anzeige in der taz.

Oder hier als PDF, die man vielleicht besser lesen kann: anzeige

Ich bin nun erstmal ebenso hauptberuflich wie ehrenamtlich im Schulhelferprotest tätig. Mittwoch habe ich unser Anliegen im Landesbeirat für Behinderte im Roten Rathaus mit vorgetragen und wir haben breiteste Zustimmung bekommen. Der Landesbeirat schreibt dem Senat, den Fraktionen und dem Bildungsausschuss mit der Bitte um Stellungnahme bis November. Die Unterstützung des Landesbeauftragten für Behinderte haben wir auch, er hat das Thema sehr gut in seinen Verstößebericht aufgenommen.

Donnerstag haben wir ein Koordinierungstreffen für eine Pressekonferenz gemacht, die nächsten Freitag in einer Spandauer Schule stattfinden wird. Das Elternzentrum co-veranstaltet also erstmals eine Pressekonferenz. In den letzten Tagen habe ich mit vielen Journalisten Kontakt aufgenommen, von den verschiedensten Zeitungen und Fernsehsendern. Der Tagesspiegel schweigt sich beharrlich aus. Ich habe das Gefühl, die Journalisten Lobbyisten dort sind im SPD-Wahlkampf und wollen gerade auf keinen Fall etwas Negatives über die SPD schreiben. Das Thema in die Öffentlichkeit zu bringen ist wie auch in den Vorjahren eine sehr zähe Angelegenheit. Ich habe schon ein Feedback bekommen, in dem es hieß, das Thema sei wohl leider nicht von breitem Interesse. Überall wird „überlegt“, überall „muss das noch entschieden werden.“ Egal, wem wir von unseren Problemen erzählen, alle fragen uns, warum denn darüber nicht großräumig berichtet wird. Irgendwie besteht eine sehr große Diskrepanz zwischem dem tatsächlichen Interesse der Menschen und dem Desinteresse, das die Journalobbyisten unterstellen.

Aber Montag kommt ein Beitrag im Fernsehen, in der Abendschau auf rbb, und nächsten Freitag dann die Pressekonferenz. Heute unsere ganzseitige, farbige Anzeige in der taz, die ich mir eben gekauft habe: wunderbar! Noch einmal tausend Dank an alle Spender!

die wende.

Nach all meinen Anstrengungen in den letzten Monaten, Wochen und besonders intensiv in den letzten Tagen, nach vielen Kontakten und mit viel Hilfe von den unterschiedlichsten Seiten: die Schulleiterin hat einen Anruf der Bildungsverwaltung bekommen, dass John aufgrund der Schwere des Falls die fehlenden Stunden nachbewilligt werden. Ich bin unglaublich erleichtert. Mein Kind kann wieder in die Schule gehen, ich kann wieder arbeiten, puh.

Ich bin mir zwar sicher, dass ich das Gerichtsverfahren gegen die Bildungsverwaltung gewonnen hätte, aber wieviel Kraft hätte mich das wieder gekostet, und wie lange hätte das Prozedere gedauert? Ich weiß, dass damit vielen anderen Kindern noch nicht geholfen ist, denn meines Wissens gibt es erst zwei Fälle, bei denen nachbewilligt wurde, aber nun habe ich, wenn John wieder die Schule besucht, mehr Zeit und Energie, den anderen dabei zu helfen, dass ihre Kinder auch zu ihrem Recht kommen.

sozialgericht.

Heute habe ich beim Sozialgericht einen Eilantrag auf Integrationsassistenz gestellt.

Die Bildungsverwaltung hat derweil die Schule beauftragt, John an den drei schulhelferlosen Tagen einen Betreuer an die Seite zu geben. Wir brauchen aber nicht irgendeinen Betreuer, sondern wir brauchen einen geeigneten, in Autismus erfahrenen und qualifizierten Schulhelfer, sonst entwickeln sich sofort wieder massive Verhaltensprobleme und Aggressivität, ganz zu schweigen von dem nötigen Vertrauen in Johns Sicherheit. Leider ist es nun einmal so, dass man John nicht einfach einer x-beliebigen Person überantworten kann. Man darf ihn keine Sekunde aus den Augen lassen und man muss ganz sicher sein im Umgang mit ihm. Nicht ohne Grund haben wir immer solche Schwierigkeiten, neue Einzelfallhelfer zu finden, wenn einer geht (was zu den Herbstferien auch wieder auf uns zukommt). Und lernen kann John ohne autismusspezifische Förderung auch nicht – und die hat ein Betreuer nicht erlernt.

Tatsache ist: Johns Bedürfnislage hat sich im Gegensatz zu den ersten beiden Schuljahren nicht geändert. Es gibt keine Entwicklungsfortschritte, die eine Kürzung der Stunden rechtfertigen. Er braucht einen erfahrenen und beständigen Schulhelfer, eine Vertrauensperson. Der Senat besteht auf seinen Kürzungen, also muss das Gericht entscheiden und in der Zwischenzeit geht John nur an den beiden Tagen in die Schule, an denen er den Schulhelfer an seiner Seite hat. Alles andere könnte ich gegenüber meinem Kind gar nicht verantworten.

spendenbitte.

