{"id":5302,"date":"2017-04-23T08:13:38","date_gmt":"2017-04-23T07:13:38","guid":{"rendered":"http:\/\/gedankentraeger.de\/?p=5302"},"modified":"2017-05-05T15:40:46","modified_gmt":"2017-05-05T14:40:46","slug":"israel-palaestina-zweiter-teil-der-norden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gedankentraeger.de\/?p=5302","title":{"rendered":"israel &#038; pal\u00e4stina [zweiter teil: der norden]."},"content":{"rendered":"<p>Wir hatten schon von Deutschland aus f\u00fcr eine Woche ein Auto gemietet, um den Norden und S\u00fcden des Landes zu erkunden. Von Tel Aviv aus fuhren wir zun\u00e4chst mit einem Zwischenstopp in Caesarea Richtung Norden nach Oshrat. Dort hatten wir \u00fcber Airbnb f\u00fcr vier Tage eine Wohnung gemietet, die sich als genauso sch\u00f6n erwies, wie es die Bilder und Bewertungen fr\u00fcherer G\u00e4ste beschrieben. Wir hatten eine komplette K\u00fcche, so dass wir uns selbst versorgen konnten. Das WLAN war schneller als in unserer Wohnung in Berlin (das war im \u00dcbrigen fast \u00fcberall in Israel so), und als unerwarteten Bonus gab es Satellitenfernsehen mit vielen englischsprachigen Kan\u00e4len, darunter ein Sender, der ganz neue Filme zeigte. Nicht, dass wir zum Fernsehen nach Israel gekommen waren, aber am Ende eines langen Erkundungstages war es trotzdem sch\u00f6n, gemeinsam zu kochen und einen Film anzusehen.<\/p>\n<p>Die Wohnung lag in einem gro\u00dfen Haus, das von der Vermieterfamilie bewohnt wurde. F\u00fcr uns etwas gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig, stand das Haus in einer Siedlung, die durch eine gro\u00dfe gelbe Schranke abgesichert war. Es stellte sich allerdings heraus, dass die Schranke tags\u00fcber immer offen stand und auch nicht bewacht wurde. Keine richtige <em>gated community<\/em> also, nur nachts wurde das Tor geschlossen. Wenn man sp\u00e4t zur\u00fcckkam oder fr\u00fch wegfahren wollte, musste man eine Nummer anrufen und dann wurde einem die Schranke ge\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Am ersten Tag fuhren wir zu den Grotten Rosh haNikra, direkt an der Grenze zum Libanon. Die Aussicht von den Felsen \u00fcber das Mittelmeer war fantastisch. Wie fuhren mit der Seilbahn hinunter und sahen uns den Film \u00fcber die Geschichte des Tunnels an, der hier einst eine Verbindung zwischen Europa und \u00c4gypten schuf. Er wurde w\u00e4hrend des Unabh\u00e4ngigkeitskrieges 1948 von einer paramilit\u00e4rischen israelischen Gruppe gesprengt. Heute endet der Tunnel vor einer Mauer, auf deren anderer Seite der Libanon ist. Das sollte uns noch oft begegnen: dass man einerseits etwas sehr Sch\u00f6nes sieht und gleich darauf wieder im Konflikt landet.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/gedankentraeger\/33993682245\/in\/album-72157679285763173\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/live.staticflickr.com\/2903\/33993682245_ab431cbb0a_c.jpg\" alt=\"Rosh haNikra\" width=\"600\" height=\"800\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/gedankentraeger\/33836122782\/in\/album-72157679285763173\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/live.staticflickr.com\/2881\/33836122782_36583110e8_c.jpg\" alt=\"Rosh haNikra\" width=\"600\" height=\"800\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/gedankentraeger\/33952174936\/in\/album-72157679285763173\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/live.staticflickr.com\/3952\/33952174936_0e245713c4_z.jpg\" alt=\"Rosh haNikra\" width=\"640\" height=\"427\" \/><\/a><\/p>\n<p>Von Rosh haNikra aus fuhren wir weiter nach Akko, wo uns wieder der Markt sehr gut gefiel. Wir fanden auch einen g\u00fcnstigen Rami Levy Supermarkt. Die Lebensmittelkosten sind in Israel merklich h\u00f6her als bei uns. Es gibt aber ein paar Superm\u00e4rkte, in denen man einigerma\u00dfen g\u00fcnstig einkaufen kann. Sp\u00e4ter stellten wir dann fest, dass es ganz in der N\u00e4he unserer Ferienwohnung in Yarkah Hazafon einen <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/WonderfulMarket.co.il\/\">Wonderful Market<\/a> gab, der uns noch besser gefiel als Rami Levy. (Ich finde Einkaufen im Ausland ja immer spannend, und erst recht, wenn ich das erste Mal in einem Land bin.)