{"id":5348,"date":"2017-05-05T14:20:04","date_gmt":"2017-05-05T13:20:04","guid":{"rendered":"http:\/\/gedankentraeger.de\/?p=5348"},"modified":"2017-05-05T16:26:05","modified_gmt":"2017-05-05T15:26:05","slug":"israel-palaestina-vierter-teil-qmran-und-beit-jala","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gedankentraeger.de\/?p=5348","title":{"rendered":"israel &#038; pal\u00e4stina [vierter teil: qumran und beit jala]."},"content":{"rendered":"<p>Von En Bokek fuhren wir in Richtung Norden am Toten Meer entlang \u00fcber die Gr\u00fcne Linie hinweg bis hoch nach Qumran. Mir war immer noch nicht so richtig klar, wohin man mit einem israelischen Mietwagen fahren durfte und wohin nicht, aber mein Cousin hatte uns erkl\u00e4rt, dass die Strecke \u00fcber Qumran nach Jerusalem ausschlie\u00dflich durch von Israel kontrollierte Gebiete f\u00fchre und somit f\u00fcr den Mietwagen okay sei. So besichtigten wir die Ausgrabungsst\u00e4tte mit den Felsh\u00f6hlen, in denen einst die Qumran-Schriftrollen gefunden worden waren.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/gedankentraeger\/33994503495\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/live.staticflickr.com\/2853\/33994503495_50e1b7da80_z.jpg\" alt=\"Qumran\" width=\"640\" height=\"427\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/gedankentraeger\/33181668743\/in\/photostream\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/live.staticflickr.com\/2932\/33181668743_9dca13a1f2_z.jpg\" alt=\"Qumran\" width=\"640\" height=\"427\" \/><\/a><\/p>\n<p>Von dort ging es weiter nach Jerusalem, wo wir den Mietwagen zur\u00fcckgaben. Bevor es nun aber um Jerusalem geht: Pal\u00e4stina.<\/p>\n<p>Eine ehemalige Babysitterin von John arbeitet seit sechs Jahren an der deutschen Schule in Beit Jala (auch geschrieben: Bayt Jala oder Bait Dschala, ich sage nur: Wolvs\u2019burq-Syndrom). Jedenfalls hatte sie uns eingeladen zu kommen. Wir sollten in Jerusalem zum Damaskustor laufen und dort in den arabischen Bus nach Bethlehem steigen. Es gebe keine richtigen Bushaltestellen, wir sollten dem Fahrer einfach den Namen der Schule nennen, <a href=\"http:\/\/www.talithakumi.org\/de\/startseite\/\">Talitha Kumi,<\/a> denn der Bus fahre direkt daran vorbei und der Fahrer w\u00fcrde uns dann vor der Schule absetzen.<\/p>\n<p>Am Damaskustor fanden wir problemlos den Bus nach Bethlehem. Der Fahrer sprach zwar kein Englisch, verstand aber den Namen der Schule. Der Bus verlie\u00df Jerusalem und zum ersten Mal durchfuhren wir einen richtigen Checkpoint. Auf der anderen Seite befanden wir uns allerdings immer noch in einem von Israel kontrollierten Gebiet, der sogenannten C-Zone. Hier sollte sich auch die Schule befinden. Wir fuhren weiter und pl\u00f6tzlich informierte uns ein gro\u00dfes, rotes Schild am Stra\u00dfenrand dar\u00fcber, dass wir nun das von der pal\u00e4stinensischen Autonomiebeh\u00f6rde kontrollierte Gebiet erreicht hatten. Israelischen Staatsb\u00fcrgern sei der Zutritt verboten. Der Bus fuhr einfach daran vorbei und hinein in die sogenannte A-Zone. Die Schule sollte aber doch in der C-Zone sein? Wir mussten zu weit gefahren sein. Innerhalb der A-Zone hielt der Busfahrer endlich an und winkte uns zu, dass wir aussteigen sollten. Er deutete auf die Stra\u00dfe und zur\u00fcck, und wir verstanden, dass wir wohl zur\u00fccklaufen sollten. Was war passiert? Hatte er uns vergessen?