Schwedenurlaub ohne Internet ist theoretisch eine schöne Idee, praktisch aber eher umständlich, wenn anderthalb Wochen vor Schulbeginn immer noch keine Bewilligung der nötigen Schulhelferstunden da ist. Als wir für drei Wochen ein Haus in der Wildnis gebucht haben, wollten wir endlich mal von allem wegkommen – nun aber bedeutet das, dass ich jeden Tag 24 km in den nächsten größeren Ort fahren muss. Ich habe mich dort in der Bibliothek registriert und komme damit ins Internet. Unser Protest gegen die Kürzungen der Schulhelferstunden ist in vollem Schwung. Momentan haben wir trotz vieler Gespräche und auch einiger guter neuer Zeitungsartikel noch immer nichts erreicht: wenn sich nichts ändert, wird John ab übernächster Woche wie viele andere Kinder nicht voll beschult werden können. Ich könnte dann nicht mehr arbeiten – und abgesehen davon zeigen mir fast sieben Wochen Sommerferien auch, dass mir die Betreuung ohne Schule langsam über den Kopf wächst. Wenn John nicht voll beschult wird, dann bleibt irgendwann keine andere Möglichkeit als eine Heimunterbringung. Wir leben am Limit, die Tag-und-Nacht-Betreuung ist ein ausgeklügeltes System aus Eltern, Helfern, Schule: wenn da eine Komponente wegbricht, bricht das System zusammen. Noch können wir John Zuhause haben – eben weil wir so ein funktionierendes System aufgebaut haben. Nächsten Monat wird er neun Jahre alt, und ich hatte eigentlich gehofft, dass er noch ein paar Jahre Zuhause leben kann. Mal ganz abgesehen vom Recht auf Bildung, von Schulpflicht und allen anderen offensichtlichen Argumenten ist dies unsere größte persönliche Sorge.

Was der rot-rote Senat in den letzten anderthalb Jahren mit uns gemacht hat, ist blanker Hohn; ein unvergleichliches Trauerspiel der Politik. Wie man uns in Senatsgesprächen immer wieder vertröstet hat, nur um kurze Zeit später die Bewilligungen eben doch nicht auszustellen. Zum Glück spricht die neueste Pressemitteilung der Grünen vom 12. August deutlich aus, wie jämmerlich sich SPD und Linke beim Thema Schulhelfer verhalten haben und weiter verhalten:

Rot-rot muss Schulhelfer-Chaos beenden

Vom „Elternzentrum Berlin“, dem Verein, den ich mitbegründet habe und bei dem ich im Vorstand bin, arbeiten wir seit über einem Jahr sehr effektiv am Protest. Wir konnten die Katastrophe bisher immer wieder abwenden – nur sieht es dieses Mal nicht mehr danach aus. Nun haben wir allerlei neue Ideen und Aktivitäten, die allerdings Geld kosten, welches wir noch nicht in der Vereinskasse haben (wir arbeiten gerade daran, über Stiftungen etc. ein finanzielles Polster zu bilden). Wir möchten gerne eine ganzseitige Anzeige in einer Berliner Tageszeitung schalten, und brauchen für dieses konkrete Projekt Geld. Wir haben eine Website zum Spenden eingerichtet:

Spenden für die Bildung schwerbehinderter Kinder

Wir haben ein PayPal-Konto eingerichtet, so dass das Spenden auf der Website auch sehr einfach geht, wenn man keine Lust hat, eine Überweisung zu tätigen. Da unser Verein anerkannt gemeinnützig ist, können wir selbstverständlich Spendenquittungen ausstellen, so dass die Spenden in der Steuererklärung problemlos absetzbar sind.

Über jede kleine Hilfe freuen wir uns. Unser Ziel ist es, bis zum 5. September 2.772 Euro zu bekommen, damit unsere Anzeige in der Wochenendausgabe erscheinen kann. Den Tarif für die Anzeige haben wir schon verhandelt, den Anzeigentext fertig geschrieben und eine Grafikerin hat uns das Layout gesponsert – es ist sehr schön geworden. Nun fehlt nur noch das Geld, um diese Anzeige zu schalten. Nähere Infos zur Problematik u.a. auf unserer Protest-Website, oder auch in drei neuen Zeitungsartikeln:

Eltern kämpfen um Recht auf Bildung

Für behinderte Kinder fehlen die Schulhelfer

Lernerfolge bleiben aus

Sehr dankbar wäre ich auch, wenn andere Weblogs den Link zu unserer Spenden-Website verbreiten.

über die notwendigkeit von schulhelfern.

Am 31. August 2007 wurde mein Sohn an der Helene-Haeusler-Schule, einem Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“, eingeschult. Die Einschulungsfeier fand in der Aula im ersten Stock des Schulgebäudes statt. Im Laufe der Feier öffnete ein Elternteil unbedarft ein Fenster, um frische Luft hineinzulassen. John rannte sofort los und wurde durch Glück und Geistesgegenwart gerade noch rechtzeitig von der Fensterbank gezogen, bevor er aus dem Fenster springen konnte. John ist motorisch sehr aktiv und fit – bei fehlendem Gefahrenbewusstsein. Man kann ihn keine einzige Sekunde aus den Augen lassen, ohne seine Gesundheit und sein Leben zu gefährden. John hat einen schweren frühkindlichen Autismus, in einer ausgeprägten Form, die in Fachkreisen als eine der schwersten Behinderungen überhaupt bekannt ist. Das Umfeld, in dem er sich bewegt, muss extrem an seine Bedürfnisse angepasst werden. Geschieht dies nicht, so kommt es neben dem stetigen Gefahrenpotential vor allem zu ausgeprägten Auto-, Fremd- und Sachaggressionen.

