der anwalt vor gericht.

Wenn gar nichts mehr geht, dann klagen die Behörden den Anwalt an, der versucht, seinen Klienten Recht zu verschaffen: „Regelmäßig setzten die Behörden vor die Gewährung von Sozialleistungen hohe Hürden. So hoch, dass sie vielen Behinderten verwehrt blieben. Der Fall der beiden Kinder etwa, an deren Verfahren sich der Streit zwischen den Behörden und Kroll entzündet hatte, wäre beinahe so verlaufen, dass der Landkreis Oldenburg Geld gespart hätte, den Kindern aber dafür nicht entsprechend ihrer Behinderung geholfen worden wäre. Die Schulbehörde hatte den Eltern gesagt, vor Antrag auf Eingliederungshilfe für den Besuch einer Regelschule müsse ein Gutachten über den sonderpädagogischen Förderbedarf gestellt werden – dessen Ergebnis in einem der Fälle dazu geführt hatte, dass das Kind auf eine Förderschule für Körperbehinderte gehen sollte, deren Lehrer nach Angaben des damaligen Schulleiters mit Autisten überfordert waren. Kroll erst wies die Eltern darauf hin, dass ihnen Unwahres gesagt worden war. Das sonderpädagogische Gutachten sei nicht verpflichtend, vor Gericht erstritt er dann die erhoffte Zahl an Betreuungsstunden, die der Landkreis nun finanzieren muss. Kroll vermutet ein „Stillschweigeabkommen zwischen Sozial- und Schulbehörden mit dem Ziel, die Kinder in die mit Landesmitteln finanzierten Förderschulen abzuschieben“.

which kind of happiness?

„The distinction between a psychologically happy person and an ethically happy life is important, because it pinpoints the division between the happiness psychologists typically research and the happiness philosophers have sought to formulate.“ [#]

the talker is in da house [und wir im badezimmer].

Ich möchte den kleinen Cousin von R2-D2 vorstellen: das neue Kommunikationsgerät, inklusive Software für allerdings unverschämte 900 Euro, nach erstmaligem Ablehnen und folgender ‚Bewilligung nach Einspruch‘ dann doch von der Krankenkasse bezahlt (die Bürokratie!), hört auf den star-wars-artigen Namen GoTalk20+ und arbeitet mit Symbolen, dem geschriebenen Wort, und dazu mit der gesprochenen Sprache: wenn man auf ein Kommunikationsfeld drückt, wird das, was abgebildet ist und geschrieben steht, zusätzlich noch gesprochen. (Kann man selber aufnehmen und bestücken, mit der Software, die tausende von Symbolen enthält und individuell angepasst werden kann. Wenn man die Software installiert, muss man sich zuerst entscheiden, ob man „die sexuellen Symbole“ mitinstallieren will, ein amerikanisches Programm, natürlich. Ha, ich habe für das achtjährige Kind gleich eines der sexuellen Symbole verwendet, ich brauchte nämlich eins für „Kuscheln“, und da kamen eigentlich nur die beiden süßen Figuren in Frage, die sich umarmen. Die sind tatsächlich Teil der „sexuellen Symbole.“) Der entscheidende Unterschied zu reinen Bild- und Wortkarten, die wir bisher benutzt haben, und mit denen wir irgendwie in eine Sackgasse geraten sind, ist also das zusätzliche Hören des Symbols, bzw. das Sprechen des Gerätes. John selbst kann nur wenig sprechen, die Idee ist also, dass das Gerät das für ihn übernimmt. Dieses System ist sehr ausbaufähig und geht bis zu hochkomplexen Computern, mit denen einige nicht-sprechende Autisten hervorragend kommunizieren können.

Nun soll man das Training mit einem einzigen Symbol beginnen, das eine größtmögliche Motivation mit sich bringt. Zuerst wollte ich Eis nehmen, weil Eisessen natürlich eine Riesenmotivation ist, aber da das Kind bei jedem erfolgreichen Benutzen sofort das Angeforderte bekommen muss, entschied ich mich doch gegen das Eis, und nahm stattdessen ein für John ähnlich motivierendes Symbol: Baden.

Man ahnt es schon. Binnen vier Tagen, in denen ich für und vor John den Knopf drückte, und den erfreuten Sohnemann dann in die Wanne setzte, hatte er es schon verstanden. Am fünften Tag drückte er bereits selbst das Symbol mit der Badewanne, zielsicher zwischen all den anderen. Nun hat er den Talker sogar schon selbst aus der Schublade geholt, mir gebracht, mit triumphierendem Blick dezidiert auf „Baden“ gedrückt, und ist daraufhin schnell zur Badezimmertür vorgelaufen.

Seither sitzt John, wenn er wach ist und Zuhause, eigentlich nur noch in der Badewanne, und ich auf dem Klodeckel neben ihm. Was waren das noch für schöne Zeiten, als man mal im Wohnzimmer sitzen konnte. An unsere nächste Gasabrechnung möchte ich gar nicht denken. (Kann man die auch bei der Pflegekasse einreichen?) Die Haut des Kindes ist schrumpelig, seine Augen sind rot, aber er ist glücklich – und wahrscheinlich bereit dafür, dass ein bis zwei weitere Symbole in Aktion treten.

Hauptsache, dieser Ansatz wendet sich nicht gegen mich: kein Mensch kann mir schließlich garantieren, dass er das Gerät irgendwann auch für alltägliche Kommunikation nutzen wird, und nicht nur für „Baden“, „Eis“ und „Cheeseburger.“ Mich beschleicht so ein Verdacht. Aber man muss es ja versuchen. [Kindererziehung ist der härteste Job der Welt.]

elias canetti.

„Jedes Leben ist lächerlich, das man gut genug kennt. Wenn man es noch besser kennt, ist es ernst und furchtbar“, schreibt Elias Canetti in ‚Der andere Prozeß. Kafkas Briefe an Felice.‘

Ebenfalls in ‚Das Gewissen der Worte‘, dem Band, in dem sich das Kapitel über Kafka findet, gibt es den Text ‚Dialog mit dem grausamen Partner. Über Aufzeichnungen, Merkbücher und Tagebücher.‘ Über die Tagebücher der Nähe schreibt Canetti: „Diese liebt man, weil es kaum eine Seite gibt, auf der sich nicht etwas findet, das einen persönlich betrifft. Es mag einem zumute sein, als habe man dies oder jenes selbst schon irgendwo aufgeschrieben. […] Dieser Prozess einer intimen Begegnung ist schon darum aufregend, weil sich gleich neben dem ‚Eigenen‘ etwas anderes findet, das man nie so gedacht oder aufgeschrieben haben könnte. Es ist das Schauspiel zweier Geister, die sich durchdringen: an einigen Punkten berühren sie sich, an anderen bilden sich Hohlräume zwischen ihnen, die auf keine Weise aufzufüllen wären. Das Gleichartige wie das Verschiedene findet sich so nah beisammen, dass es zum Denken zwingt.“

what do you love about music?

„Sacks relays his clinical experiences working with a range of patients including individuals who struggle to connect with music’s melody, Parkinsonian patients who depend on music’s rhythm, and Alzheimer’s patients who find comfort in music’s emotion. These people use music as a lifeline and a way to connect to the world – something rock fans certainly understand.“ (‚Sound opinions‘ Podcast mit Oliver Sacks als Gast)

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