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/gedankentraeger\/33951450006\/in\/album-72157679285763173\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/live.staticflickr.com\/2817\/33951450006_b63082b9cb_c.jpg\" alt=\"Markt\" width=\"600\" height=\"800\" \/><\/a><\/p>\n<p>In unmittelbarer N\u00e4he zu unserer Ferienwohnung lag die arabische Stadt Kafr Yasif. F\u00fcnfmal am Tag, wenigstens dann, wenn wir Zuhause waren, h\u00f6rten wir \u00fcber Lautsprecher den Gebetsruf des Muezzin von einer Moschee in der N\u00e4he. Wir fuhren im Norden durch viele arabische Orte. Ich habe leider bis zum Schluss nicht wirklich verstanden, wie sich das im Land tats\u00e4chlich verteilt. Bei so einem ersten Besuch nimmt man ja vieles einfach erstmal in sich auf, ohne es immer einordnen zu k\u00f6nnen. F\u00fcr uns hatte der wiederkehrende Gebetsruf vor allem etwas Exotisches, wie auch die Natur, zum Beispiel mit den riesigen Kakteen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/gedankentraeger\/33180324563\/in\/album-72157679285763173\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/live.staticflickr.com\/2824\/33180324563_67882f5209_z.jpg\" alt=\"In der N\u00e4he von Oshrat\" width=\"640\" height=\"316\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/gedankentraeger\/33149652704\/in\/album-72157679285763173\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/live.staticflickr.com\/2809\/33149652704_bc4f91c728_z.jpg\" alt=\"In der N\u00e4he von Nazareth\" width=\"640\" height=\"427\" \/><\/a><\/p>\n<p>Wir fuhren zu den Golanh\u00f6hen, wo sich Landschaft und Konflikt auch wieder auf verst\u00f6rende Weise mischen. Einerseits die sch\u00f6nen Banias-Wasserf\u00e4lle und andererseits das verminte Gel\u00e4nde und die unmittelbare N\u00e4he zur syrischen Grenze. Nachdem wir uns die Festung Nimrod angesehen hatten, fanden wir im Nordosten die Stra\u00dfe in Richtung Landesinneres nicht sofort. Wir sahen in der Ferne die Grenzanlagen und uns kamen UN-Fahrzeuge entgegen. Das war wirklich bedr\u00fcckend und wir waren froh, als wir den Weg Richtung See Genezareth fanden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/gedankentraeger\/33180742073\/in\/album-72157679285763173\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/live.staticflickr.com\/3929\/33180742073_9ba6ac5ccd_z.jpg\" alt=\"Banias-Wasserfall (Golan)\" width=\"640\" height=\"427\" \/><\/a><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/farm3.staticflickr.com\/2832\/33836096942_8741268128_z.jpg\" \/><\/p>\n<p>Wir erreichten den Nationalpark Bethsaida, Geburtsort des Apostels Petrus. Hier waren wir im biblischen Galil\u00e4a, mit all den bekannten Namen, mit denen ich aufgewachsen bin. Wir sahen uns Kafarnaum an, die Brotvermehrungskirche und die Kirche der Seligpreisungen, den Ort der Bergpredigt. F\u00fcr uns als Kinder waren das alles damals gleichzeitig nahe und fremde Begriffe. Wir wussten: Das ist weit weg. Aber weil man es oft h\u00f6rte, schien es einem auch irgendwie nah. Und andererseits eine Stadt wie Bremen, die eigentlich nah war, aber doch als weit weg wahrgenommen wurde. Man hat als Kind von tats\u00e4chlichen Entfernungen ja keine Vorstellung, Entfernung ist eher eine mystische Gr\u00f6\u00dfe. Orte, die man kennt, ohne sie zu kennen. Das ist mir fr\u00fcher auch mit New York so gegangen. In so vielen Filmen gesehen und in so vielen Geschichten erfahren, dass es beim ersten Besuch merkw\u00fcrdig war, das alles wirklich zu sehen. Aufgeladene Orte. Man muss sie in der eigenen Erfahrung erst einmal neu erkennen. In Nazareth war ich erstaunt, dass es sich heute um eine komplett arabische Stadt handelt. Am See Genezareth war es sehr gr\u00fcn und Kafarnaum sah aus wie ein Paradies.