Eigentlich war John schon ein Jahr früher schulpflichtig gewesen, aber da wir keinen Schulplatz für ihn gefunden hatten, ließ ich mich auf den Vorschlag der für ihn zuständigen Ambulanzlehrerin ein, ihn ein Jahr von der Schulpflicht zurückzustellen. Weil mein Sohn die Pflegestufe III hat, zu 100% schwerbehindert ist, inklusive Vermerk „B“ („Die Notwendigkeit ständiger Begleitung ist nachgewiesen“), und eine 1:1-Betreuung benötigt, gestaltete sich die Schulsuche als sehr schwierig. Er hätte eigentlich in die Schulgruppe des Vereins „Autismus Deutschland“ gehört, die ursprünglich für die am schwersten beeinträchtigten Kinder gegründet wurde, eben jene Kinder, die an anderen Schulen nicht beschulbar sind. Tatsächlich hat der Verein aber schon seit Jahren eine andere Politik betrieben und beschult mitnichten die am schwersten beeinträchtigten Fälle, sondern Kinder, die sprechen können und in Leistungstests gut abschneiden. Im Verein ist man der Meinung, diese Kinder seien förderungswürdiger. „Die frühkindlichen Autisten kann man genauso gut in Schulen für geistig Behinderte geben“, sagte mir die 2. Vorsitzende des Vereins einst am Telefon. Nun ist es aber leider so, dass die Schulen für geistig Behinderte eben nicht dafür ausgestattet sind, schwere frühkindliche Autisten zu betreuen, wie man alleine an dem Beispiel der Einschulungsfeier schon sehen kann.

Dass John an einer normalen Sonderschule nur mit einem Schulhelfer beschulbar ist, war den Fachleuten von Anfang an klar, sie schrieben sofort dementsprechende Gutachten, der Antrag wurde gestellt, den Bewilligungsbescheid erhielt ich aber erst mitten in den Sommerferien. Ob mein Sohn tatsächlich zur Schule gehen wird, erfuhr ich drei Wochen vor der Einschulung. Ich hatte mich schon darauf vorbereitet, meine Berufstätigkeit aufgeben zu müssen.

Der Vertrag des Schulhelfers lief nur über ein halbes Jahr, bis zum 31. Januar 2008. Anfang Januar 2008 hieß es dann zunächst, dass die Stunden für das zweite Halbjahr gekürzt werden. Die Senatsschulverwaltung hatte allerdings die im unabhängigen fachlichen Gutachten beantragte Stundenzahl von 35 Stunden sowieso schon erheblich unterschritten, indem sie nur 25 Stunden bewilligt hatte. Das bedeutete für mich im ersten Schulhalbjahr meines Sohnes, dass die Schulzeit nicht komplett abgedeckt war und ich donnerstags verkürzt arbeiten musste. Ich hätte dagegen gerichtlich vorgehen können, arrangierte mich aber lieber mit der Situation, denn die Schule gab sich wirklich viel Mühe, John in das Schulleben zu integrieren. Eine Klage hätte der Schule Schwierigkeiten bereitet, auch wenn der Senat Schuld daran hatte, dass eine volle Beschulung unmöglich war. Eine weitere Kürzung der Stunden durch die Senatsverwaltung aber würde meine Berufstätigkeit endgültig gefährden. Ich konnte mich erfolgreich wehren, und der Vertrag wurde für das zweite Halbjahr ohne Änderungen verlängert.

In die ersten Sommerferien gingen wir erneut mit Ungewissheit, denn wieder wurde der Vertrag nicht rechtzeitig verlängert. In der ersten Schulwoche dann wurde der Vertrag des Schulhelfers ausgestellt, dieses Mal allerdings noch nicht einmal mehr für ein Halbjahr, sondern befristet auf das Ende des Kalenderjahres, also bis zum 31.12.2008. Eine Woche vor den Weihnachtsferien machten wir Eltern wieder Druck und die Verträge wurden bis zum 31. Juli 2009 verlängert. Für das anstehende dritte Schuljahr meines Sohnes sieht die Lage nun schlimmer aus denn je: die 25 Schulhelferstunden, die sich schon am absoluten Limit des Machbaren bewegen, sollen erneut gekürzt werden. Für die ganze Schule wurden nur 50 Stunden pro Woche bewilligt, dabei gibt es 11 Kinder, die einen Schulhelfer brauchen, davon 4 schwer beeinträchtigte Autisten, die einen hohen Stundenbedarf haben. Der Senat weigert sich, die Kürzungen zurückzunehmen und behauptet, die Schulen seien ausreichend versorgt. Wie viel tatsächlich in allen Bezirken gekürzt wurde, tragen wir Eltern gerade wieder zusammen, in Kontakt mit den Behindertenbeauftragten, den bildungspolitischen Sprechern, den Gremien wie Landeselternausschuss und Landesschulbeirat. Andere Menschen haben Ferien, aber wir nicht, denn mehr denn je sieht es so aus, als ob mein Sohn im neuen Schuljahr nicht voll beschult werden kann. Ich bin Freiberuflerin und kann darum keine neuen Aufträge annehmen, die Situation ist wieder einmal katastrophal.

