern etwas an: In Deutschland werden jedes Jahr \u00fcber 600.000 Kinder geboren und sie durchlaufen alle die sogenannten U-Untersuchungen.<\/p>\n<p>Vielleicht gibt es mehr Aufmerksamkeit, wenn die \u00c4nderungen in der Praxis ankommen. Der Beschluss tritt n\u00e4mlich erst in Kraft, wenn auch das Gelbe Vorsorgeheft neu erarbeitet ist, in dem die Ergebnisse der Untersuchungen festgehalten werden. Doch auch wenn die Vorgaben zur Dokumentation noch fehlen: zur inhaltlichen Neustrukturierung wurde im \u00f6ffentlichen Plenum des Gemeinsamen Bundesausschusses ein Beschluss gefasst, <a href=\"https:\/\/www.g-ba.de\/informationen\/beschluesse\/2287\/\">der auch online einzusehen ist<\/a>.<\/p>\n<p>Ich bin seit drei Jahren in der Arbeitsgruppe t\u00e4tig, die diese Neustrukturierung erarbeitet hat, dabei seit zwei Jahren in der Funktion als Sprecherin der Patientenvertretung in dieser AG. (Zur Erkl\u00e4rung: Der Gemeinsame Bundesausschuss ist das h\u00f6chste politische Gremium der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen. Dort wird in Form von Richtlinien der Leistungskatalog f\u00fcr mehr als 70 Millionen Versicherte beschlossen. Seit 2004 haben Patientenvertreter ein Mitberatungsrecht in allen Gremien und ich bin seit 2008 \u00fcber den Deutschen Behindertenrat dabei.)<\/p>\n<p><strong>Was wird anders?<\/strong><\/p>\n<p>Es wird sich bei den Fr\u00fcherkennungsuntersuchungen einiges \u00e4ndern. Zun\u00e4chst einmal die grunds\u00e4tzliche Ausrichtung: Es wurde ein empirisches Konzept entwickelt, das f\u00fcr eine verbesserte Evidenzbasis der Untersuchungen sorgt. Die Fr\u00fcherkennungsuntersuchungen gibt es seit Anfang der 70er Jahre und sie sind 30 Jahre lang nahezu gleich geblieben. Die Arbeitsgruppe hat sich intensiv mit wissenschaftlichen Studien befasst und aus den \u00fcbereinstimmenden Erkenntnissen Items f\u00fcr die Untersuchungen erstellt.<\/p>\n<p>Diese Items sind dabei an der 90. Perzentile ausgerichtet, um auch Raum f\u00fcr individuelle Entwicklungsunterschiede zu lassen. Wir haben also versucht, die Untersuchungen erstens auf eine solide wissenschaftliche Basis zu stellen und zweitens einer zunehmenden Pathologisierung entgegen zu wirken. Im Rahmen der Beratungen wurde die Kinder-Richtlinie dabei in den vergangenen Jahren bereits mehrfach ge\u00e4ndert, beispielsweise wurden das Neugeborenen-H\u00f6rscreening, die Kinderuntersuchung U7a und die Untersuchungen auf Fr\u00fcherkennung von angeborenen Stoffwechseldefekten sowie von H\u00fcftgelenksdysplasie und -luxation eingef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die neuen U&#8217;s ber\u00fccksichtigen st\u00e4rker Aspekte der sozialen, psychosozialen, emotionalen und geistigen Entwicklung, da in diesen Bereichen zunehmend Probleme beobachtet werden. Und Eltern erhalten in Zukunft mehr Informationen zu regionalen Unterst\u00fctzungsangeboten, wie zum Beispiel zu Fr\u00fchen Hilfen.<\/p>\n<p><strong>Datenschutz: Einf\u00fchrung einer neuen Teilnahmekarte<\/strong><\/p>\n<p>Auf Initiative der Patientenvertretung wird eine neue Teilnahmekarte eingef\u00fchrt. Hintergrund hierzu ist, dass die Ergebnisse der Fr\u00fcherkennungsuntersuchungen im vertraulichen Dokument des Gelben Vorsorgeheftes dokumentiert werden. In der Zwischenzeit hat sich \u2013 besonders nach Einf\u00fchrung des verbindlichen Einlade- und Meldewesens in einigen Bundesl\u00e4ndern \u2013 eine Praxis entwickelt, in der beispielsweise Kitas und Beh\u00f6rden zu Unrecht Einsicht in das Gelbe Heft verlangen um sicherzugehen, dass ein Kind regelm\u00e4\u00dfig an den U-Untersuchungen teilnimmt. Viele Eltern wissen nicht, dass sie nicht zur Vorlage des Gelben Heftes verpflichtet sind.<\/p>\n<p>Eltern werden nicht selten unter Druck gesetzt, zum Beispiel wenn ein Kitaplatz an die Bedingung gekn\u00fcpft wird, das Gelbe Heft vorzuzeigen (so berichtet aus Bayern). Die Teilnahmekarte bietet Eltern nun die M\u00f6glichkeit, bei den entsprechenden Beh\u00f6rden ein Dokument vorzulegen, welches ohne weitere vertrauliche Informationen nur noch die reine Teilnahme an den U-Untersuchungen best\u00e4tigt.