<\/p>\n<p>Uns blieb nichts \u00fcbrig als auszusteigen und in die Richtung zur\u00fcckzugehen, aus der der Bus gekommen war. Dass wir nun ahnungslos und ohne jede Karte alleine durch die A-Zone liefen, hatten wir so nat\u00fcrlich nicht geplant. Wir hatten kein Gef\u00fchl daf\u00fcr, wie sicher oder unsicher das sein mochte. Wir gingen einfach los, zur\u00fcck in die C-Zone und kamen irgendwann an eine Kreuzung, die wir aus der Busperspektive wiedererkannten. Hier waren wir von links gekommen. Wir bogen ab und folgten weiter dem Busweg, aber es war noch immer keine Schule in Sicht.<\/p>\n<p>Konnte es wirklich so weit zu gehen sein? Wir waren gerade an einem vage offiziell aussehenden Geb\u00e4ude vorbei gekommen. Wie hinderlich immer wieder, dass wir die Schrift nicht lesen konnten. Vor dem Geb\u00e4ude hatten aber ein paar Frauen in Berufskleidung gestanden und geraucht. Sie sahen nach Sprechstundenhilfen oder Krankenschwestern aus. Vielleicht war das eine Praxis oder Klinik? Wir gingen lieber dorthin zur\u00fcck, um nach dem Weg zur Schule zu fragen. Das Geb\u00e4ude stellte sich als Zahnklinik heraus, eine Frau sprach zum Gl\u00fcck Englisch und sie erkl\u00e4rte uns, dass die Schule gar nicht weit entfernt lag, tats\u00e4chlich direkt an dieser Stra\u00dfe.<\/p>\n<p>So standen wir schlie\u00dflich vor dem gro\u00dfen Tor der Schule und wurden hineingelassen, als wir den Namen von Johns ehemaliger Babysitterin nannten. Hinter dem Tor erstreckte sich ein gro\u00dfer, weitl\u00e4ufiger Campus. Wir erfuhren, dass dies mit \u00fcber 1.000 Sch\u00fclern die gr\u00f6\u00dfte Schule Pal\u00e4stinas ist. Und dass den arabischen Bussen von der israelischen Beh\u00f6rde gerade verboten worden war, an der Schule zu halten. Deshalb also waren wir in die A-Zone gefahren. Das hatte Johns ehemalige Babysitterin noch gar nicht gewusst, weil sie mit dem Auto zur Schule kam.<\/p>\n<p>Die Schule beeindruckte uns sehr, wobei der Trubel vielleicht auch nicht repr\u00e4sentativ war. Wir kamen zuf\u00e4llig gerade am <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tag_des_Bodens\">Tag des Bodens<\/a>, der in Pal\u00e4stina gro\u00df gefeiert wird.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/gedankentraeger\/33953433966\/in\/photostream\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/live.staticflickr.com\/2938\/33953433966_7bf92b0fa3_z.jpg\" alt=\"An der Schule wird bei unserem Besuch der &quot;Tag des Bodens&quot; gefeiert\" width=\"640\" height=\"480\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/gedankentraeger\/33623992744\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/live.staticflickr.com\/4160\/33623992744_2599c13604.jpg\" alt=\"Bleib ruhig und sprich Deutsch\" width=\"375\" height=\"500\" \/><\/a><\/p>\n<p>Sp\u00e4ter fuhren wir gemeinsam mit dem Auto in die Berge von Beit Jala. Johns ehemalige Babysitterin wollte uns den Biobauernhof <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/HoshJas\/\">Hosh Jasmin<\/a> zeigen, den ein pal\u00e4stinensischer K\u00fcnstler und Filmemacher dort nach einem Vorbild aus Portland betreibt. Wir tranken pal\u00e4stinensischen Wein und a\u00dfen Hummus, Taboul\u00e9 und Oliven. Das Oliven\u00f6l aus eigener Produktion schmeckte unglaublich gut. Zwischendurch kam auch mal ein Schaf vorbei. Der Ausblick auf die Berge war toll, aber auch wieder sofort mit einer Ern\u00fcchterung verkn\u00fcpft, denn neben den Olivenhainen blickte man in der Ferne auch auf die riesige Mauer an der Grenze zu Israel.