Dabei ist unklar, ob dem Senat in dieser wiederkehrenden Angelegenheit einfach auf eine naive Weise das Verständnis für die Bedürfnisse fehlt, oder ob es sich hier um die bewusste Exekution eines politischen Willens handelt. (An Geld kann es jedenfalls nicht mangeln, denn für die ausreichende Schulhelferversorgung fehlen ca. 1,5 Mio. Euro und solange man sich ein Stadtschloss für über 550 Mio. leisten kann, ist man für die Beschulung schwerstbehinderter Kinder nicht zu arm.)

Sollte es dem Senat am Verständnis für die Bedürfnisse mangeln, so sollten die Entscheidungsträger einmal die Schulen besuchen und sich ein Bild der Kinder und ihrer Bedürfnisse machen. Dies haben Herr Laube (SenBWF) und Herr Teichert (SenFin) bereits getan, und laut Aussage von Herrn Laube haben sie bei dieser Hospitation durchaus erkannt, dass es auch an Sonderschulen in bestimmten Fällen Bedarf für Schulhelfer gibt. Die gerade verfasste neue Verfahrensverordnung für Schulhelfer enthält aus diesem Grund explizit und korrekterweise den Passus, dass es auch an Sonderschulen Schulhelfer geben darf. Verhandlungsführer mit der Finanzverwaltung über das Budget war aber nicht Herr Laube, sondern Frau Zinke, und letztlich verantwortlich sind Herr Zöllner und Herr Nussbaum, und diese Verantwortlichen haben ein gedeckeltes Budget beschlossen, das viel zu niedrig ist, und an dem nun besonders die Sonderschulen leiden, da laut Schulgesetz die Integration Vorrang hat.

Wie ist das also mit der Integration und dem politischen Willen zur integrativen (oder besser: inklusiven) Beschulung? Die Sonderschulen sind ein Auslaufmodell, so viel ist klar. Spätestens seit der deutschen Ratifizierung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen stehen alle Zeichen auf Inklusion. Nun haben wir also einen stetig steigenden Bedarf an Schulhelferstunden für die Integration an Regelschulen, aber ein gedeckeltes Budget. Die Frage ist, ob man die bei der zunehmenden Inklusion entstehenden Mehrkosten in der momentanen Übergangsphase ausgerechnet durch Kürzungen bei den am schwersten beeinträchtigten Kindern in den Sonderschulen kompensieren kann und soll. Dies geschieht bei dem momentan gedeckelten Budget unweigerlich, und dies nehmen die regierenden Parteien SPD und Linke bewusst, wenn auch möglichst stillschweigend, in Kauf.

Ganz abgesehen davon reicht das Budget nicht einmal mehr für die Regelschulen, so dass Integrationskinder auch dort von Kürzungen und Streichungen betroffen sind. Diesen Kindern droht ohne Schulhelfer ein Abrutschen in die Sonderschule. Auch die Eltern von weniger schwer beeinträchtigten Kindern machen sich darum verständlicherweise große Sorgen. Die Kinder aber, die an den Sonderschulen einen Schulhelfer brauchen, sind ohne Schulhelfer gar nicht beschulbar. Auch für sie ist der Schulhelfer integrativ oder inklusiv tätig, denn ohne 1:1-Betreuung müssen Kinder wie John Zuhause bleiben und ihre Schulpflicht wird mittels Hausunterricht abgedeckt. Das würde bedeuten, dass John nicht mehr in die sozialen Strukturen einer Schule integriert wäre (und ich könnte nicht mehr arbeiten und würde ebenfalls isoliert).

Für ein schwer beeinträchtigtes autistisches Kind wie John ist es so, dass er in jeder Schulform einen Schulhelfer braucht. Ohne 1:1-Betreuung besteht großes Gefahrenpotential.  In einer Schule mit 140 Schülern und viel Personal steht leicht eine Tür offen, auch wenn groß darauf steht: „Diese Tür bitte immer geschlossen halten.“ Ich habe selbst erlebt, wie ein Zivildienstleistender zum Rauchen nach draußen ging, die Tür nicht schloss und John fast entkommen wäre. Die Schule liegt direkt neben der sechsspurigen Mollstraße, binnen einer Minute hätte John tot sein können. Die Schule gibt sich die größte Mühe, alles so zu gestalten, dass es für und mit John funktioniert, aber es gibt nun einmal Kinder, die jederzeit eine 1:1-Betreuung brauchen, und dafür reicht auch der zugegeben gute Personalschlüssel an den Sonderschulen nicht aus. Mit den jetzigen Kürzungen und Streichungen der Schulhelferstunden setzt der Senat die Gesundheit und das Leben von Kindern aufs Spiel. Wenn das erste Kind ernsthaft verletzt ist, vermisst wird oder unter ein Auto läuft und stirbt, dann wird der Aufschrei groß sein. Nur müssen wir uns dann nicht fragen, wie so etwas passieren konnte, denn die Antwort auf diese Frage kennen wir. Wenn John etwas geschieht, werde ich Herrn Laube, Herrn Zöllner und Herrn Nussbaum persönlich dafür haftbar machen.

