{"id":4720,"date":"2016-01-04T11:01:45","date_gmt":"2016-01-04T10:01:45","guid":{"rendered":"http:\/\/gedankentraeger.de\/?p=4720"},"modified":"2019-01-05T20:47:21","modified_gmt":"2019-01-05T19:47:21","slug":"bunchie-goes-wild-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gedankentraeger.de\/?p=4720","title":{"rendered":"bunchie goes wild [2015]."},"content":{"rendered":"<p>2015 habe ich vor allem viel gearbeitet. Drei Jobs und ein Ehrenamt unter einen Hut zu bringen, das ist eine ziemliche Puzzelei.<\/p>\n<p>Am Ende waren es:<\/p>\n<p>73 Tage \u00dcbersetzung<br \/>\n39 Tage Bundestag<br \/>\n37 Tage Reiseleitung<br \/>\n32 Tage Gemeinsamer Bundesausschuss<\/p>\n<p>Dazu kamen viele mit der Arbeit zusammenh\u00e4ngende (vorbereitende, nachbereitende, fortbildende) Termine wie Abstimmungstreffen, eine Tagung der Bundespsychotherapeutenkammer, ein Teilhabekongress im Paul-L\u00f6be-Haus, eine Sitzung zur Evaluation des Bundeskinderschutzgesetzes im Familienministerium und zwei Coaching-Seminare (Rollenspiele!) im Gemeinsamen Bundesausschuss. Ende des Jahres habe ich dann noch bei einem Seminar der Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung einen Vortrag \u00fcber Inklusion gehalten. Offiziell hatte das Jahr 254 Arbeitstage, und die habe ich mit zwei kleinen Urlaubsausnahmen fast komplett mitgenommen.<\/p>\n<p>Gearbeitet habe ich 2015 in Berlin, Potsdam, R\u00fcgen, Buchholz, Frankfurt, Aachen, Holland, Belgien, in der Schweiz und in Frankreich. Gef\u00fchl: Alles gut. In der Selbst\u00e4ndigkeit liegt ja doch immer eine gr\u00f6\u00dfere Unsicherheit und da empfinde ich es schon als sehr beruhigend, wenn keine Leerl\u00e4ufe entstehen und das Gef\u00fchl im R\u00fccken ist, dass da noch mehr w\u00e4re, wenn man es br\u00e4uchte. Das Einzige: Ich w\u00fcrde gerne mal wieder weiter weg arbeiten. Meine Kollegin, mit der ich gerade in Paris war, geht als n\u00e4chstes nach Patagonien und in die Antarktis. Da ziept das Fernweh. Diese Reise dauert allerdings zum Beispiel drei Wochen und ich habe ein Limit von zwei Wochen gesetzt, weil ich John nicht mehr als das zumuten m\u00f6chte. F\u00fcr ihn ist es nicht immer einfach, wenn ich weg bin. Zum Gl\u00fcck habe ich Scott und John dieses Jahr auch zweimal mitnehmen k\u00f6nnen, n\u00e4mlich nach R\u00fcgen und nach Aachen, was die Arbeitsauftr\u00e4ge auch gleich noch sch\u00f6ner macht.<\/p>\n<p>Neben der Arbeit muss man sich nat\u00fcrlich immer mit viel Kram besch\u00e4ftigen, \u00d6l- und Reifenwechseln, kaputten Windschutzscheiben, Nachbarschaftstreffen wegen der Mietentwicklung im Kiez, einem neuen K\u00fchlschrank, der Umorganisation des B\u00fcros, dem Streichen der K\u00fcche, Rumr\u00e4umen, Keller entr\u00fcmpeln und wieder zur\u00fcmpeln (der Turnaround zwischen ent- und wieder zu- ist ja auch etwa ein Jahreszyklus). Wenn man dann noch die Besuche von Verwandten und Freunden in Berlin hinzunimmt, wundert es mich auch gar nicht mehr, dass das Jahr total an mir vorbeigerauscht ist.<\/p>\n<p>#<\/p>\n<p>Pr\u00e4gende Eindr\u00fccke gab es trotzdem jede Menge.<\/p>\n<p>Lesungen: Innerhalb von zwei Tagen Bov Bjerg und Karl Ove Knausg\u00e5rd. [Berlin-Liebe].<\/p>\n<p>Sehr sch\u00f6ne Urlaube in S\u00fcdengland (Ostern) und in Frankreich (Sommer).