<\/p>\n<p>Warum war uns das als Patientenvertretung wichtig? Im Gelben Heft stehen sensible Informationen, die ein Kind zudem ein Leben lang begleiten k\u00f6nnen. Nehmen wir einmal das Beispiel einer Verdachtsdiagnose auf ADS. Wir haben geh\u00f6rt, dass Kitas oder Kinderg\u00e4rten mit diesem Wissen schon versucht haben Eltern zu \u00fcberreden, dass ihr Kind doch einen I-Status bekommen k\u00f6nnte und dann st\u00fcnde mehr Personal zur Verf\u00fcgung. So werden also wom\u00f6glich Personalengp\u00e4sse mit Diagnosen zu l\u00f6sen versucht. So war das nie gedacht.<\/p>\n<p>Ich selbst habe erlebt, dass f\u00fcr die Bewilligung von Johns Eingliederungshilfe f\u00fcr behinderte Menschen nach dem Gelben Heft gefragt wurde. Die Eingliederungshilfe l\u00e4uft in Berlin \u00fcber das Jugendamt und das Jugendamt ist daran interessiert, so viele Informationen \u00fcber Familien zu sammeln wie m\u00f6glich. Was dann damit geschieht, welche Schl\u00fcsse das Jugendamt daraus zieht etc., dar\u00fcber haben die Eltern dann keine Kontrolle mehr. Das kann schon gef\u00e4hrlich werden und gesetzlich ist es eigentlich gar nicht erlaubt. Aber da es gelebte Praxis ist, wollten wir als Patientenvertretung etwas tun, um dagegen anzusteuern.<\/p>\n<p>Dass wir uns damit durchsetzen konnten, sah lange Zeit nicht so aus und ist mein bisher gr\u00f6\u00dfter Verhandlungserfolg, auf den ich auch ein bisschen stolz bin (gemischt mit Bedenken, dass es in der Praxis dann vielleicht aber trotzdem wieder \u00fcbergangen wird \u2013 hierzu ist es auch wichtig, dass die Eltern gut \u00fcber ihre Rechte informiert werden).<\/p>\n<p><strong>Leider keine st\u00e4rkere Verankerung der Sozialp\u00e4diatrischen Zentren<\/strong><\/p>\n<p>Abgelehnt wurde unser Antrag, eine bessere Vernetzung mit Sozialp\u00e4diatrischen Zentren (SPZ) in der Kinder-Richtlinie zu verankern. Diese sind nach dem Gesetz spezialisiert auf die Behandlung von fr\u00fchgeborenen Kindern sowie von Kindern, die von einer dauerhaften Erkrankung, Entwicklungsst\u00f6rung oder Behinderung bedroht sind. Die interdisziplin\u00e4re Arbeitsweise dieser Zentren hat sich aus Betroffenensicht bew\u00e4hrt, aber eine \u00dcberweisung dorthin erfolgt h\u00e4ufig viel zu sp\u00e4t. Leider wurde unser Vorschlag hierzu nicht angenommen.<\/p>\n<p>Im Gro\u00dfen und Ganzen bin ich mit dem Ergebnis zufrieden. Nach drei Jahren Arbeit mit teils hoher Sitzungsfrequenz habe ich die Hoffnung, dass wir die U-Untersuchungen verbessert haben. In jedem Fall sollten die \u00c4rzte in Zukunft mehr Zeit f\u00fcr die Fr\u00fcherkennungsuntersuchungen haben (weil sie besser daf\u00fcr bezahlt werden), und es sollte mehr Raum f\u00fcr Gespr\u00e4che da sein. Ich hoffe, dass die Eltern dies auch einfordern und zu ihrem eigenen Besten und dem Besten ihrer Kinder nutzen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meines Wissens gab es bisher nur einen Artikel in der \u00c4rzte-Zeitung dar\u00fcber, dass gerade \u00c4nderungen f\u00fcr die Fr\u00fcherkennungsuntersuchungen von Kindern bis zum Alter von 6 Jahren beschlossen wurden. Dabei geht das nat\u00fcrlich alle Eltern etwas an: In Deutschland werden jedes Jahr \u00fcber 600.000 Kinder geboren und sie durchlaufen alle die sogenannten U-Untersuchungen. Vielleicht gibt es [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[26],"tags":[],"class_list":["post-4567","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4567"}],"collection":[{"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4567"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4567\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4579,"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4567\/revisions\/4579"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4567"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4567"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4567"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}