Neben dem Gefahrenpotential brechen ohne 1:1- Betreuung aber vor allem auch starke Aggressionen aus, die aus der Frustration entstehen, sich in einer Struktur zu bewegen, die nicht den eigenen Bedürfnissen entspricht. Der Autist findet sich ohne einen „Übersetzer“ nicht in sozialen Strukturen zurecht, und der Schulhelfer ist dieser „Übersetzer.“ Dabei spielt es keine Rolle, welche Schulform das Kind besucht: ein Schulhelfer als „Übersetzer“ dient der Inklusion, die für ein schwer autistisches Kind in eine neurotypische Umwelt immer schwer zu erreichen ist. Der Schulhelfer ist also für ein autistisches Kind immer eine integrativ oder inklusiv tätige Person, das ist grundsätzlich wichtig zu verstehen.

Der Schulhelfer sorgt dafür, dass sich John möglichst viel in die Klasse integriert. Wenn John überfordert ist und aggressiv wird, verlässt er mit ihm den Raum, und kehrt zurück, wenn sich John beruhigt hat. Der Schulhelfer arbeitet mit Lernmethoden speziell für Autisten, die sich von denen der Heilpädagogik für geistig Behinderte unterscheiden, die sonst an seiner Schule verwendet werden. Während der Rest der Klasse etwa Smileys sammelt und durch solche Smileys tatsächlich motiviert wird, ist es einem Autisten herzlich egal, ob jemand hinter seinen Namen ein lachendes Gesicht klebt. Derartige pädagogische Ansätze gehen an einem Autisten völlig vorbei. John muss anders motiviert werden, und dazu gibt es spezielle verhaltenstherapeutische und vor allem kommunikations-unterstützende Ansätze, die nur in 1:1-Arbeit angewendet werden können – dazu kann der Schulhelfer von der Lehrerin eingesetzt werden, denn sie muss sich schließlich um eine ganze Klasse kümmern.

Kinder wie John brauchen einen sicheren und qualifizierten Umgang, Vertrauenspersonen. Der Schulhelfer muss ihn oft aus dem Unterricht herausnehmen, in leere Schulräume, in denen sich das Kind beruhigen kann. Bei einem nicht-sprechenden Kind gehört also das allergrößte Maß an Vertrauen zur Wahl des Schulhelfers, der auch viel Zeit alleine mit dem Kind verbringt und sehr geduldig sein muss. Aber nicht nur die Eltern müssen dem Schulhelfer vertrauen, sondern es muss auch ein Vertrauensverhältnis zwischen dem Schulhelfer und dem Kind bestehen. Ein solches aufzubauen dauert – wie in jeder Beziehung – eine lange Zeit.

Offensichtlich haben die Verantwortlichen keine Ahnung, wie schwer es ist, überhaupt geeignetes Betreuungspersonal zu finden. Ich habe bisher nur einmal versucht, meinen Sohn in den Ferien für vier Tage in eine Kurzzeitpflege zu geben. Ich sagte in den Vorgesprächen immer wieder, dass er eine 1:1-Betreuung braucht, und man versicherte mir, das sei kein Problem. Als ich John nach vier Tagen abholte, teilte man mir mit, man könne ihn nicht wieder aufnehmen, weil er ja wirklich und tatsächlich die ganze Zeit eine 1:1-Betreuung braucht. Das könne man nicht leisten. Diese Einrichtung war die einzige, die in Berlin überhaupt in Frage kommt. Das Thema Abstandgewinnen durch Kurzzeitpflege ist seither ad acta gelegt. Eine Mutter-Kind-Kur, die mir bereits genehmigt worden war, wurde mir vorletzten Sommer sehr kurzfristig wieder abgesagt, da sich die Einrichtung auf der Insel Pellworm – die angeblich auf Autismus spezialisiert ist – nach Durchsicht aller eingereichten Gutachten und Unterlagen am Ende doch nicht in der Lage sah, uns in den Ferien aufzunehmen. Dabei wäre ich sogar selbst dabei gewesen.

Letztes Jahr hatte ich mir den Oberarm gebrochen. Die Krankenkasse bewilligte Leistungen eines häuslichen Pflegedienstes. Ich telefonierte viele Pflegedienste ab, aber keiner konnte für Johns Pflege einen Mann schicken. Für die meisten Frauen ist John allerdings schon nicht mehr zu bewältigen. Ich erläuterte genauestens seine Situation, aber man schickte mir eine zarte Frau, die sich schon nach dem ersten Tag krank meldete. Als Ersatz kam eine hochschwangere Frau, die Angst davor hatte, dass mein Sohn ihr in den Bauch tritt, und die ihn darum nicht wickeln wollte. Ich wechselte daraufhin den Pflegedienst, hatte mit dem zweiten aber nicht mehr Glück. Am Ende organisierte ich die Pflege über die eingearbeiteten Einzelfallhelfer und lernte, mein Kind einarmig zu wickeln.