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/gedankentraeger\/33609585730\/in\/photostream\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/live.staticflickr.com\/2948\/33609585730_89db95ff17_z.jpg\" alt=\"Hosh Jasmin\" width=\"640\" height=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/gedankentraeger\/33994911145\/in\/photostream\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/live.staticflickr.com\/3946\/33994911145_60ca848f67_z.jpg\" alt=\"Hosh Jasmin\" width=\"640\" height=\"427\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/gedankentraeger\/33837267342\/in\/photostream\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/live.staticflickr.com\/2942\/33837267342_1e24b5eb3c_c.jpg\" alt=\"Leckeres Essen und leckerer pal\u00e4stinensischer Wein\" width=\"533\" height=\"800\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/gedankentraeger\/33953519506\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/live.staticflickr.com\/2930\/33953519506_c0a86af912_z.jpg\" alt=\"Grenzmauer\" width=\"640\" height=\"427\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/gedankentraeger\/33864980041\/in\/photostream\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/live.staticflickr.com\/2950\/33864980041_f626640666_c.jpg\" alt=\"Schaf kommt uns besuchen\" width=\"533\" height=\"800\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ich wei\u00df gar nicht, wie lange wir im Hosh Jasmin geblieben sind, es war so gem\u00fctlich und sch\u00f6n dort, wir bestellten immer mal was Neues und sprachen ausf\u00fchrlich \u00fcber John. Gemeinsame Erinnerungen aus den fr\u00fchen Jahren, als John drei, vier Jahre alt war \u2013 und das an diesem angenehm alternativen, fast ein bisschen magischen Ort.<\/p>\n<p>Gegen Abend brachte uns Johns ehemalige Babysitterin zur\u00fcck an den \u00dcbergang zwischen C-Zone und A-Zone. Unterwegs zeigte sie uns die unterschiedlichen Autokennzeichen: die israelischen sind gelb und die pal\u00e4stinensischen gr\u00fcn-wei\u00df. Das war mir vorher \u00fcberhaupt noch nicht aufgefallen. So viele Details.<\/p>\n<p>Den Bus zur\u00fcck nach Jerusalem mussten wir \u2013 wie wir nun ja wussten \u2013 in der A-Zone finden. Wir liefen also wieder an dem gro\u00dfen, roten Schild vorbei und trafen auf der anderen Seite einen freundlichen Mann, der uns den Weg zu einem Ort wies, an dem der Bus \u00fcblicherweise anhalte (wie gesagt: keine Bushaltestellen, keine Schilder, kein nichts). Wir warteten etwa 20 Minuten und dann kam ein Bus, der tats\u00e4chlich anhielt. Es sa\u00dfen viele Schulkinder darin und ein paar Erwachsene, nur wenige Touristen. Am Checkpoint stiegen die Kinder aus. Ein M\u00e4dchen, das vor uns gesessen hatte, lie\u00df ihr Mathebuch auf dem Sitz liegen. Ich nahm es und ging ihr hinterher: &#8222;You forgot your book!&#8220; Ein Mann drehte sich um, l\u00e4chelte und erkl\u00e4rte: &#8222;You can just leave it. They will all get back on.&#8220;<\/p>\n<p>Ah! Wir Touristen durften sitzen bleiben und unsere P\u00e4sse wurden im Bus kontrolliert, aber die Schulkinder mussten durch den Checkpoint laufen. Der Bus fuhr 50 m vor und auf der anderen Seite stiegen alle wieder ein. Mann, Mann, Mann. Auch nach zwei Wochen im Land f\u00fchlte ich mich immer noch st\u00e4ndig wie &#8222;fresh off the boat.&#8220; Aber was f\u00fcr ein sch\u00f6ner Tag in Beit Jala.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von En Bokek fuhren wir in Richtung Norden am Toten Meer entlang \u00fcber die Gr\u00fcne Linie hinweg bis hoch nach Qumran. 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