{"id":787,"date":"2009-03-11T14:19:20","date_gmt":"2009-03-11T12:19:20","guid":{"rendered":"http:\/\/gedankentraeger.de\/?p=787"},"modified":"2009-03-12T12:06:35","modified_gmt":"2009-03-12T10:06:35","slug":"walter-jens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gedankentraeger.de\/?p=787","title":{"rendered":"walter jens."},"content":{"rendered":"<p>Oliver Tolmein hat in der FAZ einen sehr guten Artikel \u00fcber Walter Jens, bzw. auch \u00fcber Hans K\u00fcngs Gedanken zu Walter Jens geschrieben: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360\/Doc~E6ED798492DEC4ED99C4CA2165EAD54E5~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">&#8222;Wer schlie\u00dft sich ab?&#8220;<\/a><\/p>\n<p>Ich finde die Erkenntnis sehr wichtig, dass der Fall von Menschen in eine andere Ordnung \u2013 sei es durch eine geistige Behinderung oder durch eine Altersdemenz \u2013 vor allem das Gegen\u00fcber vor ein Problem stellt, nicht zwangsl\u00e4ufig den Betroffenen selbst. Dem Betroffenen selbst mag es im Gegenteil sogar sehr gut gehen, was vielen anscheinend wiederum so unerh\u00f6rt scheint, dass sie das am liebsten ausblenden m\u00f6chten, und ihm stattdessen wom\u00f6glich gar unterstellen, er selbst h\u00e4tte nie so leben wollen. Diese Anma\u00dfung ist nichts als ein Ausdruck der eigenen Hilflosigkeit und des eigenen Unverm\u00f6gens, den Menschen so zu akzeptieren, wie er geworden ist.<\/p>\n<p>Wenn die Selbst- und Weltvergewisserung in der und durch die Sprache (und\/ oder den Intellekt) nicht mehr gelingt, muss eine neue Verst\u00e4ndigungsform gefunden werden, die gar nicht mehr auf die Herstellung von Verst\u00e4ndlichkeit zielt, und die die Ebene des Verlustes gar nicht zu \u00fcberkommen trachtet. Wir m\u00fcssen erst lernen, Menschen zuzuh\u00f6ren, die anders kommunizieren. Wir m\u00fcssen auch lernen, dass es Menschen gibt, die viel zu sagen haben, auch wenn sie dies nicht sprachlich vermitteln k\u00f6nnen. Wir m\u00fcssen auf vielen Ebenen lernen, \u00fcber unsere Gewohnheiten und Annahmen hinauszugehen. Nicht nur Sch\u00f6nheit, auch Normalit\u00e4t liegt im Auge des Betrachters. Am Ende seines Lebens auf Hilfe angewiesen zu sein, d\u00fcrfte eigentlich als normal angenommen werden. Wir kommen und gehen nicht alleine in die und aus der Welt.<\/p>\n<p>Bei der Einbindung und Akzeptanz von Menschen mit k\u00f6rperlichen Behinderungen hat unsere Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten viele Fortschritte gemacht. Was aber die Einbindung und Inklusion von geistig Behinderten oder auch dementen Menschen betrifft, liegt noch ein weiter Weg vor uns. Damit werden die Familien noch weitgehend alleine gelassen und sie sind in der \u00d6ffentlichkeit auch wenig erw\u00fcnscht.<\/p>\n<p>W\u00fcrde ist nicht nur ein politisches Konstrukt, sondern auch eine gesellschaftliche Aufgabe, an der unsere Gesellschaft leider im Moment noch scheitert. Mit der Aufkl\u00e4rung (die Hegel ja als die Wiege des Utilitarismus beschreibt) und mit dem Diktat der Rationalit\u00e4t sind Werte entstanden, die unserer Zeit nicht mehr gen\u00fcgen. Das hei\u00dft nicht, dass man sie gleich zum Fenster hinauswerfen muss, aber man muss ihr schonungsloses Diktat \u00fcberdenken, gerade in einer Welt, in der die Menschen immer \u00e4lter werden und sich gegen Ende ihres Lebens vielleicht zunehmend jenseits der Rationalit\u00e4t aufhalten. In Liebe zu einem so dispositionierten Menschen kann man das nicht nur annehmen, sondern sogar gut damit leben &#8211; sch\u00f6n w\u00e4re allerdings, dabei mehr Unterst\u00fctzung und Zuspruch von au\u00dfen zu bekommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oliver Tolmein hat in der FAZ einen sehr guten Artikel \u00fcber Walter Jens, bzw. auch \u00fcber Hans K\u00fcngs Gedanken zu Walter Jens geschrieben: &#8222;Wer schlie\u00dft sich ab?&#8220; Ich finde die Erkenntnis sehr wichtig, dass der Fall von Menschen in eine andere Ordnung \u2013 sei es durch eine geistige Behinderung oder durch eine Altersdemenz \u2013 vor [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"class_list":["post-787","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ethik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/787"}],"collection":[{"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=787"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/787\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=787"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=787"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gedankentraeger.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=787"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}