{"id":5247,"date":"2017-04-14T11:14:58","date_gmt":"2017-04-14T10:14:58","guid":{"rendered":"http:\/\/gedankentraeger.de\/?p=5247"},"modified":"2017-04-17T13:06:11","modified_gmt":"2017-04-17T12:06:11","slug":"das-amerika-der-seele","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gedankentraeger.de\/?p=5247","title":{"rendered":"das amerika der seele."},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/gedankentraeger\/33684783440\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/live.staticflickr.com\/2805\/33684783440_4a1b8a36ec.jpg\" alt=\"Luther und Das Amerika der Seele\" width=\"500\" height=\"375\" \/><\/a><\/p>\n<p>Vorweg etwas, das mich gefreut hat zu h\u00f6ren: Der letzte Band im Romanzyklus von Karl Ove Knausg\u00e5rd wird <em><a href=\"https:\/\/www.randomhouse.de\/Buch\/Kaempfen\/Karl-Ove-Knausgard\/Luchterhand-Literaturverlag\/e432834.rhd\">K\u00e4mpfen<\/a><\/em> hei\u00dfen. Den Titel habe ich mir <a href=\"http:\/\/gedankentraeger.de\/?p=4639\">so gew\u00fcnscht<\/a>. Ich bin schon sehr gespannt. In der Zwischenzeit habe ich endlich Knausg\u00e5rds Essaysammlung <em><a href=\"https:\/\/www.randomhouse.de\/Buch\/Das-Amerika-der-Seele\/Karl-Ove-Knausgard\/Luchterhand-Literaturverlag\/e461426.rhd\">Das Amerika der Seele<\/a><\/em> gelesen. Das Buch hat mir gut gefallen, auch wenn es mich nicht ganz so gepackt hat wie die Romane. Vielleicht liegt es daran, dass in den Essays die starke pers\u00f6nliche Perspektive weniger pr\u00e4sent ist. In einigen Texten kommt sie hervor (<em>Am Grund des Universums<\/em>) und dann ist da sofort wieder dieses typische Knausg\u00e5rd-Feeling. Es ist wohl das Private, das diesen Sog erzeugt. Der Romanzyklus funktioniert durch die Kombination von intimen und essayistischen Passagen. Nur das eine oder nur das andere hat nicht denselben Effekt. Muss es aber ja auch nicht.<\/p>\n<p>In der Essaysammlung taucht vieles wieder auf, das wir schon aus den Romanen kennen \u2013 und sei es etwas zun\u00e4chst so banal Scheinendes, aber offenbar extrem Pr\u00e4gendes wie in der Kindheit das Lauern auf die Schritte und Bewegungen des Vaters im Elternhaus. Knausg\u00e5rds zentrale Themen wiederholen sich auch innerhalb der Essaysammlung selbst: der Tod, die Liebe, das Wesen der Kunst und die Wahrnehmung des Selbst. In den verschiedenen Perspektiven auf gleiche Themen wird immer deutlicher, welche Texte und Autoren Knausg\u00e5rd wesentlich gepr\u00e4gt haben (zum Beispiel immer wieder die Bibel und Knut Hamsun), und man erkennt auch die Entwicklung von Themen. Der Text <em>Das f\u00fcr alle Gleiche<\/em> etwa ist die Er\u00f6ffnungsrede zu einer Ausstellung in Louisiana 2012. Knausg\u00e5rd betrachtet darin das Thema Tod in Bezug auf Selbstportr\u00e4ts. So kommen zwei seiner zentralen Themen pl\u00f6tzlich zusammen und werden dann auch noch mit einem dritten Thema zusammengef\u00fchrt, dem Wesen der Kunst.<\/p>\n<p>~<\/p>\n<p>&#8222;Der Tod ist nichts, wie l\u00e4sst sich dar\u00fcber schreiben, ohne dass das Nichts zu etwas wird?&#8220;<br \/>\n&#8222;Das Selbstportr\u00e4t kann auch dem Teil des Menschen nahe kommen, der nicht irgendetwas repr\u00e4sentiert, nicht einmal die Identit\u00e4t, sondern der das ganz Eigene ist, das Selbst, das, was die Alten Seele nannten.&#8220;<br \/>\n&#8222;Der Blick des Selbstportr\u00e4ts sagt, ich bin wie du. Ja, sieht man lange genug hin, ist es, als ob dieser Blick sagt, ich bin du. Es kommt in der Religion und in der Kunst vor, dass das Bewusstsein des eigenen Selbst verschwindet.&#8220;<\/p>\n<p>~<\/p>\n<p>In <em>Das Leben in der unendlichen Sph\u00e4re der Resignation<\/em> hatte ich das Gef\u00fchl, dass Knausg\u00e5rd etwas ganz deutlich ausspricht, was bisher immer mitschwang, aber so deutlich habe ich es bisher von ihm noch nicht gelesen: &#8222;Die Oberfl\u00e4che ist mein Leben, die Tiefe meine Sehnsucht. Das Gef\u00fchl, dass das Eigentliche m\u00f6glich ist und das Authentische eine Realit\u00e4t, ist stark, aber auf welche Weise es m\u00f6glich und real ist, wei\u00df ich nicht.&#8220; Der Gedanke f\u00fchrt ihn zu Kierkegaard: &#8222;Wagt er sich deshalb so weit vor, ganz bis zum Rand des Menschlichen, wo alles akut, prek\u00e4r und bebend vor Leben und Sinn ist?&#8220;<\/p>\n<p>Knausg\u00e5rd ist da noch nicht angekommen. Ich sehe das vor allem auch an den Bemerkungen zu seiner Arbeit in einer Einrichtung f\u00fcr behinderte Menschen, die in diesem Buch genauso klingen wie im Romanzyklus. Er schreibt, dass er darum k\u00e4mpft, Empathie zu empfinden. Ich m\u00f6chte entgegnen: Weil er nur die Oberfl\u00e4che sieht. Hier k\u00f6nnte man ihn an seine eigene Erkenntnis in dem anderen Essay verweisen. Er sieht diese Menschen, aber in seiner Beschreibung wird klar, dass er sie nicht erkennt.<\/p>\n<p>Dennoch, ich habe <em>Das Amerika der Seele<\/em> gerne gelesen. Manchmal war es mir etwas zu viel Namedropping, da hatte ich ein bisschen den Eindruck, dass Knausg\u00e5rd meint, seine Intellektualit\u00e4t beweisen zu m\u00fcssen. Aber geschenkt. Es ist auf jeden Fall gut, in der Wartezeit auf <em>K\u00e4mpfen<\/em> diese 476 Seiten zu haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorweg etwas, das mich gefreut hat zu h\u00f6ren: Der letzte Band im Romanzyklus von Karl Ove Knausg\u00e5rd wird K\u00e4mpfen hei\u00dfen. Den Titel habe ich mir so gew\u00fcnscht. Ich bin schon sehr gespannt. In der Zwischenzeit habe ich endlich Knausg\u00e5rds Essaysammlung Das Amerika der Seele gelesen. 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