Schön wäre es, wenn einem die Politik nicht noch zusätzlich Knüppel zwischen die Beine werfen würde: dass John einen Schulhelfer braucht, haben unabhängige Experten-Gutachten bestätigt, darum sollte ihm diese dringend nötige Hilfe auch gewährt werden, und man sollte nicht alle halbe Jahre wieder dafür kämpfen müssen.

Im Berliner Schulgesetz wird das Recht auf eine angemessene und „zukunftsfähige“ Ausbildung in §2 festgeschrieben. Im selben Paragraphen findet sich der ausdrückliche Hinweis, dass dieses Recht auch für Menschen mit Behinderung gilt. Darüber hinaus legt die „Verordnung über die sonderpädagogische Förderung (SopädVO)“ als geltende Rechtsvorschrift fest, dass „Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf das Recht auf eine ihrer persönlichen Begabung und ihrem persönlichen Leistungsvermögen entsprechende schulische Bildung und Erziehung haben“ (§2, Abs. 1). In §5 wird ausdrücklich der Einsatz von Schulhelfern an Sonderschulen erlaubt und geregelt. Und in der frisch in Kraft getretenen neuen Verfahrensordnung steht: „Schulhelferstunden können bewilligt werden, wenn aufgrund der Art, der Schwere und des Umfangs der Behinderung die Maßnahmen der ergänzenden Pflege und Hilfe nicht im Rahmen der personellen Grundausstattung der Schule zu leisten sind. Priorität hat die Bereitstellung der Leistungen für ergänzende Pflege und Hilfe im gemeinsamen Unterricht. In Ausnahmefällen ist der besonders zu begründende Schulhelfereinsatz auch an Sonderpädagogischen Förderzentren im Rahmen der verfügbaren Mittel möglich.“ Johns Gutachten belegen eindeutig, dass er ein solcher Ausnahmefall ist. Die jetzt vom Senat durchgeführten Kürzungen widersprechen all den genannten Vorgaben.

Muss man überhaupt sagen, dass außerdem mit jedem Grad an Selbständigkeit auf lange Sicht auch die Betreuungskosten für den Staat sinken? Man könnte sogar ökonomisch argumentieren. Ein Autist, der als Kind nicht gelernt hat, in dieser Welt zurechtzukommen, ist als Erwachsener umso pflegeintensiver. Wenn John erst einmal 1,90 m groß ist und über 80 kg wiegt, dann sind alle Betreuer mehr denn je auf seine Kooperation angewiesen, und die muss jetzt angebahnt werden. In Johns Zeugnis steht dieses Jahr: „Zunehmend besser gelingt es John, an gemeinsamen Unterrichtsaktivitäten teilzunehmen. So sitzt er im Morgenkreis jetzt auf einem eigenen Stuhl und führt bereitwilliger entsprechende Arbeitsaufträge aus. Dabei wählt er sein Bild, seinen Vor- und Nachnamen meist richtig aus und macht auch die Lautgebärden seines Vornamens bewusst mit. Fast sicher ordnet er dem täglichen Stundenplan die Ganzwörter zu.“

Diese Form von Inklusion in den Klassenverband und Mitarbeit wären vor einem Jahr noch undenkbar gewesen, und wir danken dies der intensiven Arbeit des Schulhelfers. Ich werde nicht zulassen, dass John durch die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung in seiner positiven Entwicklung behindert wird.

that they were careful to assure us that the drone was unarmed gives us a clear indication of the road we’re headed down.