<\/p>\n<p>Ein neues Fahrrad f\u00fcr John! Gro\u00dfes Highlight.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/gedankentraeger\/24084156131\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/live.staticflickr.com\/1459\/24084156131_50cac4e3ac_z.jpg\" alt=\"September 2015 am Maybachufer\" width=\"640\" height=\"480\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ein Helikopterflug durch die Alpen, von T\u00e4sch nach Bern. Der Anlass war traurig, denn einer meiner Reisenden hatte einen Herzinfarkt. Aber er hat \u00fcberlebt. Nicht zuletzt, weil er so schnell nach Bern geflogen und dort sofort operiert wurde. Der Heliflug durch die Alpen war wahnsinnig beeindruckend, ich w\u00fcrde sagen in der gleichen Liga wie meine Ballonfahrt \u00fcber die Serengeti vor zwei Jahren.<\/p>\n<p>Konzert: Decemberists. Wie toll, im M\u00e4rz im Astra.<\/p>\n<p>#<\/p>\n<p>Wir ahnten allerdings nicht, dass das Konzert f\u00fcr lange Zeit der letzte gemeinsame Abendausflug von Scott und mir werden w\u00fcrde. Ab Mai kam John in eine Krise, wurde wieder aggressiv, Zuhause nicht, aber in der Schule ganz massiv. Bei Johns Gr\u00f6\u00dfe und Kraft sind Kontrollverluste mittlerweile richtig gef\u00e4hrlich, sowohl f\u00fcr andere wie f\u00fcr ihn selbst. Es folgten eine Unterredung mit der Schulleiterin und das Beantragen eines Schulhelfers (den wir seit Jahren nicht mehr gebraucht hatten).<\/p>\n<p>John ist ziemlich am K\u00e4mpfen mit sich und der Welt. Scott und ich sind darum nicht mehr abends gemeinsam weggegangen, einer von uns bleibt immer bei John. Durch diese Krise m\u00fcssen wir nun durch, sie ist immer noch nicht vorbei, kann bedingt durch die Pubert\u00e4t sicher auch noch dauern. Die gr\u00f6\u00dften Probleme machen die Schule oder auch Treffen mit anderen Leuten. Am besten geht es, wenn einfach nur Scott und ich mit John zusammen sind.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde sagen, wir managen das bisher alle Drei okay, im Krisenmodus seit mehr als einem halben Jahr. Nur sollte John nat\u00fcrlich eigentlich schon regelm\u00e4\u00dfig in die Schule gehen (zu den 14 Wochen Schulferien und den diversen Feiertagen mit langen Wochenenden kamen im letzten Schuljahr \u00fcber 30 Fehltage dazu, also nochmal knapp 7 Wochen) und es sollten auch andere Aktivit\u00e4ten m\u00f6glich sein, als nur zu Dritt zu sein. Das ist wieder so ein Balanceakt: Wie viel Raum gibt man Johns Bed\u00fcrfnis nach R\u00fcckzug und wo verlangt man dann doch ein gewisses Ma\u00df an Anpassung? Wir sind schon ziemlich isoliert momentan, auf Dauer geht das nicht. Gew\u00f6hnt John sich daran und wird es dann sp\u00e4ter umso schwerer, wieder mehr Sozialkontakte einzuf\u00fchren? Oder braucht John diesen Kokon nun f\u00fcr eine bestimmte Zeit? Im Moment haben wir uns entschieden, uns gr\u00f6\u00dftenteils darauf einzulassen und abzuwarten, ob John mit der Zeit wieder in eine stabilere Lage kommt, in der wir unser Leben wieder mehr \u00f6ffnen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>#<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/gedankentraeger\/24084141411\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/live.staticflickr.com\/1442\/24084141411_23decddeca_z.jpg\" alt=\"Mai 