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/farm3.staticflickr.com\/2849\/33180477883_25e4375bbb_z.jpg\" \/><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/gedankentraeger\/33863695951\/in\/album-72157679285763173\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/live.staticflickr.com\/2840\/33863695951_f7e8331821_z.jpg\" alt=\"Am See Genezareth\" width=\"640\" height=\"427\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/gedankentraeger\/33863649231\/in\/album-72157679285763173\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/live.staticflickr.com\/2855\/33863649231_a86be5f39e_z.jpg\" alt=\"Am See Genezareth\" width=\"640\" height=\"427\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/gedankentraeger\/33835778702\/in\/album-72157679285763173\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/live.staticflickr.com\/3936\/33835778702_866ce377b9_z.jpg\" alt=\"Brotvermehrungskirche (Tabgha)\" width=\"640\" height=\"427\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/gedankentraeger\/33951765536\/in\/album-72157679285763173\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/live.staticflickr.com\/2939\/33951765536_9920a5548e_z.jpg\" alt=\"Kirche der Seligpreisungen\" width=\"640\" height=\"427\" \/><\/a><\/p>\n<p>An der Kirche der Seligpreisungen sang gerade ein Chor in blauen Gew\u00e4ndern, im Hintergrund der See Genezareth im Dunst. Das f\u00fchlte sich schon wieder unwirklich an, eher wie ein verwunschenes Kindheitsbild und nicht wie Realit\u00e4t im Jahr 2017.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/gedankentraeger\/33863481671\/in\/album-72157679285763173\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/live.staticflickr.com\/3956\/33863481671_812ca0fa2e_z.jpg\" alt=\"An der Kirche der Seligpreisungen\" width=\"640\" height=\"373\" \/><\/a><\/p>\n<p>Wir verlie\u00dfen den Norden nicht gerne. Tel Aviv war leicht gewesen, gerade weil es Berlin \u00e4hnelte. Der Norden warf uns erstmals tats\u00e4chlich in eine ganz andere Welt, voller Widerspr\u00fcche, gleichzeitig sch\u00f6n und bedr\u00fcckend, unverst\u00e4ndlich auch zu Teilen, denn je weiter man aufs Land kam, umso schwieriger wurde die Kommunikation. Das ein oder andere Mal sahen wir nur noch Schilder auf Hebr\u00e4isch und Arabisch, deren Alphabete wir beide nicht lesen k\u00f6nnen, und wir fanden niemanden, der Englisch sprach. Einmal verfuhren wir uns deshalb in den Bergen und standen pl\u00f6tzlich vor einer abgeriegelten Sackgasse, die endlich ein Schild auf Englisch bot: &#8222;No entry! Border to Lebanon ahead in 100 m.&#8220;<\/p>\n<p>Verwirrend fanden wir anfangs auch, dass es in der englischen Version der Schilder (normalerweise haben alle Schilder drei Sprachen: Hebr\u00e4isch, Arabisch und Englisch) unterschiedliche Schreibweisen des gleichen Ortes gibt. Auf einem Schild stand etwa: &#8222;Caper Naum.&#8220; Ich fragte mich, ob das Kafarnaum sein k\u00f6nnte. Zwei Kilometer weiter stand auf dem Schild &#8222;Capernaum.&#8220;<\/p>\n<p>Ein Ort konnte auf Englisch bis zu vier verschiedene Schreibweisen haben. Besonders austauschbar waren gleich lautende Buchstaben wie K, C und Q sowie I, J und Y. Zum Unterschied &#8222;zusammen oder getrennt&#8220; kamen Binnenmajuskeln (haNikra, HaHagana), die wiederum aber manchmal auch durch Apostrophe ersetzt wurden. Ich dachte mir: &#8222;Egal welche Schreibweise, aber bitte einigt euch f\u00fcr die englische Version doch auf eine.&#8220; Wir schreiben Wolfsburg schlie\u00dflich auch nicht einfach manchmal Wolfs Burg, oder WolvsPurk oder Wolvs&#8217;burq (vielleicht in Privatorthographie, aber nicht auf Schildern). Ich wollte mich gerne leichter zurechtfinden k\u00f6nnen, aber dieses Denken kam mir dann doch auch ganz sch\u00f6n deutsch vor. Hier musste man sich eben etwas locker machen und nach der Lautsprache gehen. Die W\u00f6rter waren von der Lautsprache ins Englische \u00fcbertragen worden und am einfachsten war es, sich selbst vorzusprechen, was auf dem Schild stand. Dann bemerkte man die \u00c4hnlichkeiten viel schneller, als wenn man sich auf das Schriftbild solcher zudem grunds\u00e4tzlich ungewohnten Namen konzentrierte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir hatten schon von Deutschland aus f\u00fcr eine Woche ein Auto gemietet, um den Norden und S\u00fcden des Landes zu erkunden. Von Tel Aviv aus fuhren wir zun\u00e4chst mit einem Zwischenstopp in Caesarea Richtung Norden nach Oshrat. 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