Bei radio eins bestreitet Martina Krogmann, Verhandlungsführerin der CDU/CSU Bundestagsfraktion in Sachen Internetsperre, dass das geplante Gesetz in irgendeiner Form Folgen für andere Bereiche haben wird. Komisch, denn Frau Zypries von der SPD hatte dies kürzlich noch recht freimütig zugegeben: „Angesichts der ‚zahlreichen Verletzungen des geistigen Eigentums im Internet‘ fragte sich die Ministerin auch, ob beispielsweise eine stärkere Regulierung des Netzes erforderlich ist. So werde es die Politik sicher ‚die nächsten Jahre beschäftigen‘, was aus den geplanten Sperren kinderpornographischer Seiten ‚folgen wird‘, schloss sie eine Ausweitung auf illegale Angebote geschützter Werke zumindest nicht komplett aus.“
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Dazu Felix: Das Internet darf kein bürgerrechtsfreier Raum werden
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Die Worte von „The coming insurrection“ scheinen ein düsterer Wegweiser: „As an attempted solution, the pressure to ensure that nothing happens, together with police surveillance of the territory, will only intensify. The unmanned drone that flew over Seine-Saint-Denis last July 14th – as the police later confirmed – presents a much more vivid image of the future than all the fuzzy humanistic projections. That they were careful to assure us that the drone was unarmed gives us a clear indication of the road we’re headed down.
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Während Banken und Opel gerettet werden und das zweite Konjunkturpaket eine Investition in Bildung /sein soll/ hat man in Berlin beschlossen, bei der Bildung weiter zu sparen und gesundheitlich elementare Bildungskomponenten schwerst-mehrfachbehinderter Kinder zu streichen: Pankow will an Sonderschulen Therapeutenstellen sparen. Jetzt protestieren die Eltern.
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Der Artikel im „Tagesspiegel“ gibt die Situation leider sogar nur ungenügend wieder. Es gibt viele Gründe, weshalb es schwierig ist, freie Praxen in die Schule einzugliedern, und genau darum wurde eigentlich in einem langen Verhandlungsprozess ermittelt, dass die Therapeuten der Gesundheitsämter an den Schulen bleiben sollen und müssen. Der Pankower Amtsarzt Dr. Peters kennt die Hintergründe anscheinend nicht, und meint darum, man könne diese Therapeuten auch einfach entlassen und stattdessen auf die Einbindung freier Praxen setzen. Die diversen Gründe, warum das keine gute Idee ist, hatte ich schon einmal im Posting unserer Resolution aufgeschrieben. Alleine die alle 10 Wochen neu benötigten Verordnungen von Eltern regelmäßig zu bekommen, kann in vielen Fällen problematisch sein – und sobald die Verordnungen nicht regelmäßig vorliegen, wird das Kind nicht adäquat gefördert. Besonders für Kinder im Rollstuhl kann das schwere gesundheitliche Folgen haben.
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Was man auch dringend erwähnen muss: hätte die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung (SPD) ihre Verantwortung getragen und die Versorgung übernommen, gäbe es das ganze Problem nicht. Erst durch das Abwälzen der Verantwortung auf die Bezirke ist das Problem entstanden. Das Schulhelfer-Problem hat die Senatsverwaltung auch von der ehemals zentralen Bearbeitung auf die Bezirke abgewälzt. Soweit zur immergleichen Strategie, ungeliebte Kürzungen und Streichungen einfach outzusourcen.
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Schön ja auch der Satz der Schulstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD): „‚Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem die Bürger Einsparungen unvermeidlicherweise spüren, so die Stadträtin.“ Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: während man – ebenfalls in Pankow – einer Sonderschule die versprochenen Räumlichkeiten entzieht, zugunsten der neuen Sekundarschule, und während es durchaus allerlei Gewinner der Konkjunkturpakete, Abwrackprämien und Rettungsfonds gibt, sind in den Augen der SPD die schwerst-mehrfachbehinderten Kinder gerechterweise die ersten, die demütiges Verständnis für Einsparungen auf ihre Kosten demonstrieren sollen.
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Die ethische Diskussion der Pränataldiagnostik erreicht eine neue, wenn auch logischerweise längst absehbare /Qualität/: Deborah und Ariel Levy verklagen einen Arzt, der im Rahmen der Pränataldiagnostik ausgeschlossen hatte, dass sie ein Kind mit Down-Syndrom erwarten. Nach der Geburt stellte sich heraus, dass das Kind doch ein Down-Syndrom hat. Das Paar sagt, sie hätten die Schwangerschaft abgebrochen, wenn der Arzt richtig diagnostiziert hätte. Nun möchten sie 14 Millionen Dollar für Therapien, und zusätzlich die Kosten lebenslanger Versorgung erstattet bekommen, sowie eine Entschädigung für die emotionale Belastung und Depression, die das Kind der Mutter verursacht hat. „The Levys declined to be interviewed. Their attorney, David K. Miller, said the toddler is as dear to them as their two older children but they fear being perceived as ‚heartless.'“ Haha, herzlos, wie kommen sie bloß darauf?
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(Unverständlich der Adressat der Klage. Verklagen könnten sie zum Beispiel Gott wegen seiner unerhörten Idee menschlicher Vielfalt. Auch warum sie Schmerzensgeld bekommen sollten, ist unklar: wenn sie das nicht auf sich nehmen wollen, können sie das Kind ja auch zur Adoption freigeben, es gibt viele Paare, die gerne ein Kind mit Down-Syndrom adoptieren möchten.)

der guten nachricht folgt die schlechte auf dem fuße.

Champagner! Ein kräftezehrender anderthalbjähriger Protest kommt augenscheinlich zu einem erfolgreichen Ende: in der Plenarsitzung des Berliner Senates wurde gestern in den mündlichen Anfragen über die Zukunft der Schulhelferversorgung an den Förderzentren gesprochen (Minute 44-49). Senator Zöllner hat erstmals öffentlich bekanntgegeben, dass es auch weiterhin und langfristig Schulhelfer an Förderzentren geben wird, und dass die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung sich über die Finanzierung mit der Senatsverwaltung für Finanzen geeinigt hat. (Jetzt müssen wir allerdings noch abwarten, wie es mit der tatsächlichen Umsetzung aussieht, am 23. Juni haben wir den nächsten Termin in der Senatsverwaltung.)

So weit die gute Nachricht. Die schlechte: nun plant das Bezirksamt Pankow die Physiotherapeuten an den Förderzentren ersatzlos zu streichen. Die Pläne sind anscheinend schon weit fortgeschritten oder gar beschlossen, aber wir Eltern haben gerade erst davon erfahren. Wir haben uns schnell mit den Elternvertretungen verschiedener Schulen zusammengeschlossen und eine Resolution gegen diese Pläne verfasst.