2015\" width=\"640\" height=\"480\" \/><\/a><\/p>\n<p>#<\/p>\n<p>Ein Resultat der Krise waren auch \u00dcberlegungen, ob John vielleicht Zahnschmerzen haben k\u00f6nnte. Nach mehreren Besuchen beim Zahnarzt und beim Kieferorthop\u00e4den f\u00fchrten diese \u00dcberlegungen im Herbst dazu, dass John in Vollnarkose die vier Weisheitsz\u00e4hne gezogen wurden, f\u00fcr die im Kiefer nicht gen\u00fcgend Platz war, gefolgt von zwei schmerzhaften Wochen Zuhause. Ein Riesending war diese Aktion, denn John versteht ja nicht, was da mit ihm geschieht, und man kann ihm auch nicht verst\u00e4ndlich machen, dass er auf den Wunden nicht kauen soll etc. Aber nun sind die Z\u00e4hne f\u00fcr immer weg: &#8222;Once in a lifetime&#8220; (haben wir uns Dreien in den beiden Wochen immer wieder tr\u00f6stend gesagt).<\/p>\n<p>Kurz nach der OP hatte John dann seit langem erstmals wieder einen epileptischen Anfall. Ich habe das Bild leider noch genau vor meinem inneren Auge. Es ist nicht ungew\u00f6hnlich, dass Krampfanf\u00e4lle in der Pubert\u00e4t zur\u00fcckkehren, wir wussten das schon lange, aber wenn es passiert, ist es trotzdem ein Schock. Mit das schlimmste daran ist, dass John nun nicht mehr schwimmen gehen darf \u2013 eine seiner wenigen Lieblingsbesch\u00e4ftigungen. Wir sind sehr traurig. Auch haben uns die diversen R\u00fcckschritte das Thema Inkontinenz wieder verst\u00e4rkt zur\u00fcckgebracht.<\/p>\n<p>Zum 1. Dezember hat uns unser Einzelfallhelfer verlassen, der sechs Jahre bei uns war. Wir haben beschlossen, erstmal niemand Neues zu suchen. Es ist alles gerade so schwierig, wir halten es f\u00fcr zu viel, wenn sich John nun auch noch auf eine neue Person einstellen sollte. Wenn John zur Schule geht, ist eh nur der Freitagnachmittag daf\u00fcr frei. Den machen wir dann halt erstmal alleine. Wir haben uns aber bei der Eingliederungshilfe zun\u00e4chst nur ein Aussetzen und keine Beendigung der Bewilligung erbeten, so dass wir f\u00fcr den Fall des Falles keinen kompletten Neuantrag stellen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>2016 beginnt f\u00fcr uns mit einer Einweisung ins Epilepsiezentrum des DRK-Klinikums Westend. \u00dcbermorgen geht es ins Krankenhaus, hoffentlich nicht allzu lange, denn wenn zwei Dinge ganz schlecht zusammengehen, dann John und Krankenhaus.<\/p>\n<p>#<\/p>\n<p>Das beste: Ein gl\u00fccklicher Bunchie, selbst in der Krise noch. What a trooper, seine Energie erstaunt uns immer wieder.<\/p>\n<p><a title=\"Dezember 2015\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/44263469@N07\/23538609704\/\" rel=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Dezember 2015\" src=\"http:\/\/farm2.staticflickr.com\/1551\/23538609704_ee26e35da3_n.jpg\" alt=\"Dezember 2015\" width=\"240\" height=\"320\"><\/a><\/p>\n<p>#<\/p>\n<p>2015 war\u2026 Puh, sehr erlebnisreich.<\/p>\n<p>#<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/gedankentraeger.de\/?p=4301\">[2014<\/a>. <a href=\"http:\/\/gedankentraeger.de\/?p=3726\">2013<\/a>. <a href=\"http:\/\/gedankentraeger.de\/?p=2451\">2011<\/a>.]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2015 habe ich vor allem viel gearbeitet. Drei Jobs und ein Ehrenamt unter einen Hut zu bringen, das ist eine ziemliche Puzzelei. 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