Die Arbeit der Physiotherapeuten an den Förderzentren ist elementar wichtig. Für John jetzt nicht so unbedingt, weil er motorisch sehr aktiv ist, aber gerade Kinder mit körperlichen Behinderungen, schwerst-mehrfachbehinderte Kinder, Kinder im Rollstuhl sind auf die physiotherapeutische Versorgung angewiesen: ohne diese Therapien verkrampfen sich die Muskeln oder ganze Gliedmaßen, was zu schweren Beeinträchtigungen führt. Meine Kinderärztin sagte mir erst gestern, dass einige Kinder ohne Physiotherapie auf Dauer im Rollstuhl landen, obwohl sie bei ausreichender Förderung nicht im Rollstuhl sitzen müssten.

Der Bezirk meint anscheinend, dass die Eltern die physiotherapeutische Versorgung außerhalb der Schule selbst gewährleisten können, aber das ist aus vielerlei Gründen problematisch: die Kinder sind bis nachmittags in der Schule und Therapien im Anschluss an den langen Schultag sind wenig effektiv; die Eltern können gerade schwerst-mehrfachbehinderte Kinder oft nicht selbst irgendwohin bringen; viele Eltern sind zudem berufstätig; andere Eltern wiederum kümmern sich nicht genügend um die Therapien ihrer Kinder, in dem Fall wird erst durch die Schule die ausreichende Versorgung und Förderung gewährleistet etc.

Wir haben unsere Resolution an die Medien und bildungpolitischen Sprecher aller Parteien geschickt, sowie auch sonst breit gestreut (Elternvertretungen, Behindertenbeauftragte etc.)

Resolution gegen den Sparwahn in Pankows Sonderschulen

Wir Elternvertreter der Schulen mit den sonderpädagogischen Förderschwerpunkten „Geistige Entwicklung“ und „Körperlich-motorische Entwicklung“ im Bezirk Pankow protestieren mit dieser Resolution entschieden gegen die an unseren Schulen geplante Streichung der therapeutischen Fördermaßnahmen.

An unseren Schulen sind Therapeutinnen und Therapeuten tätig, die beim Gesundheitsamt Pankow angestellt sind und in enger Zusammenarbeit mit Lehrern und Eltern die Entwicklung unserer Kinder unterstützen. Diese Einzelförderung ist, wie in allen anderen Berliner Bezirken auch, unverzichtbarer Bestandteil des Bildungsauftrags unserer Schulen und trägt wesentlich zu schulischer und gesellschaftlicher Integration unserer Kinder bei.

Der Bezirk Pankow plant nun aufgrund der Sparvorgaben des Landes Berlin, die Therapeuten und Therapeutinnen aus unseren Schulen ersatzlos abzuziehen. Diese Sparmaßnahme würde dazu führen, dass der integrative Ansatz unserer Schulen nur noch ungenügend erfüllt werden könnte und unseren Kindern ein wesentliches Element ihrer individuellen Förderung genommen würde.

  • Wir empfinden diese Kahlschlagpläne als den unverhohlenen Versuch, zulasten von Kindern mit Behinderungen die Sanierung des Bezirkshaushaltes zu betreiben.
  • Wir empfinden die vorgeschlagene Streichung der Therapeuten-Stellen als eine Bankrotterklärung der Politik an ein integratives Schulsystem.
  • Wir können nicht nachvollziehen, dass ein solcher Vorschlag ernsthaft diskutiert und zugleich Bildung als wichtigstes Zukunftsthema in unserem Land benannt wird.
  • Wir werden nicht zulassen, dass unsere Kinder und Schulen wegen der augenscheinlichen politischen Handlungsunfähigkeit von Bezirk und Senat an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden!
  • Wir Eltern fühlen uns in unseren Bemühungen, in enger Zusammenarbeit mit den Schulen eine positive Entwicklung unserer Kinder zu erreichen, vom Berliner Senat und der Pankower Bezirkspolitik im Stich gelassen.
  • Wir fordern von der Senatorin für Gesundheit, die jahrelange Untätigkeit ihres Hauses auf diesem Gebiet zu beenden und gemeinsam mit den Bezirken konstruktive Lösungsvorschläge zu entwickeln!
  • Wir fordern eine individuelle und optimale Förderung für unsere Kinder – nicht mehr und nicht weniger steht uns und unseren Kindern zu!

Wir verlangen von allen politisch Verantwortlichen im Bezirk und auf Landesebene, den Plänen des Bezirksamtes Pankow die Zustimmung zu verweigern und die beabsichtigte ersatzlose Streichung der Therapiemaßnahmen an unseren Schulen unverzüglich zurückzunehmen.

Elternvertretung der Helene-Haeusler-Schule, Berlin Pankow
Elternvertretung der Marianne-Buggenhagen-Schule, Berlin Pankow
Elternvertretung der Panke-Schule, Berlin Pankow
Elternvertretung der Biesalski-Schule, Berlin Steglitz-Zehlendorf

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